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Onlineprinters-Chef Walter Meyer Wie eine Druckerei den Weg ins Internet schaffte

Weil die Druckerei des Vaters schlecht lief, baute Walter Meyer ein zweites Standbein im Internet auf. Heute denkt er über einen Börsengang nach.
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Pioniere des Onlinedrucks. Quelle: Onlineprinters
Gründer Walter Meyer (l.) und Geschäftsführer Michael Fries

Pioniere des Onlinedrucks.

(Foto: Onlineprinters)

DüsseldorfDie Idee für die Onlinedruckerei kam Walter Meyer auf der Rückfahrt von einer frustrierenden Preisverhandlung mit einem Kunden: Das Familienunternehmen seines Vaters, die Druckerei E. Meyer, litt Anfang der 2000er-Jahre stark unter dem Wettbewerbsdruck in der Branche. „Unsere Firma war von ein paar großen Unternehmen abhängig, die ständig die Preise drücken wollten“, erzählt der 48-Jährige.

Das war für das kleine Unternehmen mit 40 Mitarbeitern im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch nicht länger tragbar. Damals gab es bereits einige Onlinehändler, deshalb stellte sich Meyer die Frage: „Warum machen wir nicht auch einen Onlineshop auf?“ Meyer war einer der Ersten, die die Vorteile des Internets für die Druckbranche entdeckten und zugleich ihre Wurzeln in der klassischen Druckerei hatten.

Die Konkurrenten belächelten ihn – die Banken glaubten nicht wirklich an den Erfolg seines Geschäftsmodells: Meyer haftete mit seinem Privatvermögen und ging damit ein hohes Risiko ein. Der ausgebildete Offsetdrucker, der das Handwerk von der Pike auf erlernt hat, glaubte an seine Idee: 2004 gründete er seinen ersten Onlineshop unter der Domain diedruckerei.de. Seit 2008 wird diese unter dem Namen Onlineprinters europaweit vermarktet.

Der Erfolg gab Meyer recht: Die Firmengruppe Onlineprinters zählt mittlerweile zu den größten Onlinedruckereien Europas. Der Umsatz der Gruppe lag 2017 bei 200 Millionen Euro, im August feierte das Unternehmen den millionsten Kunden. Seit Mai kursieren Spekulationen über einen möglichen Börsengang des Unternehmens noch in diesem Herbst. Geschäftsführer Michael Fries sagt dazu nur so viel: „Ein Börsengang ist eine Option.“

Eigentlich war Meyers bescheidene Hoffnung, über den Onlineshop fünf Prozent der Aufträge des Familienunternehmens abzuwickeln. „Da habe ich mich verschätzt – glücklicherweise“, lacht der Gründer. Im Webshop bietet er standardisierte Druckprodukte von Flyern, Broschüren bis zu Visitenkarten an. Die Aufträge werden gebündelt und in einem Schwung gedruckt.

Prominenter Investor

Dadurch kann die Onlinedruckerei günstigere Preise anbieten als ihre konventionellen Konkurrenten. Die klassischen Druckereien hingegen punkten mit Beratung und individuellen Produkten.2016 stieg Bregal Unternehmerkapital als neuer Mehrheitsgesellschafter in das Unternehmen ein. Der Investor ist Teil des Beteiligungsgeschäfts der Cofra Holding. Zu der gehört das Modeunternehmen C&A, und dahinter steht als Eigentümer die Familie Brenninkmeijer.

Meyer wechselte im Rahmen der Investition in den Beirat. Als Gesellschafter hält der Gründer weiterhin Anteile im zweistelligen Bereich. Gemeinsam mit Bregal will Meyer seine fränkische Onlinedruckerei zum europäischen Spitzenreiter aufbauen. Derzeit rangiert die auf Platz drei hinter den Konkurrenten Flyeralarm aus Würzburg und Cimpress (ehemals Vistaprint) aus den Niederlanden. Seine Vision von der Marktführerschaft will Meyer mit Geschäftsführer Michael Fries verwirklichen.

Der Wandlungsprozess der Druckbranche befindet sich erst am Anfang. Michael Fries – Geschäftsführer Onlineprinters

Der 50-jährige Manager gilt in der Branche als ausgewiesener Kenner des Marktes. Bei Cewe Color, einem führenden Anbieter für Fotos, Fotobücher und Onlinedruck, war Fries Vorstand. Die Onlineprinters-Gruppe ist mittlerweile in 30 europäischen Ländern aktiv.

Dies sei unter anderem Bregal zu verdanken: „Der Investor hat dabei geholfen, das Unternehmen auf die nächste Stufe zu heben“, sagt Fries. Durch den Zukauf des britischen Marktführers Solopress und von Lasertryk in Skandinavien ist der Schritt zur Firmengruppe gelungen. Weitere Übernahmen seien aber in nächster Zeit nicht geplant, so Fries. Für weiteres Wachstum braucht das Unternehmen dennoch Geld. Ein Börsengang wäre dabei hilfreich.

Branche im Umbruch

Investor Bregal schweigt zu den Spekulationen.Gründer und Beirat Meyer gilt bei seinen Mitarbeitern als bodenständiger Macher und Arbeitstier. Der Kontakt zur Belegschaft ist ihm nach wie vor wichtig. Auch wenn er heute nicht mehr jeden mit Namen kennt: Denn die Onlinedruckerei beschäftigt inzwischen mehr als 1400 Mitarbeiter – 700 davon arbeiten in Deutschland.

Das ist überraschend in einer Branche, in der die Beschäftigtenzahlen laut Bundesverband Druck und Medien im Zeitraum von 2000 bis 2017 um 40 Prozent gesunken sind. Der Branchenumsatz liege aber wegen effizienterer Prozesse und immer leistungsfähigerer Maschinen seit zehn Jahren stabil bei 21 Milliarden Euro im Jahr, betont der Verband.

Meyer hat als Pionier des Onlinedrucks ins Schwarze getroffen: Heute machen die deutschen Druckereien fast 40 Prozent ihres Geschäfts über Webportale – Tendenz steigend. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands. Die Druckereien tragen ihren Konkurrenzkampf also immer stärker auf digitalen Kanälen aus. Online-Wettbewerber wie Cimpress oder Flyeralarm wachsen ebenfalls stetig.

Was die Zukunft von Onlineprinters anbelangt, sieht Fries viel Luft nach oben: „Der Wandlungsprozess der Druckbranche befindet sich erst am Anfang.“ Seine Prognose: Immer mehr Druckaufträge werden standardisiert und verlagern sich ins Internet. Die Franken erwarten deshalb auch in Zukunft zweistellige Wachstumsraten. Der Zeitpunkt für einen Gang an die Börse wäre also günstig.

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