Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Niels Christiansen Lego spielt in der Coronakrise seine Online-Stärke aus

Der Spielwarenhersteller verzeichnet das beste Halbjahr der Firmengeschichte. Der konsequente Digitalkurs des Lego-Chefs zahlt sich nun aus.
02.09.2020 - 14:24 Uhr Kommentieren
Lego: Spielwarenhersteller spielt in der Coronakrise seine Online-Stärke aus Quelle: dpa
Lego-Chef Niels Christiansen

Der Ingenieur gilt in seinem Heimatland Dänemark als einer der erfolgreichsten Manager der vergangenen Jahre.

(Foto: dpa)

Stockholm Es war mal wieder so ein Tag, den Niels Björn Christiansen in seinem Kalender am liebsten rot markieren wollte. Und das nicht, weil er ihn schnell vergessen wollte, im Gegenteil: „Wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, freute sich der 54-jährige Chef von Lego, dem größten Spielwarenhersteller der Welt, am Mittwoch am Konzernsitz im beschaulichen Billund.

Tatsächlich konnte das Familienunternehmen unter seiner Führung das beste Halbjahresergebnis in der nunmehr 88-jährigen Firmengeschichte präsentieren. Und das trotz oder gerade wegen der weltweiten Coronakrise. Der Umsatz stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um sieben Prozent auf 15,7 Milliarden Kronen, umgerechnet 2,1 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis sogar um elf Prozent auf 3,9 Milliarden Kronen.

„Die Zahl der Familien, die mit Lego bauen und lernen, hat sich in der Coronazeit verdoppelt“, sagte Christiansen. „Wir haben alles unternommen, um den Eltern zu helfen, deren Kinder nicht zur Schule gehen konnten.“ Der dänische Klötzchenriese öffnete zum Beispiel den Zugang zu seinen Apps, die normalerweise erst nach einer Registrierung zugänglich sind.

Während die beiden größten Lego-Konkurrenten Mattel (Barbie) und Hasbro (My Little Pony) Marktanteile verloren, konnte Lego in vielen Regionen zulegen und seine Position als größter Spielwarenhersteller der Welt festigen. Obwohl viele Lego-Geschäfte schließen mussten, kompensierten die Dänen das Umsatzminus durch ihr Onlinegeschäft.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Manager mit der stets ein wenig zu groß wirkenden Brille profitierte dabei allerdings von der Weitsicht seiner Vorgänger Jörgen Vig Knudstorp und Bali Padda, die bereits vor einigen Jahren die Bedeutung des Onlinegeschäfts sahen und den Grundstein für den heutigen Erfolg legten.

    Hartes Durchgreifen

    Dem 54-jährigen Christiansen werden außergewöhnliche Führungsqualitäten, aber auch hartes Durchgreifen nachgesagt. „Niels ist ein extrem guter Manager, der als Chef von Danfoss enorm gute Ergebnisse geliefert hat“, lobte ihn sein Vorvorgänger Knudstorp und damaliger Aufsichtsratschef 2017 bei seiner Vorstellung.

    Er habe als Chef des dänischen Kältetechnik-Spezialisten Danfoss ein traditionelles Industrieunternehmen erfolgreich in einen führenden Technologiekonzern umgewandelt. „Lego wird von seinen Erfahrungen in der Digitalisierung und Globalisierung profitieren“, sagte Knudstorp damals.

    Mittlerweile hat sich das Verhältnis der beiden deutlich abgekühlt. Knudstorp musste seinen Posten als Aufsichtsratschef im Februar dieses Jahres für Thomas Kirk Christiansen aus der vierten Generation der Eignerfamilie – nicht verwandt mit Niels Christansen – räumen.

    Knudstorp sitzt zwar immer noch als einfaches Mitglied im Aufsichtsrat und hat weitere Funktionen im Konzern inne. Doch Insider berichten, dass Niels Christiansen im vergangenen Jahr systematisch neue Leute um sich versammelt hat. „Es war ein Machtkampf zwischen den beiden, und den hat Knudstorp verloren“, erklärte im Frühjahr ein Insider der dänischen Wirtschaftszeitung „Finans“.

