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Pharmabranche Wichtige Helfer für Impfstoffe: Mittelständler Lipoid baut die Produktion aus

Die Firma liefert Lipide aus natürlichen Rohstoffen, damit Arzneimittel besser wirken. Gerade bei mRNA-Impfstoffen gegen Corona sind die gefragt.
12.06.2021 - 11:56 Uhr Kommentieren
Rund drei Viertel des Umsatzes macht der Mittelständler mit der Pharmaindustrie. Quelle: Lipoid
Produktion bei Lipoid

Rund drei Viertel des Umsatzes macht der Mittelständler mit der Pharmaindustrie.

(Foto: Lipoid )

Frankfurt Dass das von außen unscheinbare weiße Pulver einmal eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung einer globalen Pandemie spielen würde, hat sich Herbert Rebmann vor fast 45 Jahren wohl nicht vorgestellt. Der Pharmazeut war aber vom Potenzial der Phospholipide aus natürlichen Rohstoffen, die er im Rahmen seiner Promotionsarbeit hergestellt hatte, so überzeugt, dass er ein Unternehmen gründete. Sein Ziel: die Stoffe auf pharmazeutischem Niveau und im industriellen Maßstab produzieren.

Heute könnten die modernen mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus, wie sie Biontech und Moderna herstellen, ohne diese Hilfsstoffe nicht wirken. Das Phospholipid DSPC von Rebmanns Firma Lipoid ist ein wichtiger Bestandteil der Trägerkapseln, mit denen die Wirkstoffe in die Körperzellen transportiert werden.

Ohne die sogenannten Lipid-Nanopartikel (LNP) könnte der Impfstoff seine Wirkung gar nicht entfalten. Die schützenden LNP-Trägerkapseln bestehen aus mehreren Lipiden, praktisch also Fetten, damit sie funktionieren können. Andere Lipide kommen von den Chemiekonzernen Evonik und Merck.

„Phospholipide sind Bestandteil jeder lebenden Zelle, also auch der menschlichen Körperzelle. Das macht sie besonders verträglich, was einen generellen Vorteil für pharmazeutische Produkte darstellt“, sagt Geschäftsführer Frank Schubert.

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    Heute macht die Lipoid-Gruppe aus Ludwigshafen mit rund 500 Mitarbeitern mehr als 150 Millionen Euro Jahresumsatz und beliefert pharmazeutische Unternehmen in der ganzen Welt. Die Produkte werden aus streng kontrollierten natürlichen Rohstoffquellen wie Eigelb, Soja und Sonnenblumen gewonnen.

    „Durch die schnelle Kommerzialisierung bewegen wir uns im industriellen Tonnenmaßstab.“ Quelle: Lipoid
    Lipoid-Geschäftsführer Frank Schubert

    „Durch die schnelle Kommerzialisierung bewegen wir uns im industriellen Tonnenmaßstab.“

    (Foto: Lipoid )

    Lipoid ist ein Hidden Champion, den jenseits der Branche kaum jemand kennt. Rebmann, der die Firma mittlerweile in ein Stiftungsunternehmen überführt hat, lebt eher zurückgezogen, auch wenn er mit über 80 Jahren noch als Geschäftsführer die Geschicke der Gruppe mitsteuert – in Pandemiezeiten allerdings vor allem aus dem Homeoffice.

    Geschäftsführer ist seit vergangenem Jahr der promovierte Chemiker Schubert, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in verschiedenen Führungspositionen für das Unternehmen tätig ist.

    Lipoid baut Kapazitäten aus

    Phospholipide sind als Teil des Trägersystems nicht nur gut geeignet für Impfstoffe, sondern unter anderem auch für Tumortherapeutika, Intensivmedizin und Ernährungslösungen. Rund drei Viertel des Umsatzes macht die Lipoid-Gruppe mit der Pharmaindustrie. Aber auch bei Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika und Cremes sind die Produkte gefragt.

    Der Bedarf an mRNA-Impfstoffen hat aber die Nachfrage nach den speziellen Phospholipiden in die Höhe schnellen lassen. Das Unternehmen ist daher dabei, seine Kapazitäten an den Standorten Köln und Ludwigshafen zu verdoppeln.

    „Vor der Pandemie wurden unsere naturidentischen, synthetischen Phospholipide für mRNA-Impfstoffe nur in kleinen Mengen für Produktentwicklungen benötigt“, sagt Schubert. „Durch die schnelle Kommerzialisierung bewegen wir uns nun im industriellen Tonnenmaßstab.“

    Die Nachfrage bringe der Firma einen gewissen Zuwachs, sagt der 55-Jährige. Aber die speziellen Phospholipide für mRNA-Impfstoffe seien deshalb nicht zum wichtigsten Produkt geworden. „Für alle Geschäftsbereiche haben wir eine dreistellige Anzahl von Phospholipiden und darauf basierenden Produkten im Angebot. Und wir sehen, dass das Thema Verträglichkeit und Natürlichkeit eine immer größere Bedeutung gewinnt“, sagt Schubert.

    Peter Hölig, Leiter Geschäftsentwicklung bei Lipoid, erwartet, dass die mRNA-Technologie die Pharmawelt revolutionieren wird und diese Impfstoffe künftig auch breiter eingesetzt werden, etwa gegen Tumore. „Durch Phospholipide wird die Wirkung solcher Systeme erst mit ermöglicht. Deshalb dürften unsere Produkte auch weiterhin gefragt sein“, sagt er.

    Die Vision des Gründers, mit Phospholipiden aus natürlichen Rohstoffen neue und bestehende Arzneimittel verträglicher machen zu können, wird in der Lipoid-Gruppe engagiert weiterverfolgt. „Wir wollen Phospholipide in allen möglichen Arzneimittelformen verbreiten. Das Spektrum ist noch lange nicht ausgereizt“, sagt Geschäftsführer Schubert.

    Mehr: Nur mit Schutzkapseln kann der mRNA-Impfstoff wirken.

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