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NS-Aufarbeitung Familie Reimann zahlt Millionen für Ex-Zwangsarbeiter

Die JAB-Dynastie übernimmt Verantwortung für die Nazivergangenheit ihrer Vorväter. Diese beschäftigten Hunderte Zwangsarbeiter.
12.12.2019 - 18:01 Uhr 1 Kommentar
Viele deutsche Unternehmen bedienten sich Kriegsgefangener als Arbeitskräfte. Quelle: SZ Photo
Ein Vorarbeiter instruiert Zwangsarbeiter

Viele deutsche Unternehmen bedienten sich Kriegsgefangener als Arbeitskräfte.

(Foto: SZ Photo)

Düsseldorf Die Unternehmerfamilie Reimann gilt als reichste Familie Deutschlands. Allein der Wert ihres Firmenimperiums JAB Holding, zu dem unter anderem der Kosmetikkonzern Coty, die Sandwich-Kette Pret-A-Manger und Kaffeeröster Jacobs gehören, lag im Sommer bei stolzen 35 Milliarden Euro. Doch dieses Vermögen fußt auch auf dem Leid von Zwangsarbeitern, die im Dritten Reich bei Benckiser eingesetzt wurden. Aus dem Chemieunternehmen ging die heutige JAB hervor.

Im März hatte die „Bild am Sonntag“ die dunkle Nazivergangenheit der damaligen Firmenchefs Albert Reimann und dessen Sohn, Albert Reimann junior, erstmals an die Öffentlichkeit gebracht. Dokumenten zufolge sollen Zwangsarbeiterinnen geschlagen, getreten oder belästigt worden sein. Peter Harf, Chairman der JAB Holding, zeigte sich damals bestürzt: „Reimann senior und Reimann junior waren schuldig. Die beiden Unternehmer haben sich vergangen, sie gehörten eigentlich ins Gefängnis.“

Familie Reimann hat sich nun verpflichtet, zehn Millionen Euro für humanitäre Hilfen bereitzustellen. Je die Hälfte soll ehemaligen Zwangsarbeitern bei Benckiser beziehungsweise deren Nachkommen sowie Überlebenden des Holocaust zugutekommen. Hier arbeitet die Stiftung mit der Jewish Claims Conference zusammen. Daneben stellt Familie Reimann ihrer Alfred-Landecker-Stiftung jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung für Bildungsprogramme über Demokratie und den Holocaust.

Die Familie hatte 2016 vor den Enthüllungen den Historiker Paul Erker, Professor der Universität München, beauftragt, die Geschichte von Benckiser im Zweiten Weltkrieg und der Zwangsarbeiter aufzuarbeiten. Im Juni enthüllten drei Reimann-Kinder gegenüber der „New York Times“ Überraschendes: Ihre Mutter Emilie Landecker, die Hausangestellte und Geliebte von Albert Reimann junior, war die katholisch getaufte Tochter des Juden Alfred Landecker. Der wurde 1942 von der Gestapo deportiert und starb. Die Reimanns benannten daraufhin ihre Familienstiftung in Alfred Landecker Foundation um. Zwei der drei Landecker-Nachfahren sind heute Gesellschafter der JAB Holding.

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    Immer mehr traditionsreiche deutsche Unternehmerfamilien beginnen erst jetzt – ein Dreivierteljahrhundert nach dem Ende des Dritten Reichs – mit der Aufarbeitung der Nazivergangenheit ihrer Vorfahren. Lange wurde die dunkle Geschichte in den erfolgreichen Dynastien verdrängt. Nach Dr. Oetker arbeitet nun auch Bahlsen die Geschichte der Zwangsarbeit in seiner Keksproduktion auf. Werner Bahlsen beauftragte im Mai Historiker Manfred Grieger, nachdem verharmlosende Äußerungen seiner Tochter Verena weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatten.

    Totalitäre Überzeugungen des Nationalsozialismus

    „Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen sei ein emotionaler Weckruf für die Familie Reimann gewesen“, sagte David Kamenetzky, Vorsitzender des Stiftungsrats, am Donnerstag. Er ist auch Verwaltungsratschef von JAB Investors. Nach bisherigen Erkenntnissen der Historiker waren Albert Reimann senior und junior schon früh glühende Anhänger und Mitglieder der NSDAP und spendeten bereits Geld an die SS, bevor Adolf Hitler an die Macht kam. Ihre Weltanschauung war tief in den antisemitischen und totalitären Überzeugungen des Nationalsozialismus verwurzelt.

    Bisher konnten 838 Namen von ehemaligen Zwangsarbeitern identifiziert werden. Nach den Recherchen waren im Schnitt nie mehr als 200 Zwangsarbeiter bei Benckiser tätig. Manche waren mehr als drei Jahre, andere nur wenige Tage eingesetzt. Sie stammten aus verschiedenen Nationen, darunter waren russische Zivilisten und französische Kriegsgefangene. Nach bisherigem Kenntnisstand war niemand von ihnen jüdischen Glaubens oder wurde aus Konzentrationslagern zu Benckiser geschickt, so die Stiftung.

    Die überlebenden Zwangsarbeiter werden gebeten, von ihren Erfahrungen zu erzählen. „Wir haben eine Verpflichtung, der Geschichte nachzugehen“, betont Stiftungsratschef Kamenetzky.

    Mehr: Viele Unternehmer tun sich oft schwer damit, sich ihrer Geschichte im Dritten Reich zu stellen. Manfred Grieger will bei Bahlsen herausfinden, woran das liegt.

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    1 Kommentar zu "NS-Aufarbeitung: Familie Reimann zahlt Millionen für Ex-Zwangsarbeiter"

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    • Etwas mehr hätte es ja schon sein können - oder?

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