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Philipp Pausder Thermondo-Chef fordert die Energieversorger heraus

Philipp Pausder baut seine 2012 gegründete Firma zum Komplettanbieter für Wärme aus. Damit greift der Gründer die Energieversorger an.
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Das Geschäftsmodell hat er schon zweimal verändert. Quelle: Thermondo
Philipp Pausder

Das Geschäftsmodell hat er schon zweimal verändert.

(Foto: Thermondo)

BerlinEs sind ziemlich ausgetretene Stufen einer Metalltreppe, die Philipp Pausder leichtfüßig – mit Schuhgröße 48 – nimmt, um in sein Büro in einem Berliner Hinterhof zu gelangen. Manchmal muss sich der frühere Basketball-Bundesliga-Spieler kleiner machen, als er mit seinen zwei Metern ist.

Pausder ist Mitgründer und Vorstandschef von Thermondo – einem 2012 gegründeten Start-up. Das Berliner Unternehmen vermittelt bisher erfolgreich Heizungsanlagen und stellt auch die Installateure, um sie einzubauen. Doch nun will sich Thermondo noch einmal neu erfinden und seinen Kunden die Energie gleich mitliefern – und so den Energiekonzernen Konkurrenz machen.

Die Idee dazu kam ihm bereits früh. Schon beim Start von Thermondo wollten der 43-Jährige und sein Jugendfreund Florian Tetzlaff eigentlich ein Energieunternehmen gründen. Begonnen haben sie dann gemeinsam mit dem Energieexperten Kristofer Fichtner mit einer Plattform, die Heizungen und die passenden Installateure vermittelt.

Als ihnen klar wurde, dass Letztere unzuverlässig waren, wenn ihnen eigene Aufträge dazwischenkamen, stellten sie kurzerhand selbst Handwerker ein – und wurden Deutschlands größter Heizungsinstallateur. Sehr namhafte Investoren wie Eon, Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures und seit 2017 auch Vorwerk investieren bei Thermondo.

Insgesamt flossen bereits mehr als 50 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen. Zwar gab es immer mal wieder auch Gerüchte, lautet es in der Szene, Investoren zögen sich zurück, Thermondo werde verkauft. Aber da sei nichts dran, heißt es bei Thermondo. Pausder selbst will es nicht kommentieren. Er glaubt an seine Vision und daran, die Welt zu verändern.

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Pausder denkt vieles vom Ende her. Seine langfristige Vision lautet: Die Erderwärmung soll unter zwei Grad liegen. Sogar einem Investor klingt es etwas zu pathetisch, dennoch findet er es genau richtig. Pausder hatte schon vor mehr als zehn Jahren auch durch Berateraufträge in Afrika und Asien erkannt: Man kann noch so tolle Mobilfunk- und App-Ideen entwickeln, wenn man das Energieproblem nicht löst, wird es schwierig.

„Die Hypothesen von Tag eins, die stimmen alle heute noch“, betont Pausder. „Wir wollten von Anfang an ein Energieunternehmen sein, und uns war klar, dass zukünftig dafür ein skalierfähiger Handwerksbetrieb die Basis sein wird.“

Die Branche „tüchtig durchgewirbelt“

Er habe die Branche „tüchtig durchgewirbelt“ und den Markt verändert, zollen sogar Konkurrenten und Lieferanten Respekt. Nach Fukushima und der Energiewende war den Thermondo-Gründern erstens klar, dass die dezentrale Energieversorgung kommt. Zweitens brauchten sie die Handwerker- und Hardware-Kompetenz, um die dezentrale Energieversorgung und auch die Vernetzung hinzubekommen. Drittens, so sagt es Pausder, kümmere sich niemand um den Wärmemarkt. 25 Prozent des Primärenergieverbrauchs verbrauchen private Haushalte für Wärme, zählt er auf. „Wir kümmern uns und bieten jetzt Wärme komplett – zur Miete.“

Und auch wenn er es so nicht sagt: Er kann mit dem neuen Komplettangebot den Energieversorgern den Kundenkontakt streitig machen. Denn wer sich künftig eine Heizung über Thermondo einbauen lassen will, kann sie sich zusätzlich warten und instandhalten sowie sich klimaneutrales Gas liefern lassen. In einer Beispielrechnung zahlt ein Kunde für das Gesamtpaket monatlich rund 190 Euro – bei einer Laufzeit von zehn Jahren.

