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Oliver Holle

Lebensfreude ist für den sportlich-legeren Holle auch im Beruf sehr wichtig. „Firmen aufzubauen macht mir einfach Spaß“, sagt er.

(Foto: Speedinvest / vyhnalek)

Oliver Holle Das Alphatier, das talentierte Gründer sucht

Der Chef von Speedinvest sammelt Geld von Investoren wie Red-Bull-Milliardär Mateschitz. Nun legt der frühere IT-Unternehmer einen neuen Fonds auf.
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WienMit seinem blau-grauen Hemd mit Blättermuster, das er bis zum Ellbogen hochgekrempelt hat, und seiner neuen Apple-Uhr am Handgelenk wirkt Oliver Holle wie ein alterndes Mitglied der Spaßgeneration. Der achtfache österreichische Nationalsieger im Wasserskifahren kokettiert gerne mit der Unterschätzung seiner Person. Tatsächlich ist der 47-jährige Wiener CEO von Speedinvest, Österreichs größtem Risikokapitalgeber für Start-ups.

„Oliver und Speedinvest waren die Ersten und sind bis heute die Größten, die diese Lücke füllen. Für die österreichische Start-up-Szene ist er ein überaus wichtiger Player und Anlaufpunkt“, sagt der österreichische Altbundeskanzler Christian Kern, der Holle seit Langem kennt, dem Handelsblatt. Lebensfreude ist für den sportlich-legeren Holle auch im Beruf sehr wichtig. „Firmen aufzubauen macht mir einfach Spaß“, sagt er.

2006 hatten er und seine Partner die IT-Firma 3 United für mobiles Messaging für stolze 60 Millionen Dollar an den amerikanischen IT-Konzern Verisign verkauft. Andere hätten sich mit so viel Geld ein paar Mietshäuser in der Donaumetropole gekauft und sich zur Ruhe gesetzt.

Doch das ist die Sache des studierten Ökonomen nicht. Holle ging mit seiner Frau lieber ins Silicon-Valley-Städtchen Mountain View, um für zwei Jahre die Integration seiner Firma in das Imperium von Verisign zu begleiten. Danach kehrte er in die Alpenrepublik als Start-up-Finanzier zurück.

Nach kleineren Investments gründete er 2011 mit elf Millionen Euro den Risikokapitalfonds Speedinvest für Start-ups in der Frühphase. „Am Anfang war es ein eingeschworener Kreis von Investoren. Wir wollten etwas bewegen“, erinnert sich Holle. Er lächelt zufrieden in seinem Coworking-Space im dritten Stock eines futuristischen Baus am Donaukanal der Wiener Innenstadt. Mittlerweile hat Speedinvest 230 Millionen Euro investiert.

In der Branche genießt Holle, der sich lange auf E-Commerce und Fintechs spezialisierte, einen guten Ruf. „Oliver ist ein Pionier der österreichischen Start-up-Szene. Konsequent, zielstrebig, mit einer enormen Auffassungsgabe, nie in Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren“, sagt Altbundeskanzler Kern, der ihn bereits durch seine Zusammenarbeit in seiner Zeit als Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kennt. „Er hat die Idee des Venture Capitals nach Österreich gebracht. Das ist ein großes Verdienst“, betont der heutige Unternehmer Kern.

Zu seinen wichtigsten Exits zählt die E-Commerce-Plattform Shpock, die er an den norwegischen Medienkonzern Schibsted mit einem Multiple von 35 auf das eingesetzte Kapital abgegeben hat. Ein Fehler, wie er heute eingesteht. „Wir haben Shpock zu früh verkauft. Eine vertane Chance.“

Große Hoffnungen setzt er in die österreichische Beteiligung Big Moving. Die Klagenfurter Firma, die einen neuen Standard für Streamingtechnologie entwickelte, ist mit ihren 150 Mitarbeitern heute Marktführer in den USA. Sie steht noch vor einem Verkauf.

