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Nach Streit mit Stiftung Investor wendet sich ab, 700 Jobs gefährdet – bei Kettler herrscht Endzeitstimmung

Plötzlich steht das Unternehmen ohne Investor da. Die Mitarbeiter von Kettler stemmen sich mit einem Protestmarsch gegen das endgültige Aus.
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Der Hersteller des Kult-Spielzeugs, Kettler, ist insolvent. Quelle: dpa
Ein Kettcar wird durch Berliner Straßen gefahren

Der Hersteller des Kult-Spielzeugs, Kettler, ist insolvent.

(Foto: dpa)

Soest Dunkle Wolken ziehen über das Örtchen Ense-Parsit im Sauerland, als sich der Protestmarsch mit knapp 500 Kettler-Beschäftigten am Freitagmorgen vom Hauptsitz des Unternehmens, das unter anderem das bekannte Spielzeug Kettcar und Sportartikel herstellt, in Bewegung setzt.

Das Ziel der Demonstranten: die Heinz-Kettler-Stiftung. Sie ist die Rechtsnachfolgerin von Karin Kettler, der im vergangenen Jahr verstorbenen Tochter des Firmengründers, und hat bei der Gestaltung der Zukunft des insolventen Unternehmens viel zu sagen. Und nun soll sie Gelder zu dessen Rettung bereitstellen. „Ein letzter Strohhalm“, wie ein Beteiligter sagt.

Denn nachdem der Investor Altera Capital, dessen Einstieg das Unternehmen bis zuletzt fest angekündigt hatte, kurzfristig abgesprungen ist, sieht es düster aus für Kettler. Hinzu kommen heftige Streitereien und Schuldzuweisungen zwischen Unternehmen und Stiftung sowie innerhalb der Stiftung selbst.

Denn die Konstruktion der Stiftung ist so beschaffen, dass sie wichtige Entscheidungen bei Kettler blockieren kann – ohne die Eigentümerin des Unternehmens zu sein. Nun deutet fast alles darauf hin, dass die Lichter bei Kettler schon in wenigen Tagen endgültig ausgehen. Über 700 Menschen könnten ihren Job verlieren.

Es wäre das Ende eines jahrelangen Niedergangs. Denn 2015 war Kettler erstmals in die Insolvenz gerutscht – konnte das Verfahren aber zügig in Eigenregie abschließen. Doch die Hoffnung auf bessere Zeiten währte nicht lange: Im Juli dieses Jahres war es zum zweiten Mal soweit. Kettler meldete erneut Insolvenz in Eigenregie an.

Doch dieses Mal ging es schief. Die Kettler-Geschäftsführung blieb trotz der Insolvenz weiterhin im Amt. Sie kündigte an, bereits nach den Sommerferien die Pläne des Investors Altera Capital zu präsentieren, mit dessen Hilfe sie den Sanierungsprozess plane. Ab der Herbstsaison sollte das Unternehmen sich bereits neu ausgerichtet haben.

Doch am Donnerstag gab Kettler bekannt, dass es wohl keinen Einstieg von Altera geben werde. Die Mitteilung kam überraschend – noch Anfang der Woche hieß es aus dem Unternehmen, dass das Engagement des Investors nicht gefährdet sei. Dass der Abbau von bis zu 160 Arbeitsplätzen ansteht, war zu diesem Zeitpunkt bereits durchgesickert.

Streit zwischen Unternehmen und Stiftung eskaliert

Die Schuld für den Ausstieg von Altera wies das Kettler der Heinz-Kettler-Stiftung zu. Denn Voraussetzung für den Investoreneinstiegs sei eine konstruktive Mitwirkung der Stiftung gewesen. Allerdings hätten die Kettler-Geschäftsführung und der Investor „nach umfangreichem Austausch mit den Vertretern der Stiftung das Vertrauen, dass die erforderliche Mitwirkung innerhalb der vorgegebenen Spielräume tatsächlich zu erreichen ist, nunmehr verloren“.

Die Stiftung reagierte am Freitag umgehend mit einer eigenen Pressemitteilung: „Die Verantwortung für Erfolglosigkeit, Verluste und Überschuldung der Kettler GmbH liegt bei deren Gesellschaftern und ihrer Geschäftsführung, nicht bei der Stiftung.“ Für die Sorgen und Nöte der im Umfeld von Kettler betroffenen Menschen habe die Stiftung größtes Verständnis, ihr seien jedoch stiftungsrechtliche und gemeinnützigkeitsrechtliche Grenzen gesetzt.

Die Demonstranten zogen am Freitag von der Kettler-Zentrale in Ense-Parsit zur Heinz-Kettler-Stiftung. Sie wollen Druck auf die Verantwortlichen der Stiftung ausüben.
Kettler-Mitarbeiter bei ihrem Protestmarsch

Die Demonstranten zogen am Freitag von der Kettler-Zentrale in Ense-Parsit zur Heinz-Kettler-Stiftung. Sie wollen Druck auf die Verantwortlichen der Stiftung ausüben.

Gegenüber dem Handelsblatt erläuterte Stiftungsvorstand Andreas Sand aber auch, dass die Stiftung sehr wohl bereit sei, Teile des Stiftungsvermögens für die Zukunft des Unternehmens bereitzustellen. Sie habe sich gerade in Verhandlungen gewähnt, als sie die Botschaft über den Rückzug des Investors erreichte. Wenn überhaupt, verweigere sich das Stiftungs-Kuratorium.

Zwischen Stiftungsvorstand und Kuratorium hatte es schon in den vergangenen Wochen erhebliche Differenzen gegeben. Kurz nach der Eröffnung des Kettler-Insolvenzverfahrens Anfang Oktober hatte das von Manfred Sauer geführte dreiköpfige Kuratorium die beiden Stiftungsvorstände Andreas Sand und Werner Scheiwe unerwartet von ihrem Posten abberufen. Zu Unrecht, wie die Bezirksregierung Arnsberg, die die Aufsicht über die Stiftung hat, entschied. Sauer gilt damit in der Stiftung als blockiert.

Ein letzter Funke Hoffnung

Doch selbst wenn die Stiftung Gelder bereitstellen sollte, wäre Kettler langfristig nicht geholfen. Denn ohne einen Investor ist das Unternehmen nicht überlebensfähig.

Eine kleine Hoffnung scheint es aber noch zu geben. Es soll sich dabei laut Recherchen des Handelsblatts um einen strategischen, deutschen Interessenten handeln. Wie Andreas Sand auf Nachfrage erklärte, fehlen dem möglichen Investor allerdings bis dato wichtige Zahlen und Informationen, um sich für einen Einstieg entscheiden zu können.

Dagegen äußerte die Kettler-Unternehmenssprecherin noch vor wenigen Tagen, dass von einem möglichen weiteren Interessenten nichts bekannt sei. Der als Sachwalter eingesetzte Rechtsanwalt Horst Piepenburg äußerte sich auf Nachfrage zu einem möglichen neuen Investor bisher nicht. So steht nur eines fest: Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff erklärte heute am Rande der Demonstration, dass am kommenden Montag noch einmal eine Mitgliederversammlung stattfinde. Es könne bedeuten, „dass am Montag die Lichter ausgehen“, so Bierhoff. Möglichst viele Arbeitsplätze sollten aber gerettet werden. Wie das gehen soll, verriet er aber nicht.

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