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Peter Michael Binder Mit Kälte gegen das Coronavirus: Wie ein deutscher Mittelständler der Forschung hilft

Die Welt sucht nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Klimaschränke des Tuttlinger Unternehmers sind dabei ein wichtiges Hilfsmittel.
15.03.2020 - 10:03 Uhr Kommentieren
Der deutsche Mittelstand liefert Simulationsschränke für Labore. Quelle: Karriere im Familienunternehmen
Michael Binder

Der deutsche Mittelstand liefert Simulationsschränke für Labore.

(Foto: Karriere im Familienunternehmen)

Stuttgart Peter Michael Binder hat in Tuttlingen seit 1983 einen kleinen, aber feinen mittelständischen Weltmarktführer aufgebaut. Es ist das Lebenswerk des 66-jährigen Elektroingenieurs. Zumindest technologisch sind die Simulationsschränke das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, wissenschaftliche und industrielle Labore zu bestücken. „Es ist die Mission meines Unternehmens, der Verbesserung der Gesundheit zu dienen“, sagt Binder.

Konstante Bedingungen sind unabdingbar etwa in der Forschung und Pharmaindustrie bei der Zell- und Gewebekultivierung – seien es nun Zellen für die Krebsforschung oder Gelenkknorpel, die gezüchtet werden. Und jetzt leisten Binders Hightech-Geräte gute Dienste bei der Bekämpfung des Coronavirus.

Fieberhaft arbeiten Forscher auf der ganzen Welt an einem Impfstoff. Dabei helfen die CO2-Inkubatoren sowie die „Freezer“ des schwäbischen Unternehmens, die auf minus 80 Grad herunterkühlen. Dort werden Proben des Coronavirus aufbewahrt, um den gefährlichen Erreger der Lungenkrankheit zu erforschen. So auch im Hochsicherheitslabor in Mittelhäusern im Kanton Bern. Virologe Volker Thiel von der Universität Bern hat hier Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus erzielt.

Vor drei Wochen wurden unter großen Sicherheitsvorkehrungen Proben des Coronavirus im Hochsicherheitslabor angeliefert und in mehreren Freezern von Binder sicher gelagert. Jetzt konnte der Wissenschaftler im Beisein des Schweizer Fernsehens vermelden, dass der erste synthetische Klon des Coronavirus gelungen ist.

Das gilt als Durchbruch, weil Klone stabiler als die echten Virusproben sind. So kann beispielsweise DNA besser analysiert und isoliert werden. Die Klone helfen nun Wissenschaftlern auf der ganzen Welt, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu erstellen.

Die Binder-Schränke seien bei der Coronaforschung sehr hilfreich, bestätigt der Forscher. In einem weiteren Gerät von Binder, den CO2-Inkubatoren, die auf 180 Grad hochheizen können, werden jetzt schon gefährliche Infektionen an menschlichen Zellen nachgebildet. Experten rechnen aber damit, dass die Impfstoffentwicklung gegen das Coronavirus noch ein Jahr dauert. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Für den Firmenchef ist es eine tiefe Befriedigung, dass seine Produkte dazu beitragen können.

Lieferkette hält

Binder produziert ausschließlich in Tuttlingen. Dort werden aus 800 Teilen die Klimaschränke gefertigt, insgesamt rund 22.000 Geräte pro Jahr. Zwölf Millionen Euro investierte er 2017 in eine hochautomatisierte Fertigungshalle. Im Ernstfall sind Simulationsschränke per Flugzeug in einer Woche lieferbar. Noch gibt es aber keinen Nachfrageboom aus den Coronalaboren. „Es müsste ein Treiber unseres Geschäfts sein, aber noch spüren wir das nicht“, sagt Binder.

Derzeit überwiegen die Nachteile durch die lahmgelegte Wirtschaft in China und anderswo. Der chinesische Markt macht knapp ein Fünftel des Umsatzes von zuletzt 74 Millionen Euro aus. „Ich bin Optimist und hoffe, dass wir in diesem Jahr noch einiges wieder aufholen können“, so Binder. China komme wieder langsam in Gang. Aber die Unsicherheit im Rest der Welt nehme zu.

Zu den Konkurrenten zählt ThermoFisher aus den USA und die japanische Sanyo. Probleme in der Lieferkette gibt es bei Binder nach eigener Aussage noch nicht. Die hohe Automatisierung durch den brandneuen Maschinenpark von Trumpf erlaubt es ihm, auch Blechteile für die Klimaschränke kostengünstig selbst zu bauen. Unternehmer Binder will nicht zu stark von Zulieferern abhängig sein.

Er liebt ein Höchstmaß an Kontrolle bei der Fertigung der komplexen Geräte für Forschungsinstitute sowie Pharma-, Lebensmittel- und Biotech-Firmen. „Die Breite der Kundschaft lässt uns heute so manche Schwierigkeit überstehen“, sagt Binder und hofft, dass sich das durch Corona nicht ändert.

Mehr: Insolvenzverwalter Flöther: „Viele Unternehmen werden diese Krise nicht überleben“

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