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Nachgefragt bei Stefan Heidbreder „Familienunternehmen sind die wirtschaftliche Pulsader Deutschlands“

Erstmalig wurde eine Rangliste der ältesten Familienunternehmen veröffentlicht. Das hat auch was mit der aktuellen Debatte um Industriepolitik zu tun.
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Mittelständische Unternehmen gehören gerade im ländlichen Raum zu den wichtigsten Arbeitgebern. Quelle: dpa
Ein Maurer in Nordrhein-Westfalen

Mittelständische Unternehmen gehören gerade im ländlichen Raum zu den wichtigsten Arbeitgebern.

(Foto: dpa)

Herr Heidbreder, Ihre Stiftung lässt auf wissenschaftlicher Basis viele Daten zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen untersuchen. Eine Liste mit den ältesten Unternehmen hatten Sie bisher noch nicht veröffentlicht. Was ist jetzt der Anlass?
Paul Niederstein von der Coatinc Company hat uns angerufen und gesagt, er könne beleghaft nachweisen, dass er das älteste Familienunternehmen in Deutschland führt. Er hat Wirtschaftshistoriker und mich eingeladen, sich das anzuschauen und tatsächlich stellten alle fest, dass das Unternehmen wirklich 1502 gegründet wurde und damit das älteste deutsche Unternehmen in Familienhand ist. Das ist durchaus eine kleine Sensation.

War nicht der Druckknopfspezialist Prym immer das älteste deutsche Familienunternehmen?
Prym ist zweifelsohne ein besonders altes Familienunternehmen und in dieser Liste auf Platz zwei zu finden. Die 28 Jahre Unterschied sind im historischen Rückblick von mehr als 500 Jahren allerdings nur ein Wimpernschlag in der Geschichte. Es kommt ohnehin eher auf die Gesamtschau aller alten Familienunternehmen an, für die die Liste symbolisch steht.

Wichtig ist, dass an alle aufgeführten Unternehmen die gleichen Kriterien angelegt werden. Voraussetzung ist eine urkundliche Erwähnung für die wirtschaftliche Aktivität sowie der durchgängige Nachweis des Besitzes in einer Familie.

Wo liegt denn die Mindestgröße? Allein in Solingen gibt es doch viele Schmieden, die könnten jetzt in ihren Unterlagen suchen. Da werden Sie die Liste womöglich neu schreiben müssen.
Wir haben alle wirtschaftlich aktiven Unternehmen genommen, aber Landwirte, Gasthöfe, Apotheken, Mühlen, kleine Handwerksbetriebe, die lange eben nur das waren, wegen der schlechten Datenlage herausgenommen.

Aber es ist doch gut möglich, dass Sie aktualisieren müssen, oder?
Das finden wir nicht schlimm, im Gegenteil, die Liste soll leben und regelmäßig aktualisiert werden. Die Unternehmerfamilien sollen ja weiter forschen. Dadurch kann man immer wieder zeigen, dass es so viele Familienunternehmen in widrigsten Zeiten und schwierigen Branchen wie zum Beispiel der Glasverarbeitung, schaffen, in Familienhand zu bleiben. Auch Weltmarktführer wie Merck sind darunter.

Heidbreder ist Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. Bildquelle: Stiftung Familienunternehmen
Stefan Heidbreder

Heidbreder ist Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Bildquelle: Stiftung Familienunternehmen

Sie sagen, Sie führen schon lange eine interne Liste, warum gehen Sie ausgerechnet jetzt damit an die Öffentlichkeit?
Im Lichte der Diskussionen um die deutsche oder europäische Industriepolitik zeigt die Liste doch, dass die Wirtschaft nicht an der Börse gehandelt wird. Vielmehr sind die Familienunternehmen die wirtschaftliche Pulsader Deutschlands und die wichtigsten Arbeitgeber im ländlichen Raum, die zudem eine große Pluralität an Branchen und Technologien zeigen.

Das ist ja bekannt …
Aber die Liste belegt den großen Unterschied in der Unternehmenslandschaft zu Frankreich, zu den USA, China und anderen Industriestaaten! Deswegen verbietet sich eine Kopie industriepolitischer Pläne anderer Nationen. Wir müssen bei unserer Unternehmensstruktur ansetzen. Die ist seit Jahrhunderten gewachsen, mit anderen nicht vergleichbar und von anderen nicht so einfach zu kopieren.

Aber die Urbanisierung setzt sich fort, noch ist nicht entschieden, ob die Menschen wirklich im ländlichen Raum arbeiten wollen. Der Fachkräftemangel dort zeigt es doch.
Deutschland gehört zu den wenigen Staaten weltweit, in denen es kaum ein Stadt-Land-Gefälle gibt. Es ist fast schon umgekehrt so, dass es auf dem Land besser läuft, eben weil es dort qualifizierte Jobs gibt. Das liegt eben an dieser von Familienunternehmen geprägten Unternehmensstruktur, die einst aus den Zünften und der Vielstaaterei entstanden ist.

Grafik

Zum Thema Geschichte: Der Fall Bahlsen hat den Blick auf die Unternehmen im Nationalsozialismus gelenkt. Haben Sie die Unternehmen auch in Bezug darauf untersucht? 
Die Rolle von Unternehmen im Nationalsozialismus, ob es Familienunternehmen sind oder Großkonzerne im Streubesitz, ist ein bedeutendes Thema. Ich glaube die meisten Unternehmen haben sich damit befasst. Aber es war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Würden Sie oder die Historiker diese Zeit noch einmal gesammelt untersuchen?
Wir werden in diesem Jahr zwei wirtschaftshistorische Studien veröffentlichen. Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland wird darin nicht ausgeklammert.

Mehr: Lesen Sie hier sechs Fakten, die zeigen, dass Familienunternehmen die deutsche Wirtschaft maßgeblich prägen.

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