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Peter Kerkar Eine indische Hoteldynastie kämpft gegen den Kollaps

Der mehr als 250 Jahre alte Konzern Cox & Kings ist in wirtschaftlichen Turbulenzen. Die Berliner Hotelkette Meininger steht offenbar zum Verkauf.
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Cox & Kings: Indische Hoteldynastie kämpft gegen den Kollaps Quelle: Imago
Hotel Taj Mahal Palace in Mumbai

Der Touristikkonzern Cox & Kings ist in der Krise.

(Foto: Imago)

Bangkok Auf die traditionsreiche Geschichte seiner Familie in Indiens Hotelgewerbe ist Peter Kerkar erkennbar stolz. Das altehrwürdige Luxushotel Taj Mahal Palace, das im Süden Mumbais direkt neben dem Triumphbogen Gateway of India thront, sei in seiner Kindheit sein zweites Zuhause gewesen, betont der Chef des indischen Reisekonzerns Cox & Kings in einer Selbstbeschreibung auf der Firmenwebsite.

Sein Vater habe das Hotel geleitet, seine Mutter die Innenbereiche gestaltet. „Meine Erziehung hat mir unglaubliche Einblicke in das Gastgewerbe und wichtige Kontakte ermöglicht“, fügt der inzwischen 56 Jahre alte Manager hinzu.

In der schweren Krise, die sein Unternehmen derzeit erlebt, dürfte Kerkar aber auch seine Herkunft nicht helfen. Der Aktienkurs von Cox & Kings, das mehr als 250 Jahre alt ist und ursprünglich auf Indienreisen spezialisiert war, brach in den vergangenen zwölf Monaten um 98 Prozent ein. Seit Ende Juni verpasste das Unternehmen mehrere Zahlungen an seine Gläubiger.

Nun erreichen die wirtschaftlichen Turbulenzen von Kerkars Konzern, den sein Vater vor mehr als drei Jahrzehnten erworben hatte, auch Deutschland: Die Berliner Hotelkette Meininger, die zum Reiseimperium des Inders gehört, steht wegen der Probleme offenbar zum Verkauf.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, erwägt Cox & Kings, sich von Meininger zu trennen, um die Schuldenlast zu senken. Die Low-Budget-Kette mit derzeit 28 Niederlassungen in Europa ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen: Seit 2017 hat sich die Zahl der Meininger-Hotels, die sich zwischen Jugendherbergen und Hotels positionieren, fast verdoppelt.

Der Eigentümer von Cox & Kings verwirklichte sich den Traum eines globalen Tourismuskonzerns. Quelle: Cox & Kings
Peter Kerkar

Der Eigentümer von Cox & Kings verwirklichte sich den Traum eines globalen Tourismuskonzerns.

(Foto: Cox & Kings)

Am 1. Oktober soll ein weiterer Ableger in Paris eröffnen, im Dezember dann in Lyon. Im kommenden Jahr sollen weitere Zweigstellen in Innsbruck und Rejkjavik hinzukommen – und erstmals auch eine in den USA, in Washington.

Der österreichische Chef der Meininger-Gruppe, Hannes Spanring, der das Unternehmen seit 2016 leitet, wollte einen möglichen Verkauf nicht kommentieren. Auch Cox & Kings war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dem Bloomberg-Bericht zufolge sucht der Konzern derzeit mit Unterstützung der Investmentbank Lazard nach Interessenten für Meininger, das seinen Jahresumsatz zuletzt von 90 auf 111 Millionen Euro steigern konnte. Ein Verkauf des Unternehmens gilt als naheliegende Option für die Muttergesellschaft, um die Verpflichtungen abzubauen, die Ende März bei mehr als 400 Millionen Dollar lagen.

Ein Großteil der Schulden kam zustande, als Cox & Kings 2011 das britische Reiseunternehmen Holidaybreak für rund 510 Millionen Dollar übernahm. Meininger wurde 2013 zur 100-prozentigen Tochter von Holidaybreak. Kerkar verwirklichte sich damit den Traum eines globalen Tourismuskonzerns.

Doch er nahm dafür offenbar erhebliche Risiken in Kauf. Im Juli erklärte sein Unternehmen, es habe Schwierigkeiten, kurzfristige Kredite mit längerfristigen abzulösen. Mehrere Investoren vermuten aber noch größere Probleme. Sie warfen indischen Medienberichten zufolge dem Unternehmen in einem Brief an Ermittlungsbehörden Unregelmäßigkeiten bei der Buchführung vor.

Auf Klarheit müssen sie wohl noch warten: Die Hauptversammlung des börsennotierten Unternehmens wurde vergangene Woche verschoben und soll nun bis spätestens Ende Dezember abgehalten werden. Von dem Kapital der Aktionäre ist nicht mehr viel übrig: Der Börsenwert von Cox & Kings lag zuletzt bei nur noch rund zehn Millionen Dollar.

Auch Kerkars Hoteliersfamilie musste große Verluste hinnehmen: Sie hielt im vergangenen März noch knapp die Hälfte der nun fast wertlosen Anteile.

Mehr: Das Emirat Dubai stoppt den Ausbau seines Megaflughafens. Das jahrzehntelang verwöhnte Land bekommt ein Jahr vor der Expo2020 ernste Probleme.

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