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Patrick Hohmann (links) mit Begleiter in der kasachischen Steppe

Weltraumschrott für Schweizer Uhren.

(Foto: Werenbach)

Patrick Hohmann Wie ein Schweizer aus alten Weltraumraketen Uhren macht

Patrick Hohmann baut mit seinem Start-up Werenbach Uhren aus Weltraumschrott. Seine Idee vermarktet er galaktisch – eigener Roman inklusive.
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ZürichWährend das Raumschiff im Oktober 2016 noch durchs All düst, um eine neue Besatzung zur internationalen Raumstation ISS zu bringen, hat Patrick Hohmann sein Ziel in der kasachischen Steppe schon erreicht: Die Trümmerteile der ersten Stufe der Rakete sind beim Start planmäßig auf den Boden gefallen und liegen dampfend vor seinen Füßen, so erinnert er sich.

Hohmann will aus dem Schrott Uhren bauen. „Meine Freunde fanden die Idee verrückt“, sagt er, „aber wenn ich mir etwas vorgenommen habe, lasse ich nicht davon ab.“

Mit genialem Marketing versucht der 45-jährige Schweizer, sich mit seinem Start-up namens Werenbach gegen Uhrenriesen wie Swatch zu behaupten. Mit einer Crowdfunding-Kampagne sammelte Hohmann im Frühjahr rund 750.000 Franken ein, um eine neue Kollektion zu finanzieren.

Als die Finanziers ihre Uhren im Züricher Atelier abholten, reichte die Schlange bis auf den Bürgersteig. Seine neueste Kreation ist eine Uhr aus Teilen der Rakete, die den Deutschen Alexander Gerst zur ISS gebracht hat.

Die Idee kam Hohmann beim Joggen am Werenbach. Es gab Uhren aus alten Flugzeugteilen und Resten der Titanic. Aus Weltraumschrott noch nicht. Kurze Zeit später reiste er mit zwei Freunden nach Kasachstan, um an die Raketenteile zu kommen, und drohte zunächst zu scheitern. Das Startgebiet ist Sperrzone. Verabredungen mit Kontaktleuten vor Ort platzten, das Geld ging zur Neige.

Uhr aus Material der Sojus-Rakete von Alexander Gerst. Quelle: Werenbach
Leonov Model 5 von Werenbach

Uhr aus Material der Sojus-Rakete von Alexander Gerst.

(Foto: Werenbach)

Inzwischen bietet Hohmann drei Produktlinien an. Das Einstiegsmodell „Mach 33“ kostet rund 330 Euro, das Spitzenmodell „Soyuz“ bis zu 8000 Euro. Die Raketenteile tragen oft Schmauchspuren oder Kratzer vom Flug durch die Atmosphäre.

„Werenbach hat früh verstanden, dass manche Leute eine Uhr nicht wegen des Uhrwerks kaufen, sondern wegen ihrer besonderen Machart“, sagt Pierre-André Schmitt vom Uhrenfachblatt „Watch Around“. Die Weltraumuhren aus Zürich seien ein Paradebeispiel dafür, wie junge Marken die etablierten Hersteller mit frischen Ideen und bezahlbaren Modellen attackieren.

Ein eigener Abenteuerroman

Rund 2000 Uhren hat die Firma mit drei Mitarbeitern im vergangenen Jahr produziert. Die abgehobene Geschichte hat der Gründer in dem Abenteuerroman „Werenbachs Uhr“ verewigt. „So abenteuerlich, wie die Werenbach-Uhren entstanden sind, ist auch die Erzählung“, urteilte die „Neue Zürcher Zeitung“.

Das Buch zur Uhr – klingt wie ein Marketing-Coup. Das weist Hohmann zurück: Mit dem Schreiben habe er seine eigenen Gedanken sortiert. „Der Roman lässt sich nur aus der Unmöglichkeit der gesamten Unternehmung erklären.“

Im Roman „Werenbachs Uhr“ sind Fakten und Fiktion schwer zu trennen. Im echten Leben von Patrick Hohmann manchmal auch. So fängt das Weltall nach gängiger Definition erst in einer Höhe von 100 Kilometern an. Die Teile der Sojus-Raketen, die Werenbach als „Spaceborn“ verkauft, fallen aus einer Höhe von 85 Kilometern herab.

Damit waren sie höher als Fallschirmspringer Felix Baumgartner – aber noch nicht im All. Dem Erfolg der Firma tut das keinen Abbruch: Wer nach den Sternen greifen will, darf nicht zu kleinlich sein.

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