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Pham Nhat Vuong

Er verfolgt die Vision vom Konzern für sämtliche Lebensbereiche.

(Foto: Vingroup)

Pham Nhat Vuong Dieser Milliardär verfolgt die Vision vom Konzern für sämtliche Lebensbereiche

Vom Restaurantbesitzer zum Immobilienunternehmer: Der Vietnamese hat einen rasanten Aufstieg hingelegt. Jetzt eröffnet er seine erste Autofabrik – mithilfe deutscher Technik.
13.06.2019 - 17:05 Uhr Kommentieren

Bangkok Wenn es darum geht, Geschichte zu schreiben, hat es Pham Nhat Vuong eilig: In nur 21 Monaten hat der reichste Mann Vietnams aus dem Nichts den ersten Autohersteller seines Landes geschaffen. Die feierliche Fabrikeröffnung in der nordvietnamesischen Industriestadt Haiphong findet an diesem Freitag statt – mehrere Wochen früher als ursprünglich geplant.

„Der kräftige Geist Vietnams“, steht in Großbuchstaben auf der Einladung, die Vuongs neue Autos vor einer riesigen vietnamesischen Flagge zeigt. Hier geht es nicht nur um eine neue Automarke, lautet die unmissverständliche Botschaft, sondern um Vietnams Nationalstolz. „Wir wollen ein Fahrzeug bauen, das auf dem Weltmarkt mithalten kann“, kündigte Vuong, der nur selten Interviews gibt, bereits im vergangenen Jahr an. Ziel sei es, damit auch anderen Industrien im Lande zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Prestigeprojekt unter dem Namen Vinfast passt zu dem 50 Jahre alten Unternehmer. Er deckt mit der von ihm gegründeten größten Firmengruppe Vietnams immer mehr Wirtschaftsbereiche ab. Mit der Tochterfirma Vinhomes betreibt er nicht nur Vietnams größten Immobilienentwickler.

Zu dem Imperium, das zuletzt einen Umsatz von 5,3 Milliarden US-Dollar erzielte, gehören auch die Hotelkette Vinpearl, das Klinikunternehmen Vinmec, der Privatschulanbieter Vinschool und die Supermarktkette Vinmart mit mehr als 1 200 Filialen. Der Konzern wolle die Vietnamesen von der Wiege bis ins Grab begleiten, gab eine von Vuongs Topmanagerinnen kürzlich in einem Interview unverhohlen zu.

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    Der Start der ersten vietnamesischen Automobilmarke ist aber nicht das einzige Großprojekt, das die Vision von einem Konzern für sämtliche Lebensbereiche vervollständigen soll. Während die geladenen Gäste im Industriepark in Haiphong an diesem Freitag erst die Reden des Managements hören und dann noch ein Konzert in einem Vingroup-Hotel besuchen dürfen, laufen 120 Kilometer weiter westlich bereits die Arbeiten an Vuongs nächstem Großprojekt.

    In der Hauptstadt Hanoi hat er am Montag mit dem Bau einer Smartphone-Fertigung für seinen Elektronikableger Vinsmart begonnen. So will er die Produktionskapazität von derzeit fünf Millionen Stück pro Jahr deutlich steigern: Die neue Fabrik, die Anfang nächsten Jahres starten soll, wird nach Firmenangaben jährlich 125 Millionen Geräte produzieren können – auch für Europa und die USA.

    Vuong, der heute im großen Stil denkt und plant, hat einmal ganz bescheiden begonnen. Der Sohn eines Soldaten und einer Teeverkäuferin wurde Ende der 60er-Jahre – mitten im Vietnamkrieg – geboren. Die nordvietnamesischen Kommunisten siegten, und Vuong bekam als junger Mann, der ein Talent für Mathematik hatte, die Chance, in Moskau zu studieren.

    Nach seinem Abschluss 1993 machte er sich in der Ukraine selbstständig – und eröffnete mit einem Startkapital von 10.000 Dollar ein vietnamesisches Restaurant. Das reichte ihm aber nicht: Er besorgte sich Geräte, um Nudeln und Gewürze zu trocknen, und wurde zum ukrainischen Instant-Nudel-Pionier. Er verkaufte das Geschäft 2010 für geschätzte 150 Millionen Dollar an den Lebensmittelkonzern Nestlé.