Ein wichtiger Hoffnungsträger ist auch die slowenische E-Commerce-Firma Flaviar mit Erlösen von 30 Millionen Euro. Sie vertreibt hochwertigen Whisky, Gin und Rum. „Wir haben das Unternehmen praktisch in der Garage gefunden“, sagt er augenzwinkernd.

Mit seiner 50-jährigen Ehefrau versteht sich Holle als Tandem. „Maria ist eine Start-up-Gründerin. Von ihr habe ich das Geschäft gelernt“, sagt er. Die gebürtige Oberösterreicherin hatte einst ihre Multimediaagentur gewinnbringend verkauft. Heute leitet sie mit Speedinvest Heroes den Dienstleister für den Personalbereich.

Nun setzt Holle an, auf dem internationalen Parkett an einem größeren Rad zu drehen. Mit seinem dritten Risikokapitalfonds Speedinvest 3 will er 175 Millionen Euro einsammeln. „Wir planen im Herbst ein erstes Closing mit 90 Millionen Euro. Bis zum ersten Quartal 2020 werden dann die 175 Millionen Euro zusammen sein“, ist sich der CEO sicher. Damit hätte seine Firma insgesamt bereits 400 Millionen Euro eingesammelt.

Sein neuer Fonds hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Das Geld ist bislang vor allem aus Österreich und Deutschland geflossen. „Jetzt kommen wir auf eine internationale Ebene“, so Holle. Speedinvest betreibt Büros in Wien, Berlin, München, London, Moskau und im Silicon Valley.

„Überhang an Talenten“

Seine Investments will Holle, der an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Columbia University in New York studierte, weiter in Europa suchen. Die Hälfte des Geldes fließt in Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zu seinen prominenten Investoren zählen beispielsweise Multimilliardär Dietrich Mateschitz (Red Bull, Servus TV) und der österreichische Medienunternehmer Eugen Russ („Vorarlberger Nachrichten“).

Aus Holles Sicht gibt es in Europa einen „Überhang an Talenten“. Zudem seien die Gehälter im Vergleich zum Silicon Valley wettbewerbsfähiger. „Ein guter Entwickler ist dort nicht unter 200.000 Dollar im Jahr zu bekommen. Bei uns geht es noch unter 100.000“, beobachtet Holle. „Wir sind in Europa besser als unser Ruf.“ Zudem seien in den USA die Risiken für Investoren wegen der deutlich höheren Bewertung von Start-ups größer. „Die Bewertungen sind dort prohibitiv“, resümiert Holle.

Ins operative Geschäft mischt sich Holle bei seinen Beteiligungen nicht ein. Er sieht die Aufgabe von Speedinvest als Coach. „Wir haben ein Team, das unterstützt – von der Personalsuche bis Marketing und Vertrieb. Wir sind eine Herde von Alphatieren und arbeiten auf Augenhöhe mit den Gründern.“ Künftig interessiert ihn vor allem Industrie 4.0, digitale Marktplätze sowie das Thema Digital Health.

Die Ausfallquote der Investitionen in Start-ups ist vergleichsweise klein. „Im ersten Fonds hatten wir zehn Prozent Ausfälle. Das waren zwei Unternehmen“, sagt Holle rückblickend. Ein Fünftel der Beteiligungen entpuppte sich zu „internationalen Highflyern“.

Im ersten Fonds verdreifachte er nach eigenen Angaben das eingesetzte Kapital in einem Zeitraum von neun Jahren. Mit seiner österreichischen Heimat hadert er angesichts der vielen Regularien für junge Unternehmen. „Die bürokratische Maschinerie ist in Österreich ein Problem.“

Holle ist ein Unternehmer, der seine Zeit zielgerichtet einsetzt. Er liebt Sport, vor allem beim Urlaub in Kärnten mit seiner Frau und seinen vier Kindern. Spätestens wenn er in der Ferienzeit wieder auf den Wasserskiern auf dem Wörthersee steht, fällt der berufliche Stress durch die vielen Investments von ihm ab.

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