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Otto Lindner, Andreas Krökel, Frank Lindner So machen die Erben der Lindner-Hotels die Kette fit für die Zukunft

Architekt Otto Lindner wurde eher zufällig Hotelier. Heute setzen seine Erben auf Expansion. Vor allem ihre Marke „me and all“ soll kräftig wachsen.
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Die Vorstände der Lindner-Hotels treiben die Expansion modern voran. Quelle: Nicole Zimmermann
Otto Lindner; Andreas Krökel; Frank Lindner (von links)

Die Vorstände der Lindner-Hotels treiben die Expansion modern voran.

(Foto: Nicole Zimmermann)

Düsseldorf Wer die Lobby des „me and all“ zum ersten Mal betritt, wird sich über den Stuhl in der Ecke wundern: Das schwarze Lederpolster ist Arbeitsplatz eines Barbiers. Nebenan bietet eine Düsseldorfer Rösterei eigenen Kaffee an. Abends treten hier regelmäßig DJs, Musiker und Comedians auf. Auch Laser Tag über ganze Etagen wurde hier schon gespielt. Und ganz oben, in der Skylounge, hängen chinesische Lampions von der Decke – das Haus ist mitten ins Düsseldorfer Asienviertel gebaut, fünf Fußminuten vom Hauptbahnhof.

2016 öffnete das „me and all“, 2018 kam ein Ableger in Mainz dazu, direkt neben dem Hauptbahnhof. So trendig, modern und chic die Boutiquehotels auch anmuten – hinter der Marke steckt ein ziemlich altes Familienunternehmen: die Lindner Hotels AG, gegründet 1973.

Architekt Otto Lindner kam damals eher zufällig zur Hotellerie: Sein Unternehmen Gebau errichtete 1970 ein 19-geschossiges Gebäude in Düsseldorf. Es sollte ein Mix aus Wohnungen und Büroräumen werden. Als der Investor absprang, baute Lindner den Turm um und betrieb ihn als „Hotel Rheinstern“ selbst.

Noch heute steht das erste Lindner-Hotel im linksrheinischen Bürodistrikt Lörick, direkt neben der Firmenzentrale. Von hier werden die europaweit 35 Häuser mit 4486 Zimmern und 1876 Mitarbeitern gesteuert, die im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 193 Millionen Euro einbrachten. Und es sollen noch mehr werden: Allein 2020 eröffnen vier weitere „me and all“ in Deutschland.

Schuld am Expansionskurs hat Lindners dritter Sohn Otto. Der Allrounder machte eine Ausbildung zum Berufspiloten, studierte BWL und ließ sich parallel im „Rheinstern“ zum Hotelkaufmann ausbilden. 1988 übernahm er die Geschäftsleitung des Hotels, drei Jahre später wurde er Vorstand der ganzen Gruppe – mit gerade mal 29 Jahren. Er verordnete dem Unternehmen kräftiges Wachstum. „Als ich 1992 zu Lindner kam, gab es fünf, sechs einzelne Hotels, aber noch keine Marke“, erinnert sich Andreas Krökel, der seit 1999 im Vorstand sitzt.

Hotelgruppe ist sehr heterogen

Kurz darauf wagte die Familie den Schritt in die Öffentlichkeit, gab den Hotels ihren Namen. Seitdem sind sehr spezielle Häuser dazugekommen, etwa das Tagungshotel an der Bayarena, direkt in die Stadion-Nordkurve von Fußballbundesligist Bayer Leverkusen gebaut. Oder am Nürburgring, wo es per Glas-Skywalk direkt zur Rennstrecke geht.

Dazu kommen Spa- und Golf-Hotels sowie Business-Unterkünfte. „Es gibt in Deutschland keine Gruppe, die so heterogen ist“, betont Krökel. „So etwas passt nicht ins Portfolio großer Ketten.“ Trotzdem haben sich die Großen einiges von ihnen abgeschaut, etwa ein Loyalitätsprogramm, das mit kostenlosen Übernachtungen lockt. Viele Services sind zudem zentralisiert: Rechnungswesen, Einkauf, Revenue-Management, Technik und Reservierung – alles läuft gebündelt aus der Zentrale.

Im Vergleich mit Marktführer Accor aus Frankreich, der 2018 mit seinen Ibis, Novotels und Mercures auf 371 Hotels mit mehr als 50.000 Zimmern in Deutschland kommt, mutet Lindner noch klein an. Aber den Vergleich mit den ebenfalls familiengeführten Maritim-Hotels, 33 Häuser in Deutschland, brauchen die Lindners beispielsweise nicht zu scheuen.

So modern und trendig die Boutiquehotels der Kette auch anmuten, dahinter steckt die traditionsreiche Lindner-Gruppe. Quelle: me and all hotels
„me and all“-Hotel in Düsseldorf-Oberkassel

So modern und trendig die Boutiquehotels der Kette auch anmuten, dahinter steckt die traditionsreiche Lindner-Gruppe.

