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Online-Arztpraxis Zava kooperiert mit Apotheken in Deutschland

Dank einer Kooperation mit der Firma Noventi können Rezepte aus der Online-Praxis erstmals in Apotheken gesandt – und zum Kunden geschickt werden.
10.02.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren
Der Zava-Gründer sieht große Wachstumschancen für den Markt mit Telemedizin. Quelle: Zava 2019
David Meinertz

Der Zava-Gründer sieht große Wachstumschancen für den Markt mit Telemedizin.

(Foto: Zava 2019)

Frankfurt David Meinertz will Patienten das Leben einfacher machen. Sie sollen die nötige medizinische Versorgung möglichst dann bekommen, wenn sie diese brauchen, ist sein Anspruch. Der 45-jährige studierte Jurist gehört zu den Pionieren der Telemedizin. Bereits 2010 gründete er in London die Online-Praxis DrEd, die Arzt-Konsultationen via Internet ermöglichte, während in Deutschland Fernbehandlungen noch verboten waren.

Diese Regelung wurde vor bald zwei Jahren gelockert, auch das Fernverordnungsverbot fiel im vergangenen Jahr. Dieses so genannte „Lex DrEd“ hatte es Vor-Ort-Apotheken untersagt, telemedizinisch verordnete Rezepte anzunehmen. DrEd hat sich im vergangenen Jahr in Zava umbenannt und startet nun die nächste Expansionsstufe in Deutschland – mit mehr Service für seine Kunden.

Ab sofort können Patienten die Rezepte aus der Online-Sprechstunde auch digital in eine von rund 5000 Apotheken in Deutschland senden lassen und sich die benötigte Medizin vor Ort abholen oder per Botendienst nach Hause bringen lassen.

„Umfragen unter unseren Nutzern haben gezeigt, dass die meisten Patienten ihre Rezepte sofort einlösen möchten. Deswegen zieht mehr als die Hälfte der Befragten eine Apotheke vor Ort vor“, sagt Meinertz. Um den Brückenschlag von der Online-Sprechstunde in die stationäre Apotheke hinzubekommen, hat sich der Zava-CEO auf die Suche nach einem Kooperationspartner gemacht.

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    Und er hat ihn in der Firma Noventi gefunden. Das im Gesundheitsmarkt tätige Dienstleistungsunternehmen gehört einem Verein von rund 4000 Apothekern und arbeitet auch zu einem großen Teil für Apotheken. Die Abrechnung der Rezepte etwa gehört zu den Leistungen des in München ansässigen Unternehmens mit zuletzt 215 Millionen Euro Umsatz.

    Zurück zur Apotheke vor Ort

    „300 Tonnen Papier-Rezepte werden bei Noventi pro Jahr eingelesen und abgerechnet“, sagt der Vorstandsvorsitzende Hermann Sommer. Noventi sei aber auch beim E-Rezept vorne dabei, sagt er. „Im November vergangenen Jahres haben wir im Rahmen der turnusmäßigen Abrechnung der Rezepte von gesetzlich Versicherten Deutschlands erste vollständige Abrechnung von elektronischen Rezepten umgesetzt.“

    Bei Zava werden noch keine mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechenbare E-Rezepte weitergeleitet, derzeit geht es um Privatrezepte, die in digitalisierter Form verschlüsselt übermittelt werden. Das geschieht über die Plattform CallmyApo, die zu Noventi gehört. Das Rezept wird an die teilnehmende Apotheke, die der Patient auswählt, weitergeleitet.

    „Den Apotheken bringt unsere Kooperation mit Noventi neue Kunden und zusätzliches Geschäft“, ist sich Meinertz sicher. Aktuell kommt CallmyApo laut Noventi auf eine siebenstellige Zahl von E-Rezepten. Bei mehr als 200 Millionen Papierrezepten, die das Unternehmen abwickelt, gibt es also noch Luft nach oben.

    Noventi-Chef Sommer betont, dass der Service für die Apotheken und ihre Kunden kostenfrei sei. „Ein Anschluss an CallmyApo ist für alle Apotheken in Deutschland unmittelbar möglich und wir bringen damit die Rezepte von Versandhändlern im Ausland zurück zur deutschen Apotheke vor Ort “, sagt er.