Die Hypothesen von Tag eins, die stimmen alle noch. Philipp Pausder, Gründer und Vorstandschef Thermondo

Wer sich dafür entscheidet, wird als Kunde selbst keinen Gasvertrag mehr abschließen, sondern alles über Thermondo laufen lassen. Er wird im Zweifel nicht einmal wissen, von wem er sein Gas bezieht. Thermondo versichert, klimaneutral zu handeln. Im Klartext heißt das allerdings: Nicht das Gas selbst ist klimaneutral, sondern Thermondo will mit ausgleichenden Projekten für Klimaneutralität sorgen.

Inzwischen sind Pausders Mitgründer aus der operativen Führung ausgestiegen, halten aber noch Anteile. Pausder gehört offenbar zu denjenigen Gründern, die lieber ein großes Ding bauen, wie er sich ausdrückt. In jeder Wachstumsphase müsse man „neue Muskeln entwickeln“. Darin ist er Profi. Doch es wird spannend, ob Pausders Rechnung aufgeht.

Am Freitag verkündet er die Erweiterung des Geschäftsmodells auf der Weihnachtsfeier in Berlin, zu der rund 250 der 320 Mitarbeiter kommen. Insgesamt beschäftigt Thermondo 150 Handwerker und hat 13.000 Heizungen eingebaut.

Marktgläubig und leistungsorientiert

Pausder ist marktgläubig und leistungsorientiert. Zu Schulzeiten spielte der gebürtige Braunschweiger professionell Basketball. Pausders Mutter ist Pädagogin, sein Vater war Chef bei der Hubschrauber-Entwicklung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Leistungsdenken vermittelte ihm seine Umgebung.

Seinen „Unternehmerführerschein“ aber, wie er es nennt, machte er viel später an der Business-School in Madrid. Dort sah er auch den Film „Die unbequeme Wahrheit“ von Al Gore. Er hatte sein Thema gefunden: Energie und Erderwärmung. Doch alle Erkenntnis allein nützte nichts, Pausder wollte auch „Action“ – als Unternehmer.

Zuvor hatte er Publizistik und Wirtschaft studiert, unter anderem in Bochum und in Texas, und wurde für die erste New-Economy-Welle etwas zu spät mit dem Studium fertig. Er arbeitete im Marketing bei Adidas und bei Coca-Cola, lernte viel über Emotionen, Marken und die Betrachtung nackter Zahlen, über Leistungsträger und solche, die es nicht sind, aber trotzdem gar nicht so viel langsamer weiterkamen als er. Das regte ihn auf.

Pausder lebte vier Jahre in Amsterdam, reiste als Berater durch die Welt. Den Leistungssportler hatte es immer gestört, dass man in Konzernen nicht sagen konnte: „Ich will CEO werden.“ In Basketball-Vereinen war das anders. Sein früherer Trainer hat ihn schon zu Jugendzeiten motiviert: „Wenn du NBA-Spieler werden willst, hier ist der Trainingsplan.“

Das hat ihn motiviert, ganz nach oben zu wollen, sich richtig anzustrengen und zu merken, was geht und was nicht. Die NBA ist es nicht geworden. Aber immerhin spielte er auch in Texas in der Uni-Mannschaft und in der zweiten Bundesliga. Der Hunger nach Leistung blieb auch, als er mit 24 Jahren seine Basketballschuhe ablegte.

Keine rosige Bilanz aber viel Wachstum

Nach dem MBA-Studium in Madrid zog er mit seiner damaligen Frau nach Schweden, arbeitete dort als Berater und reiste um die Welt, das Energiethema fest im Blick. Heute lebt Pausder mit seiner zweiten Frau Verena und den Kindern in Berlin.

Sie ist vielleicht sogar noch bekannter als ihr Mann. Die Unternehmertochter gründete einst den Kinder-App-Entwickler Fox & Sheep, den sie an den Spielwarenhersteller Haba verkaufte, und gilt als große Netzwerkerin. Inzwischen steht das Paar gemeinsam Pate für das Projekt Start-up-Teens, das Schüler zum Gründen animieren soll.

Dass Pausder Überzeugungskraft hat, bestätigen viele Gesprächspartner. So schrieb 2013 die „Bild“-Zeitung, dass Thermondo zu den Start-ups gehören werde, die die Welt verändern. Das spornte ihn an.

Doch die Bilanz von Thermondo ist wie bei einem Unternehmen mit mehreren Hundert Prozent Wachstum naturgemäß nicht rosig: Bei 20 Millionen Euro Umsatz lagen die Verluste 2016 bei rund zehn Millionen, steht im Bundesanzeiger. 2017 sei der Umsatz aber deutlich zweistellig gewachsen, sagt er, mehr verrät er nicht.

Unternehmer sein ist anspruchsvoll. So musste er auch schon Mitarbeiter entlassen. Dabei müsse man „fair, aber klar sein und vor allem: sich sehr sehr sicher sein, dass man sich nicht irrt“.

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