(Foto: me and all hotels)

Trotz standardisierter Prozesse könne die Gruppe sehr individuelle Hotels anbieten, sagt Otto Lindner, der seit drei Jahren auch den Hotelverband Deutschland anführt. Seine Häuser sollen immer zur Region passen, regionalen Touch haben. Schon seinem Vater waren austauschbare Kettenherbergen ein Graus. Der 90-Jährige, der sich schon lange aus dem Hotelgeschäft zurückgezogen hat, arbeitet noch immer als Architekt. Seit jeher liebte er individuelle Entwürfe.

Gefallen wird ihm auch, dass seine Gruppe, zu der auch die Lindner Architekten und die Gebau GmbH gehören, zu hundert Prozent in Familienhand geblieben ist, aufgeteilt auf seine fünf Söhne, allesamt passionierte Wasserballspieler. Bei der Hotel-Tochter ist neben dem dreifachen Familienvater Otto, der vor Kurzem 57 Jahre alt geworden ist, auch Bruder Frank im Vorstand. Der Architekt kümmert sich um die Bereiche Technik und Bauen. Einzige Ausnahme von der Familienregel ist der Boutiqueableger: Bei „me and all“ gehören den Lindners zwei Drittel, daneben sind das Family Office von Fleischfabrikant Clemens Tönnies und die Hanseatic Group beteiligt.

Vier neue Hotels im Jahr 2020

Auch wenn die Familie nicht über Gewinn spricht: Das Geschäft scheint gut zu laufen. 2018 lag die Zimmerauslastung bei den Lindner Hotels & Resorts bei 73 Prozent, über dem Marktschnitt von 69. Rund 16 Millionen Euro haben sie dieses Jahr in ihre Bestandsimmobilien gesteckt.

Als eine der wenigen familiengeführten Hotelgruppen in Deutschland setzen sie zudem auf Expansion: Bei „me and all“ kommen 2020 neben einem zweiten Düsseldorfer Ableger die Städte Kiel, Ulm und Hannover dazu. Für 2023 sind Eröffnungen in Stuttgart und Leipzig geplant. Auch international soll die Marke langfristig wachsen.

Gleichzeitig nutzten die Lindners die „gute Zeit, um unser Portfolio zu optimieren“, sagt Lindner. In Leipzig wurde gerade ein Hotel verkauft. Auch in Weimar haben sie ein Franchise-Projekt beendet. Der Fokus liege derzeit auf Standorten an Nord- und Ostsee für die Lindner-Hotels – und auf Citylagen für „me and all“.

„Wir wollen nicht in die Pampa oder an die Peripherie“ – denn die Zielgruppe sei jung und bahnaffin: Businessreisende, die schnell von A nach B kommen wollen. In Stuttgart zieht das „me and all“ sogar direkt in den Bahnhof: Ein dreistöckiger Glaskubus soll in den historischen Bonatzbau integriert werden.

Wette auf die Zukunft

Die bis dato zwei „me and all“ sind kompakt und gemütlich, gleichzeitig hochwertig in der Ausstattung, mit modernen Fitnessräumen und in Mainz auch mit Panorama-Sauna. Dazu gibt es einen Coworking-Space. „Wir wollen, dass die Leute sich bei uns zu Hause fühlen“, sagt Lindner.

Er spricht gern vom „Wohnzimmer der Stadt“, will, dass der lokale Charakter, der Kiez „spürbar ist“. Bisher lag die Auslastung allerdings noch unter dem Gruppenschnitt: Mainz und Düsseldorf kamen 2018 zusammen auf 56 Prozent, der Umsatz lag bei 6,7 Millionen Euro.

Doch das Investment ist eine Wette auf die Zukunft. „Mit ‚me and all‘ geht Lindner voll mit dem Trend hin zu Lifestyle-Hotels“, meint der Hotelexperte Christian Schollen. Ob Moxy von Marriott, Motel One oder das 25hours der Accor-Gruppe: Überall würden gerade Hotels dieser Art entstehen. Das Zimmer sei dabei nur noch Schlaffläche, die Gäste sollen sich im ganzen Haus aufhalten. „Damit trifft Lindner voll den Zeitgeist – aber ein Trend kann sich natürlich auch wieder schnell ändern.“

Schollen hält Lindner für einen Hotelier aus Überzeugung und Leidenschaft. „Er macht seit vielen Jahren einen guten Job“, lobt der Branchenkenner. Ein großes Plus sei die Mitarbeiter-Philosophie. „Die Fluktuation ist hier deutlich geringer als im Marktvergleich.“

Die Familie schicke nicht andauernd Direktoren von einem Haus zum nächsten, wie es bei großen Ketten üblich sei. „Ich kenne sogar Direktoren, die mehr als 20 Jahre bei den Lindner Hotels sind“, berichtet Schollen. „Das schafft natürlich ein großes Vertrauen.“

Mehr: Reisebranche – Booking, Expedia & Co. drängen Hotels zunehmend kulante Storno-Bedingungen auf. Wer nicht mitzieht, muss sich auf Einbußen gefasst machen.

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