    Lego: spielt in der Coronakrise seine Digital-Stärke aus Quelle: dpa
    Lego-Figur des Firmenchefs

    „Ich war schon als Kind in die Bauklötze vernarrt.“

    (Foto: dpa)

    Christiansen hatte im Sommer 2017 nach neun Jahren die Leitung von Danfoss abgegeben, um zum Spielwarenriesen zu wechseln. Der Ingenieur gilt in seinem Heimatland Dänemark als einer der erfolgreichsten Manager der vergangenen Jahre. Vor seiner Zeit bei Danfoss gehörte er dem Führungsteam des dänischen Hörgeräteherstellers GN Store Nord an. Seine berufliche Laufbahn begann er bei den Unternehmensberatern von McKinsey.

    Als der eingefleischte Fan des FC Liverpool die Führung von Lego übernahm, kämpfte der Spielzeughersteller mit der fortschreitenden Digitalisierung im Kinderzimmer. Deshalb kündigte er sogleich eine Innovationsoffensive an. „Wir wollen die Möglichkeiten der Digitalisierung noch besser für uns nutzen“, erklärte er damals.

    Gleichzeitig betonte er, dass der Kern des Lego-Geschäfts weiterhin das berühmte Kunststoffklötzchen sei. „Aber wir bewegen uns auf beiden Seiten, denn wir haben viele Produkte, die das Physische mit dem Digitalen verbinden.“

    Schon als Kind in Bauklötze vernarrt

    In den vergangenen Jahren hat Lego immer mehr Bausätze herausgebracht, die die digitale Welt mit der realen verbinden. Und die Digitalisierung macht auch nicht vor den Jüngsten halt. So kann beispielsweise die Eisenbahn von Duplo einfach vom iPad aus gesteuert werden.

    „Ich war schon als Kind in die Bauklötze vernarrt“, gibt Christiansen zu. Die Kinder stünden heute vor großen Herausforderungen, und er wolle versuchen, sie zu inspirieren, erklärt der zweifache Vater. Keine kleine Aufgabe, denn das Familienunternehmen ist in den vergangenen Jahren mit ganz wenigen Ausnahmen von Erfolg zu Erfolg gestürmt. Das zu toppen dürfte immer schwieriger werden, meinen Beobachter.

    Lange vergessen sind dagegen die Zeiten, in denen Lego ums eigene Überleben kämpfen musste. Damals, 2004, hatte sich Lego mit Computerspielen, den Legoland-Freizeitparks und Kindermode völlig verzettelt. In keinem Bereich waren die Dänen wirklich Experten.

    Es war der Computerspiel-Trend, der dem Familienunternehmen zusetzte. Waren es zunächst Pokémon-Bilder, die die Kinder stärker anzogen als die bunten Klötzchen, erwiesen sich später Gameboy und Playstation als Sieger im Kampf um die Gunst der kleinen Kunden. Dann kamen Tablets und Smartphones als neue Bedrohung. Lego versuchte, sich darauf einzustellen, und brachte hochtechnologische Roboter und Computerspiele heraus. Doch der Ausflug in die elektronische Welt misslang.

    Unter der Leitung des damaligen Lego-Chefs Knudstorp gelang dann die Wende. Er ließ keinen Stein auf dem anderen, trennte sich von den Freizeitparks, lagerte das Kindermodengeschäft aus und holte sich Softwareexperten als Partner für die Computerspiele an Bord.

    Die radikale Sanierung gelang, heute ist Lego der mit Abstand erfolgreichste Spielwarenkonzern der Welt. Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und sich breiter aufgestellt, versichert auch Niels Christiansen.

    Auf eines ist Christiansen besonders stolz, der im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern stets adrett gekleidet auftritt und auf Jeans und Rollkragenpulli verzichtet: „Immer mehr Erwachsene haben unsere komplexeren Bausätze entdeckt“, sagt der begeisterte Tesla-Fahrer.

    Die Elektroauto-Ikone kann man zwar noch nicht nachbauen. Aber die Technikbausätze mit Modellen wie dem Bugatti Chiron mit knapp 3600 Bauteilen haben vor allem in der Coronazeit viele neue Liebhaber gefunden.

    Mehr: Analog ist besser: Der digitalen Gamescom fehlen die emotionalen Highlights

    Startseite
    Mehr zu: Niels Christiansen - Lego spielt in der Coronakrise seine Online-Stärke aus
    0 Kommentare zu "Niels Christiansen: Lego spielt in der Coronakrise seine Online-Stärke aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%