    Nach Ansicht von Clemens Oberhammer, Managing Partner bei der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners, ist die Verbindung einer Apothekenplattform mit einem Telemedizinanbieter „für beide Partner extrem sinnvoll“.

    Oberhammer geht davon aus, dass die Nachfrage nach Telemedizin deutlich wachsen wird. „Dafür ist es essenziell, dass das Rezept schnell in die Apotheke vor Ort kommt“, sagt er und ergänzt: „Allerdings muss Telemedizin auch für die Ärzte attraktiv vergütet werden, damit es ein Geschäftsmodell wird.“

    100.000 Nutzer pro Monat

    Zava hat sich Mitte vergangenen Jahres in einer Finanzierungsrunde 28 Millionen Euro frisches Kapital gesichert und will nun mit der Onlinepraxis, bei der aktuell 25 Ärzte aus Deutschland und Großbritannien beraten, weiter expandieren. Zurzeit nutzen den Service Selbstzahler und Privatpatienten.

    Pro Monat sind es in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Irland mehr als 100.000 Nutzer, sagt Gründer Meinertz. Zava beschäftigt rund 200 Mitarbeiter vornehmlich in London – in Hamburg wird ein neuer Standort aufgebaut. Künftig will Zava mehr Ärzte für telemedizinische Sprechstunden gewinnen und auch gesetzlich Versicherte ansprechen.

    Da Ärzte für virtuelle Konsultationen in Deutschland mittlerweile eine Vergütung erhalten, sieht Meinertz hier große Wachstumschancen. „Wenn die Ärzte künftig ein E-Rezept ausstellen können, wird Telemedizin viel attraktiver. Denn die meisten Konsultationen enden mit einem Rezept“, sagt Meinertz.

    Bis die digitalen Versorgungslösungen breiter akzeptiert sind, werde es wohl noch ein paar Jahre dauern, meint Christian Rebholz, Branchenexperte und Partner bei Simon-Kucher & Partners. „Viele Patienten werden anfangs noch skeptisch sein“, sagt er. Mittelfristig würden aber Vorteile wie etwa die Annehmlichkeiten überwiegen.

    „Warum soll ich mich in ein Wartezimmer setzen, wenn ich krank bin, und warum danach noch in eine Apotheke gehen, wenn ich mir das verschriebene Medikament sogar per Botendienst nach Hause liefern kann?“, fragt Rebholz. Inzwischen haben sich auch andere Telemedizin-Anbieter bereits Kooperationspartner im Apothekenbereich gesucht.

    So arbeitet die schwedische Firma Kry seit Dezember vergangenen Jahres mit Doc Morris zusammen – auf die Versandapotheke wird direkt verlinkt. Auch in die Apotheke vor Ort sendet Kry die Rezepte: Bisher noch per Fax, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt.

    In Vorbereitung auf die geplante Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland baut Doc Morris eine offene Plattform für den Handel mit pharmazeutischen Produkten auf, an die sich auch Vor-Ort-Apotheken anschließen können.

    Zavas Kooperationspartner Noventi ist in dieser Richtung ebenfalls unterwegs: Gemeinsam mit den Pharmagroßhändlern Gehe und Sanacorp, der Wort & Bild Verlagsgruppe und Rowa Automatisierungssysteme hat das Unternehmen das Joint Venture Pro AvO gegründet, um zusammen eine digitale Branchenlösung für die inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken in Deutschland zu entwickeln.

    Konflikte mit der Zava-CallmyApo-Kooperation sieht Noventi-Chef Sommer für sein Unternehmen nicht. „Wir sind der IT-Dienstleister. Wir liefern in beiden Plattformen das Warenwirtschaftssystem für die Apotheken.“ Pro AvO käme ins Spiel, wenn das E-Rezept startet, sagt er. „Dann werden ohnehin alle Plattformen an die zentrale Struktur, die die Gematik für das E-Rezept gerade gestaltet, angeschlossen werden.“

    Die Gematik hat den gesetzlichen Auftrag, mit der Telematikinfrastruktur und der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte den Grundstein für ein sicheres Datennetzwerk in Deutschland zu legen.

    Mehr: Die Versandapotheke will auf einer Plattform das eigene Geschäft mit dem der deutschen Apotheken zusammenbringen. Die Konkurrenz sieht die flächendeckende Versorgung in Gefahr.

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