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Nicht erfüllte Testwerte Velux gegen Roto – Streit in der Dachfensterbranche

Marktführer Velux ärgert sich über einen deutschen Wettbewerber. Dessen Dachfenster erfüllten in Tests die deklarierten Wärmedämmwerte nicht.
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Die Dachfenster der Konkurrenz seien nicht wärmeisoliert wie versprochen, beklagt der Dachfenster-Hersteller. Quelle: Velux
Velux-Chef David Briggs

Die Dachfenster der Konkurrenz seien nicht wärmeisoliert wie versprochen, beklagt der Dachfenster-Hersteller.

(Foto: Velux)

DüsseldorfEigentlich könnte sich David Briggs, Chef des Dachfensterbauers Velux, bequem zurücklehnen. Das dänische Familienunternehmen, das 1942 das klappbare Dachfenster erfand, ist mit rund 75 Prozent Anteil Weltmarktführer. Auch in seinem größten Markt Deutschland steht Velux mit Abstand an der Spitze. Hierzulande beschäftigt Velux rund 1000 von weltweit mehr als 10.000 Mitarbeitern, in Thüringen gibt es ein eigenes Werk.

Doch der Brite Briggs, der 2018 die Führung von Velux übernahm, ärgert sich über einen deutschen Wettbewerber. Velux hat in den Jahren 2016 bis 2018 Tests mit eigenen und Dachfenstern von Konkurrenten durch unabhängige, zertifizierte Prüfinstitute durchführen lassen. Der Vorwurf von Velux: Stichprobenartig getestete Dachfenster von Roto Dach- und Solartechnik aus Bad Mergentheim hätten überwiegend nicht die deklarierten Werte zum Wärmeverlust erfüllt.

Wie andere Bauprodukte auch dürfen Dachfenster nur mit dem CE-Zeichen in der EU in Verkehr gebracht werden. Bevor ein Fenster auf den Markt kommt, werden bestimmte Werte von einem notifizierten Institut geprüft. Entsprechend darf das Fenster deklariert werden. Der Hersteller muss durch regelmäßige Produktionskontrollen sicherstellen, dass alle Fenster die deklarierte Qualität erfüllen.

Bei Dachfenstern ist etwa der Wärmedurchgangskoeffizient (Uw-Wert) wichtig. Dieser beschreibt den Wärmeverlust durch das Fenster. Je höher der Wert umso höher ist der Energieverbrauch in der Wohnung. Dies ist für Verbraucher ein wichtiges Kaufkriterium.

Velux hatte die deutsche Energiesparte von Navigant (vormals Ecofys) mit unabhängigen Marktanalysen beauftragt. „Wir haben eine Reihe von jetzt noch erhältlichen Dachfenstern anonym in zufälligen Stichproben im Handel gekauft“, erklärt Andreas Hermelink, Director Energy bei Navigant in Berlin.

Zwischen Mai 2016 und Oktober 2018 erwarb Navigant insgesamt 65 Dachfenster von Roto im deutschen Handel. Diese ließen die Käufer im unabhängigen, notifizierten Testinstitut IFT Rosenheim auf den Uw-Wert testen. „Transport, Lagerung und Einbau in der Testapparatur entsprachen den Vorgaben der Hersteller“, versichert Hermelink. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt vor.

Demnach erreichten nur acht der 65 getesteten Roto-Dachfenster die deklarierten Uw-Werte. Der Rest verfehlte die deklarierten Wärmedämmwerte. „Das ist ein überraschend hoher Anteil“, meint Hermelink. „Die Verbraucher entscheiden sich für einen Wärmedämmwert vor allem auch, um Energie zu sparen.“

Briggs ärgert sich: „Die Ergebnisse zeigten deutliche Abweichungen zwischen den deklarierten Uw-Werten und den tatsächlichen Uw-Werten einiger Dachfenster des Wettbewerbers - und das beunruhigt uns.“

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass kein Handlungsbedarf besteht“

Der deutsche Hersteller Roto Bad Mergentheim dagegen sieht keinen Handlungsbedarf. „Wir haben unsere Deklarationen erneut kritisch überprüfen lassen und sind zu dem Schluss gekommen, dass kein Änderungs- und Handlungsbedarf besteht“, schreibt Geschäftsführer Christoph Hugenberg auf Anfrage des Handelsblatts. „Zu den von Velux mitgeteilten Testergebnisse können wir nicht Stellung nehmen, da uns die dazu notwendigen Details nicht bekannt sind.“ Velux hatte mit Schreiben vom 1. Juni 2018 nach eigener Aussage Testergebnisse übermittelt.

Die Tests zogen juristischem Streit zwischen Velux und Roto nach sich. Vor dem Landgericht Stuttgart schlossen beide Parteien im August 2018 einen ersten Vergleich. Demnach darf Velux die Richtigkeit der von Roto deklarierten Uw-Werte in der Typenzulassung nicht in Frage stellen. Roto darf jedoch die Behauptung von Velux nicht mehr als falsch bezeichnen, die in Tests ermittelten Werte von Roto-Dachfenstern wichen von den deklarierten Uw-Werten ab.

Roto sieht die Diskussion mit Velux als erledigt an – weitere Klärung solle, wo nötig, über zuständige Marktaufsichtsbehörden herbeigeführt werden. Velux dagegen lässt nicht locker. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits das Regierungspräsidium in Tübingen informiert und formelle Beschwerde eingereicht. Dies habe das Deutsche Institut für Bautechnik (DiBt) mit der Überprüfung der Testergebnisse beauftragt. Eine Entscheidung steht aus.

„Wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, für Transparenz über den Status von Uw-Werten zu sorgen“, sagt Velux-Chef Briggs. „Das ist von größter Bedeutung, um gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Dachfensterindustrie zu schaffen.“ Die Behörde hat nun das nächste Wort.

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