    Mehrere Immobilienprojekte und ein Börsengang

    Die Erträge aus dem rentablen Unternehmen nutzte er bereits vorher, um sich in seiner vietnamesischen Heimat ein zweites Standbein aufzubauen: Kurz nach der Jahrtausendwende eröffnete er ein Luxushotel in der Strandstadt Nha Trang. Bereits ein Jahr später kam ein Einkaufszentrum in Hanoi dazu. Es folgten noch weitere Immobilienprojekte und ein Börsengang.

    Den massiven Ausbau seiner Aktivitäten mit Schulen, Supermärkten und einem ganzen Stadtviertel, das er in Ho-Chi-Minh-Stadt unter dem Namen „Central Park“ vermarktet, brachte Vuong aber erst seit 2013 voran: Er schaffte es erstmals als Dollar-Milliardär in die Liste der Reichen im US-Magazin „Forbes“.

    Heute wird das Vermögen des vietnamesischen Vorzeigekapitalisten, der in seinem „Central Park“ inzwischen auch mit einem 81 Stockwerke hohen Wolkenkratzer das höchste Gebäude des Landes bauen ließ, auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

    Branchenkenner zeigen sich fasziniert von dem rasanten Aufstieg: „Die Geschwindigkeit, mit der er hier seine Apartments gebaut hat – bei gleichzeitig überdurchschnittlicher Qualität –, ist schon sehr beachtlich“, sagt der Immobilienunternehmer Horst Geicke, der vor zwei Jahren den Gebäudekomplex Deutsches Haus in Ho-Chi-Minh-Stadt eröffnete.

    Mit dem Eintritt ins Automobilgeschäft wagt sich Vuong aus seiner Sicht jedoch in eine ganz andere Liga. „Vuong hat so viel Ahnung von Autos wie wir von einer Mondlandung“, sagt Geicke. Er glaubt dennoch an den Erfolg des Projekts. Er begründet dies mit Vuongs guten Regierungskontakten und dem Know-how, vor allem aus Deutschland.

    Keine Angst vor hohen Schulden

    Aufgebaut wurde die Produktionsanlage von Vinfast in Haiphong, die eine Kapazität von einer Viertelmillion Fahrzeugen im Jahr haben soll, von dem früheren Vietnamchef des Automobilzulieferers Bosch. Bei BMW besorgte sich das Unternehmen Lizenzen für einen Motor und die Basisarchitektur der alten 5er-Reihe.

    Insgesamt neun deutsche Zulieferer lieferten die Technik. Zur Finanzierung der deutschen Technik erhielt Vinfast eine Kreditlinie von fast einer Milliarde Dollar mit einer Garantie durch den Kreditversicherer Euler Hermes.

    Dass Vuong beim Aufbau seines Imperiums keine Angst vor Schulden hat, ist nichts Neues. Bereits den Einstieg in das Instant-Nudel-Geschäft in der Ukraine finanzierte er auf Pump – und nahm dafür Berichten zufolge sehr hohe Zinsen in Kauf. Analysten halten Vuongs Strategie für riskant.

    Im vergangenen Jahr behielt die Ratingagentur Fitch ihre Bonitätsnote für Vingroup zwar bei, senkte den Ausblick aber von stabil auf negativ. Der Grund: die steigenden Schulden und das Risiko, als Neuling in die Autobranche einzusteigen.

    Insgesamt plant Vinfast Investitionen in das Automobilgeschäft von bis zu 3,5 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren. Damit sich das rechnet, muss die Nachfrage nach Autos in Vietnam kräftig anziehen. Bisher kaufen die rund 100 Millionen Einwohner des Landes jährlich nur rund 300.000 Pkws. Vinfast will deshalb seine Fahrzeuge auch in die Nachbarländer Südostasiens liefern.

    Die Expansionspläne passen zu Vuong, der sich gerne als unternehmerischer Patriot gibt. Er träume davon, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt in Metropolen wie Hongkong und Singapur zu verwandeln, erzählte er mal im Interview: „Ich würde das auch tun, wenn es mich ein paar Milliarden kostet.“

    Mehr: Die Berliner Buchungsplattform Getyourguide erhält eine Rekordfinanzierung. Das Beispiel zeigt: Europas Gründerszene wächst – ist aber auf Geld von außen angewiesen.

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