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Nachhaltiges Banking Crowdinvesting mit Risiko: Fintech Tomorrow sammelt drei Millionen Euro ein

Die Gründer von Tomorrow setzen auf Nachhaltigkeit in der Finanzbranche und stellen fünf Prozent Zinsen in Aussicht. Für Kleinanleger eine riskante Wette.
21.10.2020 - 12:43 Uhr Kommentieren
Alle drei haben Erfahrung mit sozialen, nachhaltigen Businessmodellen.
Tomorrow-Gründer (v.l.) Michael Schweikart, Inas Nureldin und Jakob Berndt

Alle drei haben Erfahrung mit sozialen, nachhaltigen Businessmodellen.

Frankfurt Auf diesen Ansturm waren die Server nicht vorbereitet. Hunderte Kleinanleger auf einmal verzögerten beim Crowdinvesting-Auftakt des Fintechs Tomorrow die Buchungen. Kurz nachdem die Firma aus Hamburg in dieser Woche ihre Kampagne freigeschaltet hatte, machte die Seite schlapp.

Was die Server für eine Stunde überlastete, lohnte sich für Tomorrow: Nach fünf Stunden hatte die Firma drei Millionen Euro an frischem Kapital eingenommen. Das ursprüngliche Ziel von zwei Millionen Euro hatte die Firma für nachhaltige Finanzen kurzerhand aufgestockt. „Sehr aufregend“ sei das gewesen, sagt Tomorrow-Mitgründer Michael Schweikart, und „ein wahnsinnig gutes Zeichen“.

Kunden konnten mit Investments in Höhe von 100 bis 25.000 Euro Anteile am Unternehmen kaufen, das sie an möglichen Gewinnen teilhaben lässt. Das ambitionierte Versprechen: fünf Prozent Zinsen auf die Einlage nach fünf Jahren. Mehr als 2000 Investoren folgten dem Aufruf nach Unternehmensangaben. Schweikart sagt: „Viele haben Lust darauf, stärker beteiligt zu werden.“

Die Beteiligung ist allerdings riskant, die investierten Summen sind nicht abgesichert. Sollte Tomorrow scheitern, ist das Geld der Kleinanleger weg. Die Firma wies in ihrer Anlagebroschüre ausdrücklich darauf hin, dass ein Totalverlust möglich ist. Schweikart sagt: „Wir sind ehrlich mit den Leuten umgegangen und haben gesagt, wenn ihr das Geld nicht überhabt, dann investiert bitte nicht.“

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    Offen und transparent geben sich die Gründer Schweikart, Jakob Berndt und Inas Nureldin, die gemeinsam knapp über die Hälfte am Unternehmen halten. Alle drei haben Erfahrung mit sozialen, nachhaltigen Businessmodellen. Tomorrow ist 2018 angetreten, Banking und Geldanlage nachhaltig zu machen. Mit ihren Gebühren und Einlagen unterstützen die Kontoinhaber den Betrieb von Biogasanlagen in Vietnam und peruanische Kleinbauern.

    Für die angepeilte Wertsteigerung braucht Tomorrow allerdings deutlich mehr als die bisher gut 40.000 Kunden – und ein erfolgreiches Geschäft. Zwar hat die 2018 gegründete Smartphonebank in den ersten acht Monaten 2020 mit 200.000 Euro zum ersten Mal überhaupt einen nennenswerten Umsatz erzielt. Doch unterm Strich stand ein Verlust von fast vier Millionen Euro.

    Europa-Expansion aufgeschoben

    Umsätze sollen von drei Bereichen ausgehen: von Konten und Karten, von Plattformprodukten wie nachhaltigen Aktienfonds und Versicherungen sowie von Krediten. Doch bis auf Konto und Kreditkarte verkauft Tomorrow noch nichts. Das Basiskonto ist kostenlos; ein weiteres mit unbegrenzten Gratis-Abhebungen vertreibt das Fintech für 15 Euro im Monat.

    In diesem Jahr sollte „einiges an Features kommen, Dinge, die es in dem Markt noch nicht gibt“, hatte Berndt Ende 2019 angekündigt. Doch es kam nur Corona. Die Pandemie wirkte sich auch auf die Expansionspläne aus. Die haben die Hamburger auf 2021 verlegt, die Ziele sind dann laut Schweikart Frankreich, die Niederlande, Österreich, Spanien und Italien.

    Neben dem Wachstum im Ausland setzt das Fintech auf eigene Produkte. Weil es „aus unserer Sicht aktuell kein zufriedenstellendes Angebot gibt“, legen Schweikart und Kollegen mithilfe eines Fondsmanagers selbst einen Fonds auf, der höchsten Nachhaltigkeitskriterien entsprechen soll. Ein Team sondiert dafür den Markt für nachhaltige Energieversorger und Versicherungen.

    2025 will Tomorrow profitabel sein, mit einer Million Kunden. Dass dafür eine exponentielle Steigerung nötig ist, schreckt Schweikart nicht ab. Bislang hätten sie vor allem die App aufgebaut, „die auf Augenhöhe mit anderen Banken ist“. Geld in Marketing und Werbung sei kaum geflossen. Ein einziger Mitarbeiter kümmere sich um Kundenakquise. Mehr Mitarbeiter und mehr Marketing könnten in Zukunft mehr Kunden bringen.

    Die Konkurrenz auf dem Markt für Smartphone- und Nachhaltigkeitsbanken ist jedoch groß. Fintechs wie N26, Revolut und Monzo bieten schnelles, nutzerorientiertes Banking auf dem Handy an und haben deutlich mehr Kunden. Nachhaltigkeitsbanken, etwa GLS oder Triodos, gibt es seit Langem.

    Tomorrow nimmt für sich das Alleinstellungsmerkmal in Anspruch, intelligentes Banking per App und nachhaltige Investments zu vereinen. Genügend potenzielle Kunden gibt es. Von europaweit 66 Millionen Menschen, die infrage kämen, habe bislang nur knapp ein Prozent ein nachhaltiges Konto, argumentiert Tomorrow.

    Die jetzige Finanzierungsrunde bezeichnet Schweikart als „Zwischenrunde“. Die größeren Investoren schossen diesmal nur zwei Millionen Euro nach. 2019 waren es noch mehr als acht Millionen gewesen. Schweikart sagt, man werde die Gespräche mit den Financiers Anfang 2021 wieder aufnehmen.

    Mehr: Banken, Techkonzerne und Start-ups wollen Kunden helfen, Konto, Depot und Versicherungen digital zu organisieren. Was steckt dahinter?

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