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Per Ledermann Edding-Chef entwickelt unsichtbare Alternative zum QR-Code

Der Filzmarker-Hersteller Edding startet in ein völlig neues Geschäftsfeld. Die Technik für Fälschungssicherheit könnte Millionenumsätze bringen.
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Der Gründer-Sohn macht Edding fit für eine Zeit, in der Marker an Bedeutung verlieren. Quelle: edding Vertrieb GmbH
Per Ledermann

Der Gründer-Sohn macht Edding fit für eine Zeit, in der Marker an Bedeutung verlieren.

(Foto: edding Vertrieb GmbH)

AhrensburgDas jüngste Projekt von Per Ledermann ist eines dieser Dinge, die entweder grandios durch die Decke gehen oder geräuschlos entschlafen. Der Chef von Edding will nicht weniger als ein neues System schaffen, mit dem Produkte mit einem Smartphone kommunizieren. Es geht um eine Art unsichtbaren QR-Code – fälschungssicher und billig, gedruckt mit unsichtbarer Tinte. Geht sein Plan auf, könnte er dem Filzmarker-Hersteller ein völlig neues Geschäftsfeld erschließen.

In einer Zeit, in der ausgedruckte Etikette die aufgemalte Anschrift auf Paketen ersetzen und Powerpointpräsentationen den Flipchart, braucht Edding dringend neue Geschäftsfelder. Inzwischen hat das Familienunternehmen immer mehr Produkte für Hobbybastler im Programm, lizenziert seine Marke für Druckerpatronen und vertreibt sogar Nagellack.

Mit der neuen Technik „Edding Code“ sollen Businesskunden gewonnen werden. „Wir starten jetzt mit den ersten Pilotkunden“, kündigt Ledermann an. Der 43-Jährige ist der Sohn eines der beiden Gründer.

Die erste Aufgabe der Vertriebsmannschaft: potenziellen Kunden die Technik erklären. Dafür hat der Firmenchef zunächst fünf Leute in einer neu gegründeten Tochter in München zusammengestellt. Er selbst erklärt es so: Jedes beliebige Smartphone könne das aufgedruckte, unsichtbare Muster erkennen, indem der Nutzer die Verpackung eines Produkts über den Handybildschirm legt und mit dem Finger entlangstreicht.

Der Touchscreen wird durch die leitfähige Tinte so aktiviert, wie es sonst ein Tippen mit dem Finger tut. Das Ganze spielt sich im Browserfenster ab. Die Technik auf der entsprechenden Website wickelt Edding ab. Geld verdienen will Ledermann nicht an der Tinte, sondern an der Lizenz für die Technik und die Abwicklung. Drei Patente geben dem studierten Juristen Ledermann die Sicherheit, dass das Verfahren nicht einfach kopiert werden kann.

Entwickelt hat die Idee das Chemnitzer Start-up Prismade, auf das die Edding-Innovationsabteilung gestoßen ist. Das Familienunternehmen ist inzwischen mit 50 Prozent bei den Tüftlern eingestiegen. Prismade liefert das technische Know-how, Edding bringt Vertriebsstärke und Ideen für konkrete Anwendungen mit. So will Ledermann mit der Technik etwa Medikamentenschachteln oder Mode-Etiketten fälschungssicher kennzeichnen können.

Der Edding-Code könnte sogar amtliche Dokumente sichern. Zusammen mit dem benachbarten Autoflotten-Manager Kroschke erprobt Edding seinen neuen Code in einem Pilotprojekt zudem für Firmenwagen: Unternehmen sollen kleine Aufkleber auf die Führerscheine der Fahrer kleben.

So können die Firmen der regelmäßigen Prüfpflicht, ob alle Fahrer noch einen gültigen Führerschein in der Tasche haben, einfacher nachkommen. Weitere Anwendungsideen: Werbeprospekte könnten – wie mit einem QR-Code – Links zu Websites enthalten, Lotterielose am Smartphone ausgelesen werden.

Marktvolumen schwer einzuschätzen

Das Marktvolumen sei „extrem schwer einzuschätzen“, sagt Ledermann. Er hofft auf Nutzerzahlen in Millionenhöhe und deutlich siebenstellige Umsätze innerhalb weniger Jahre. Dabei träumt er von weltweiter Nutzung, etwa durch große Markenhersteller. So sollen sich die siebenstellige Investition in das Start-up und die für zwei Jahre geplanten Anlaufverluste auszahlen.

„Es gibt einen Bedarf für Lösungen zur Fälschungssicherheit“, bestätigt Martin Ruppmann, Chef des Kosmetikverbands VKE, den das Thema Produktfälschungen seit Jahren umtreibt. Wünschenswert sei eine zuverlässige Lösung, die langfristig Bestand habe. Noch habe sich kein Standardverfahren herausgebildet. Allerdings warnt er: „Es gibt eine ganze Menge von interessanten Ansätzen.“ Die Edding-Lösung ist also nur eine von vielen Ideen in dem Feld.

Beim Erschließen neuer Geschäftsfelder hilft, dass Ledermann noch einen zweiten Deal geschlossen hat. Zusammen mit dem bayerischen Familienunternehmen Elried hat Edding kompakte Drucker für Industriekunden entwickelt, die ferngesteuert Produkte und Verpackungen etwa mit Seriennummern bedrucken wollen.

Die neuen Drucker sollen ebenfalls von der jungen Münchener Tochter vertrieben werden, nicht aus der Zentrale in Ahrensburg bei Hamburg. „Wir haben schon bei der Markendehnung gemerkt: Es ist nicht einfach, das alles in alten Strukturen zu machen. Wenn zum eingespielten Edding-Orchester eine Rockband dazukommt, ist räumliche Trennung sicherlich hilfreich“, sagt er.

Zudem bekommt die neue Tochter Vertriebsexperten in Großbritannien, der Türkei und Argentinien.

Ledermann absolvierte nach dem Studium in den USA noch einen MBA-Abschluss, seit 2009 führt der Familienvater die Geschäfte des 1960 von seinem Vater Volker Ledermann und Namensgeber Carl-Wilhelm Edding gegründeten Unternehmens. Bereits 1988 stieg Mitgründer Edding aus, seine Anteile brachte das Unternehmen an die Börse.

Während die Familie um Per Ledermann die stimmberechtigten Anteile hält, werden stimmlose Aktien an der Börse gehandelt. Daher ist Edding transparenter als viele andere Familienunternehmen. Die Zahlen zeigen: Mit zuletzt 148 Millionen Euro steigt der Umsatz zwar stetig, der Gewinn jedoch verharrt seit Jahren zwischen 11,5 und gut zwölf Millionen Euro im Jahr. Nun hofft Ledermann, dass seine Innovationen daran ab 2020 etwas ändern.

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