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Osnabrücker Familienunternehmen Süßwarenhersteller Leysieffer will sich in der Insolvenz sanieren

Der Coffeeshop-Boom ist an der Confiserie-Kette vorbeigegangen. Geschäftsführer Jan Leysieffer versucht nun, das Unternehmen in Eigenregie zu retten.
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Der 51-Jährige leitet das Familienunternehmen in vierter Generation. Quelle: Leysieffer
Jan Leysieffer

Der 51-Jährige leitet das Familienunternehmen in vierter Generation.

(Foto: Leysieffer)

DüsseldorfWenn er über seine Produkte spricht, gerät Jan Leysieffer ins Schwärmen. „Meine Großeltern haben es geschafft, dass die Himmlischen für Leysieffer stehen“, wie er in einem Interview sagte. „Das ist schon eine tolle Praline“, lobt er die bekannten Trüffel-Pralinen seiner Confiserie- und Café-Kette.

Doch auch die berühmten Süßigkeiten aus Schokolade konnten den Absturz seines Osnabrücker Familienunternehmens nicht verhindern. Am Dienstag musste der geschäftsführende Gesellschafter beim Amtsgericht in Osnabrück wegen drohender Zahlungsunfähigkeit die Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

Dabei bleibt Leysieffer zwar im Amt und versucht, das Unternehmen in Eigenregie zu sanieren. Doch zwei Herren rücken an seine Seite: der erfahrene Sanierungsberater Joachim Walterscheid aus Bad Oeynhausen sowie als sogenannter Sachwalter Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta, der den Sanierungsprozess für das Gericht überwacht.

Das Insolvenzverfahren ist bitter für Jan Leysieffer. „Viele Mitarbeiter sind schon 30 und 40 Jahre im Unternehmen. Manche kennen mich, seit ich ein kleiner Junge war“, sagte Leysieffer dem Handelsblatt. Der 51-jährige Osnabrücker ist stolz darauf, das 110 Jahre alte Unternehmen seit der Jahrtausendwende in vierter Generation zu führen.

Aber er räumt Fehler ein. „Wir hätten uns beim Vertrieb breiter aufstellen müssen.“ So sei er zu spät ins Geschäft mit dem Lebensmitteleinzelhandel eingestiegen. Denn viele jüngere Kunden seien viel mobiler als früher und wollten wie beim Coffee to go alles gleich mitnehmen.

Außerdem konnte das Familienunternehmen nicht vom Kaffeeshop-Boom profitieren. Während die Konkurrenten von Starbucks bis zur größten deutschen Kette Coffee Fellows immer weiter wuchsen, ging es bei Leysieffer mit dem Umsatz immer weiter nach unten. Jüngere Leute gehen lieber in die wie moderne Wohnzimmer eingerichteten Kaffeeshops als in traditionelle Cafés.

„Unternehmen wie Leysieffer haben nur dann eine Chance, wenn sie sich eindeutig als Qualitätsführer durchsetzen“, sagt Michael Lidl, Gastro-Experte der Unternehmensberatung Treugast aus München. „Das ist dem Unternehmen in den letzten Jahren offensichtlich nicht mehr gelungen.“

Denn beim Kostenwettbewerb ist es schwierig für Leysieffer mitzuhalten. Die großen Ketten setzen auf Selbstbedienung und zum großen Teil auf standardisiertes Essen. Leysieffer hingegen bedient seine Kunden an Tischen und produziert seine Kuchen, Pralinés sowie andere Confiserie-Produkte aufwendig selbst.

Das Geschäftskonzept funktionierte lange Zeit gut nach der Maxime des Firmengründers Ulrich Leysieffer: „Qualität geht über alles.“ Mit einem kleine Café in Osnabrück begann Leysieffer. Seinem Sohn Karl gelang in den Fünfzigerjahren mit den „Himmlischen“ der Durchbruch.

Die Sahnetrüffel wurden zum Markenzeichen des 1909 gegründeten Unternehmens. Die Osnabrücker Konditoren waren auch mit die ersten in Deutschland, die ihre Schokoladentafeln mit ungewöhnlichen Zutaten wie Chili oder Salbei kombinierten, was von vielen Firmen nachgeahmt wurde.

Pionier verschiedener Geschmacksrichtungen

In den Achtzigerjahren eröffneten die norddeutschen Konditoren immer mehr Filialen in ganz Deutschland. Heute betreibt das Unternehmen 22 eigene Confiserien, Bistros oder Cafés in Städten wie Hamburg, Berlin und Düsseldorf und beliefert mit seinen Pralinen und anderen Confiserie-Produkten Feinkostgeschäfte und andere Cafés.

Leysieffer erreichte zuletzt Umsätze zwischen 16 und 19 Millionen Euro. Von der Insolvenz sind 350 Mitarbeiter betroffen. Deren Gehälter sind durch das Insolvenzgeld erst einmal bis Ende Mai gesichert.

Für Jan Leysieffer war schon seit frühester Kindheit klar, dass er mal das Unternehmen seiner Eltern führen würde. Er besuchte das Gymnasium, absolvierte eine Konditorlehre und arbeitete danach in mehreren Betrieben unter anderem in New York. Er versuchte, das Traditionsunternehmen zu erneuern. So startete er früh einen eigenen Onlineshop. Seine Frau Sylvia kümmert sich um das Design und gestaltet Verpackungen selbst.

Jetzt aber müssen die Leysieffers ihr Unternehmen aus der Krise führen. Der vom Gericht bestellte Sachwalter Meyer will das „operative Geschäft im ersten Schritt stabilisieren, um bei Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und sonstigen Verfahrensbeteiligten Vertrauen zu schaffen, um parallel die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen einzuleiten“.

Dann geht es vor allem darum, die Kosten zu senken. „Wir sehen uns alles ganz genau an, von der Produktpalette über die Herstellungskosten in der Konditorei bis zu den Filialen“, sagt Sanierungsexperte Walterscheid. Er schließt nicht aus, dass sich das Unternehmen von Filialen trennen muss.

Für den Alleininhaber Jan Leysieffer ist klar, dass es wahrscheinlich in den nächsten Monaten „auf einen neuen Investor hinauslaufen wird“. Er lässt aber offen, ob er sich vorstellen kann, die Mehrheit abzugeben. „Das hängt davon ab, welcher Investor bereit ist, bei uns einzusteigen“, lässt er sich alle Optionen offen. Doch eines ist klar: Dann wird die Ära des Familienunternehmens Leysieffer enden.

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