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Niederlage vor Gericht Nach Streit mit Buffett: Röhrenspezialist Schulz meldet für vier Gesellschaften Insolvenz an

Berkshire Hathaway übernahm 2017 das Geschäft der Krefelder Schulz-Gruppe, dann kam es zum Streit. Ein Sieg vor Gericht könnte für die Amerikaner wertlos sein.
05.05.2020 - 17:45 Uhr Kommentieren
Der Kauf eines deutschen Mittelständlers geriet zum Desaster. Quelle: Reuters
Star-Investor Warren Buffett

Der Kauf eines deutschen Mittelständlers geriet zum Desaster.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der spektakuläre Rechtsstreit zwischen dem Krefelder Familienunternehmer und einem Unternehmen des US-Investors Warren Buffett gewinnt an Dramatik. Wie das Amtsgericht Krefeld dem Handelsblatt bestätigte, meldeten am Montag vier Gesellschaften aus der Schulz-Gruppe Insolvenz an.

Hintergrund ist ein Schiedsspruch aus New York. Die Schulz-Seite soll 643 Millionen Euro an die Precision Castparts Corporation (PCC) zurückzahlen. Die Tochter der Unternehmensgruppe Berkshire Hathaway von Warren Buffett hatte den Krefelder Röhrenspezialisten Anfang 2017 für 800 Millionen Euro übernommen – in der Annahme, dessen Geschäft sei stark wachsend und profitabel. Offenbar war das Gegenteil richtig.

„Dies ist ein Fall von klarem und allumfassendem Betrug“, heißt es im Schiedsspruch vom 9. April. „Dabei haben die Beteiligten die Kläger vielmehr systematisch in die Irre geführt und versucht, ihre Spuren zu verwischen.“ Die Richter hielten es für erwiesen, dass die Schulz-Seite Umsatz und Gewinn plump manipuliert hatte.

Demnach wurden Scheinaufträge mit Photoshop fabriziert und anschließend dafür Scheinrechnungen geschrieben. Die in Wirklichkeit prekäre Lage des Röhrenspezialisten sei durch „Ringüberweisungen“ im Unternehmen kaschiert worden.

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    In Deutschland hat sich die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft der Sache angenommen. Sie beschuldigt Wolfgang Schulz, eine lokale Unternehmergröße und Mäzen des Eishockeyklubs Krefeld Pinguine, des „gemeinschaftlichen Betruges im besonders schweren Fall, der Urkunden- und Bilanzfälschung“.

    Sieben weitere Ex-Manager der Gruppe stehen unter Verdacht, den Gewinn des Röhrenspezialisten für 2016 um mehr als 86 Millionen Euro aufgebläht zu haben. Dieser angebliche Gewinn war die Grundlage für den Kaufpreis.

    Kein Kommentar

    Die Beschuldigten bestreiten eine Schädigung des Käufers, ohne sich zu den einzelnen Vorwürfen zu äußern. Laut Schiedsgericht waren sie im Schiedsverfahren wenig gesprächig. „Es ist vielsagend, dass die Beschuldigten den Betrug nicht abstritten“, notierten die Richter. Das Argument der Krefelder sei lediglich, dass die Kläger ihre Vorwürfe nicht beweisen könnten. Das Gericht sah das anders.

    Auch dem Handelsblatt gegenüber wollte sich Schulz nicht dazu äußern, ob Umsätze und Gewinne erfunden wurden. Ein Sprecher sagte, man weise den Vorwurf des Betruges klar zurück. PCC sei kein Schaden entstanden. Im Gegenteil habe PCC mit Schulz ein überaus werthaltiges Asset erworben. Hauptmotiv für die Übernahme seien die „hohen Synergiepotenziale gewesen, die von PCC selbst identifiziert wurden“. Schulz sei in der Branche weiterhin „eine strahlkräftige Marke“. Beides zu nutzen sei Sache der Amerikaner.

    Um die Insolvenzanträge kamen die Verkäufer trotzdem nicht herum. „Mit der Zustellung des Arbitration Award ist eine Forderung entstanden, die buchhalterisch zu berücksichtigen ist, auch wenn wir derzeit rechtlich gegen den Schiedsspruch vorgehen“, sagt ein Sprecher. „Da die Gesellschaften absehbar nicht in der Lage sein werden, eine entsprechende Zahlung zu leisten, ist es für den verantwortlich handelnden Kaufmann unabwendbar, innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Wochen Insolvenzantrag zu stellen.“

    Für die Kläger sind Insolvenzanträge kein Grund, von der Verfolgung derjenigen abzusehen, von denen sie sich betrogen fühlen. Zwar nutzen manche Unternehmer eine Pleite, um Ansprüche abzustreiten. „Jedoch sind Forderungen aus unerlaubter Handlung nicht von der Restschuldbefreiung am Ende des Insolvenzverfahrens umfasst“, sagt Anwalt Frank J. Bernardi von der Kanzlei Rödl & Partner. Das bedeute, dass jemand aus einem erstrittenen Titel „30 Jahre gegen seine Gegner vorgehen kann, auch nach einer Insolvenz.“

    Mehr zum Thema: Wie Buffetts 800-Millionen-Euro-Kauf in Krefeld zum Desaster geriet.

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