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Oddbox aus London Dieses Start-up will hässliches Gemüse retten

Das junge englische Unternehmen kämpft dagegen, dass Obst und Gemüse weggeworfen werden. Das kommt in der Coronakrise besonders gut bei den Konsumenten an.
01.08.2020 - 16:19 Uhr Kommentieren
Die Londoner Firma liefert Obst und Gemüse, das den Supermärkten nicht gut genug ist. Quelle: Oddbox
Start-up Oddbox

Die Londoner Firma liefert Obst und Gemüse, das den Supermärkten nicht gut genug ist.

(Foto: Oddbox)

London Jahr für Jahr werden tonnenweise Lebensmittel weggeworfen, weil sie angeblich ästhetischen Ansprüchen nicht genügen. Die Märkte verlangen optische Perfektion: Ist die Karotte ein wenig zu krumm oder hat der Apfel nicht exakt die gewünschte Farbe, landen sie im Müll. Das geschieht oft schon beim Bauern, denn er weiß, dass der Großmarkt nur die Topmodels unter den Lebensmitteln abnimmt.

Das Londoner Start-up-Unternehmen Oddbox will genau damit aber Geld verdienen. Der Name ist Programm. „Odd“ bedeutet so viel wie „seltsam“, „merkwürdig“, aber auch „überzählig“.

Vor vier Jahren gründeten Emilie Vanpoperinghe und ihr Mann Deepak Ravindran den Lieferdienst für Obst und Gemüse. Seitdem liefert Oddbox Tausenden Briten Nahrungsmittel, die aus Sicht von Supermärkten nicht hübsch genug sind. Der erzwungene Hausarrest vieler Briten durch Corona bescherte dem Unternehmen einen wahren Boom. 900.000 Packungen wurden seit Gründung aufgeliefert.

Covid-19 hat die Nachfrage nach Lieferdiensten in ungeahntem Ausmaß nach oben geschraubt. „Unsere Bestellungen haben sich in den vergangenen zwei Monaten mehr als verdreifacht“, erzählt Vanpoperinghe via Zoom aus dem Büro im Süden Londons. „Früher wurden nur sieben Prozent aller Nahrungsmittel nach Hause geliefert, jetzt sind es 13 Prozent.“ Während andere Unternehmen Mitarbeiter entlassen, konnte Oddbox sein Team ausbauen.

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    Oddbox will aber kein normaler Lieferdienst sein: Ziel des Unternehmens ist der Kampf gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Schätzungen der Organisation „Waste and Resources Action Programme (WRAP)“ zufolge werden in Großbritannien pro Jahr sieben Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – von denen fünf Millionen noch hätten verzehrt werden können. Und das ist kein britisches Phänomen: Die Welternährungsorganisation (FAO) vermutet, dass ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel nie gegessen werden, viele davon, weil sie gar nicht in den Supermarktregalen landen.

    Die Gründerin des Start-ups Oddbox kämpft gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Quelle: Oddbox
    Emilie Vanpoperinghe

    Die Gründerin des Start-ups Oddbox kämpft gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln.

    (Foto: Oddbox)

    Das ist genau die Ware, die Oddbox im Blick hat. Oddbox nimmt die Lebensmittel, die zu viel, zu groß, zu klein oder anderweitig unerwünscht sind und packt sie in recyclebare Pappkartons, die man sich wöchentlich per Abonnement liefern lassen kann. Dadurch kann Oddbox die Karotten, Kürbisse oder Salate mit einem Abschlag einkaufen und auch die Kisten günstig anbieten. 9,49 Pfund (10,50 Euro) kostet die kleinste Packung.

    Die gebürtige Französin Vanpoperinghe will jedoch nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch aufklären. „Wir wollen helfen, dass jeder umweltfreundlicher leben kann, und wir wollen die Einstellung zu Lebensmitteln ändern“, erklärt die 39-Jährige. Sie wuchs in Nordfrankreich auf, wo ihre Großeltern selbst Kartoffeln anbauten. Dadurch habe sie schon immer ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln gehabt.

    „Als ich nach Großbritannien kam, war ich schockiert von dem, was hier passiert.“ Viele Lebensmittel in Supermärkten sind in Plastik verpackt und haben ein Verzehrdatum aufgedruckt, das meist lange vor dem Tag liegt, an dem das Produkt tatsächlich nicht mehr gegessen werden kann.

    Auslieferung nachts – aus ökologischen und ökonomischen Gründen

    Aber nicht nur bei den Lebensmitteln vermeidet das Start-up Verschwendung – auch bei den Kosten: So werden die Bestellungen gesammelt und nachts gebietsweise ausgeliefert. „Dann stecken unsere Lieferanten nicht im Stau fest, es geht alles viel schneller, ist effizienter und damit umweltfreundlicher“, sagt Vanpoperinghe. „Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen“, betont sie, die wie ihr Mann zuvor im Finanzwesen gearbeitet hat, „es ist wichtig, dass das Modell finanziell tragbar ist“. Bereits sehr früh sei Oddbox fast profitabel gewesen. Konkrete Zahlen will sie nicht verraten.

    Anfangs hatte sie über Crowdfunding Geld eingesammelt. Anfang 2020 kam ein Investor an Bord: Im März beteiligte sich Northern Venture Capital Trust mit 3,2 Millionen Euro. Vanpoperinghe und ihr Mann halten zusammen die Mehrheit.

    Generell stehen die Briten Online-Lieferdiensten positiver gegenüber als die Deutschen. Experten erwarten, dass Lieferdienste für Nahrungsmittel in Zukunft global stärker gefragt sein werden – nicht zuletzt wegen Corona. „Der Markt für Lebensmittel-Bestellungen online dürfte dieses Jahr 25,5 Prozent wachsen, deutlich stärker als die 10,2 Prozent, die zuvor erwartet worden waren“, meint Global-Data-Experte Thomas Brereton.

    Sogar der deutsche Discountriese Aldi testet derzeit in Großbritannien einen Lieferservice, allerdings mit einem sehr eingeschränkten Angebot. Vanpoperinghe macht das keine Sorgen. Sie verkaufe schließlich nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch eine zunehmend populäre Haltung zur Umwelt.

    Und vielleicht dreht Oddbox bald den Spieß um und greift Aldi in dessen Heimatmarkt an: Mittelfristig will Oddbox auf dem europäischen Kontinent expandieren.

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