Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ostwestfalen Familienunternehmen um Oetker und Miele schließen digitale „Hinterland-Allianz“

Bielefeld ist nicht Berlin. Trotzdem hat sich eine rege Gründerszene entwickelt. Elf Mittelständler kooperieren nun, um gemeinsam von Start-ups zu lernen.
Kommentieren
Familienunternehmen schließen digitale „Hinterland-Allianz“ Quelle: Founders Foundation
Hackathon

Unter dem Dach der Founders Foundation in Bielefeld können Mittelständler von Start-ups lernen.

(Foto: Founders Foundation)

DüsseldorfSebastian Borek von der Founders Foundation in Bielefeld war es leid. Immer wieder wurde er von den Weltmarktführern der Region dasselbe gefragt: Wie investiert man in Start-ups, wo lässt sich etwas über künstliche Intelligenz lernen, wie bringt man „New Work“ in ein etabliertes Unternehmen?

Der 44-Jährige baut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung seit 2016 eine Kaderschmiede für Gründer aus aller Welt in Ostwestfalen-Lippe auf. Anfangs wurde er ausgelacht: Was wollen digitale Start-ups ausgerechnet im biederen Bielefeld? Die Region ist bekannt ist für traditionsreiche Familienunternehmen wie Miele, Claas oder Dr. Oetker.

Doch die Zweifler hat Borek eines Besseren belehrt. Inzwischen wurden 300 Unternehmertalente in der Founders Foundation zu Gründern ausgebildet. Der Accelerator hat 18 Start-ups erfolgreich gefördert. Die besten neun davon machen insgesamt zehn Millionen Euro Umsatz und haben etwa 200 Stellen geschaffen.

Das hat auch das Interesse der Mittelständler der Region geweckt. Sie beschnupperten die Start-ups vorsichtig auf der „Hinterland of Things“-Konferenz vor einem Jahr, auf Hackathons und suchten – jeder für sich – engeren Kontakt.

„Den Schwergewichte der Region ist bewusst geworden: Gegen Angreifer wie Amazon, Google & Co. können sie nur noch wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie sich mit Start-ups über Digitalisierung austauschen – aber vor allem auch untereinander“, sagt Borek. „Mittelständler können hier viel voneinander lernen, ohne sich Konkurrenz zu machen.“

Zu diesem Zweck hat die Founders Foundation nun die „Hinterland Allianz“ aus elf Familienunternehmen der Region und dem Technologie-Netzwerk „It's OWL“ gebildet. „Mittelständler müssen sich öffnen, nur so klappt der Kulturwandel“, betont Borek, der aus einer Unternehmerfamilie stammt und selbst mehrere Start-ups gründete.

Zu den elf Mittelständlern gehören namhafte Unternehmen wie Miele, Dr. Oetker, Böllhoff, Goldbeck, Phoenix Contact, Schüco oder Itelligence. „Der Mittelstand sieht sich einem brutalen Wettkampf gegenüber. In allen Bereichen wird es große Veränderungen geben“, sagt Peter Hübinger, Geschäftsführer Miele Venture Capital und Leiter des Geschäftsbereichs „Smart Home“ der Miele Gruppe.

Deutschland sei weit zurück. „Deshalb haben wir jetzt mit der Allianz mit erfolgreichen Unternehmen eine große Möglichkeit.“ Überall, wo viel in Innovation und Start-ups investiert werde, im Silicon Valley oder in Israel, wachse etwas. „Wir warten dabei nicht darauf, dass Digitalisierung aus Berlin heraus gefördert wird. Wir müssen unser Glück selbst in die Hand nehmen“, unterstreicht der Miele-Manager.

Auch Doris Abeln, Deutschlandchefin Dr. Oetker, sieht in der Allianz mit anderen Mittelständlern großes Potenzial: „Wir müssen gegenseitig unsere Grenzen runterfahren, miteinander ausprobieren, uns rantasten und lernen.“ Dafür lohne sich der Blick in andere Branchen, um Ideen zu adaptieren und zu transferieren. Von der Start-up-Kultur könnten Mittelständler viel lernen.

Eduard Dörrenberg, Geschäftsführer von Dr. Wolff, bekannt für das Alpecin-Shampoo, erhofft sich durch die Hinterland Allianz, vor allem eins: Dass noch mehr Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe wirklich verstehen, was Digitalisierung bedeute. „Gleichzeitig werden junge, digitale Talente erkennen, welche Möglichkeiten unsere Region und ihre starken Unternehmen bieten.“

Der Manager ist überzeugt: „Die Hinterland Allianz ist ein Dosenöffner für die gesamte Region.“

Geplant sind neben branchenübergreifenden Workshops etwa zu KI oder Sharing Economy auch weitere Hackathons. An zweitägigen Founders Hacks haben bereits Unternehmen wie Miele oder Claas von Digitaltalenten praktische Lösungen für ihre Geschäfte erarbeitet bekommen. Hübinger von Miele weiß so etwas zu schätzen: „Die Geschwindigkeit von neuen Technologien ist so schnell, dass wir diese im eigenen Unternehmen nicht mehr komplett aufbauen können.“

Eine solche regionale Allianz zwischen Mittelstand und Start-up-Szene auf Augenhöhe sei einzigartig, meint Borek. Er sieht die Hinterland Allianz als Blaupause für Deutschland. „Bisher fehlt Unternehmen hierzulande der Mut, etwas gemeinsam anzugehen.“ Geschehe dies nicht, sei Deutschland in Sachen Digitalisierung schnell abgehängt, fürchtet er.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Ostwestfalen - Familienunternehmen um Oetker und Miele schließen digitale „Hinterland-Allianz“

0 Kommentare zu "Ostwestfalen: Familienunternehmen um Oetker und Miele schließen digitale „Hinterland-Allianz“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%