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Philipp Pausder Thermondo wird zum Heizungsentwickler

Die Heizungsplattform Thermondo will künftig eigene Heizungssysteme anbieten. Der Plan von Gründer Philipp Pausder ist nicht ohne Risiken.
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Die Plattform will künftig auch eigene Heizungen anbieten. Quelle: Thermondo
Thermondo-Gründer Philipp Pausder

Die Plattform will künftig auch eigene Heizungen anbieten.

(Foto: Thermondo)

DüsseldorfMit der Vermittlung, Planung und Installation von Heizungen ist Thermondo groß geworden. Doch schon bald könnte sich das Start-up für Heizungsfirmen vom Partner zum Konkurrenten wandeln. Philipp Pausder arbeitet an einem Update des Geschäftsmodells: Gemeinsam mit dem Partner Tado wollen sie eigene Heizungen anbieten, die sich per Smartphone fernsteuern lassen.

Pausder und der Tado-Gründer Christian Deilmann kennen sich schon lange, Anfang des Jahres wurden beide Unternehmen zu den Top Cleantech-Firmen weltweit gekürt. Tado bietet die Steuerung des Thermostats als App fürs Smartphone an und ist mit allen Systemen kompatibel.

Die eigene Heizung von Thermondo kommt vom Mittelständler MHG. Dieser ist mit rund 40 Millionen Euro Umsatz sehr klein im Vergleich zu den bisherigen Vertragspartnern Bosch, Viessmann und Vaillant, die Milliardenumsätze generieren. Doch auch bei MHG ist ein großer Spieler im Hintergrund aktiv. Die gelieferten Kessel werden größtenteils vom niederländischen Heizungsbauer Intergas hergestellt.

Pausders neuestes Geschäftsmodell ist aber auch riskant, denn der bislang große Vertriebspartner Thermondo wird mit einem Mal zum Konkurrenten der Heizungsbauer. Zugleich muss Pausder Produkt- und Qualitätsmanagement liefern und Kunden, die schon immer Viessmann, Vaillant oder Bosch-Geräte in ihren Kellern stehen hatten, überzeugen, einer bisher unbekannten Marke zu vertrauen.

Branchenkenner, auch von der Herstellerseite, sehen darin die größte Herausforderung. Sie halten sich darum mit Kritik zurück. Dennoch könne es denkbar sein, die Zusammenarbeit zu überdenken. Pausder gibt sich gelassen und vergleicht seine neue Heizung mit den Handelsmarken großer Supermärkte, die ja auch neben den Markenprodukten verkauft würden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Thermondo in einem neuen Markt mitmischt. Erst vor wenigen Monaten verkündete Thermondo-Gründer Pausder, dass er seinen Kunden, künftig nicht nur Heizungsysteme, sondern auch gleich das Gas vermitteln will. Damit griff der Vorstandschef in die Beziehung zwischen Energieversorger und deren Kunden ein. Bislang läuft dieses Geschäft „auf kleinem Level“, gibt der 43-Jährige zu.

2012 waren die drei Gründer Philipp Pausder, Florian Tetzlaff und Kristofer Fichtner gestartet – zunächst mit einer Plattform auf der sich Heizungsinstallateure mit ihren Kunden vernetzen konnten. Als den Gründern klar wurde, dass die beauftragten Installateure unzuverlässig waren, wenn ihnen eigene Aufträge dazwischen kamen, stellten sie selbst Handwerker ein und wurden so mit der Zeit Deutschlands größter Heizungsinstallateur mit mehr als 300 Mitarbeitern, darunter rund die Hälfte Handwerker.

2016 begann das Berliner Unternehmen mit Wartungs-Paketen und Förderanträgen inklusive. Ende vergangenen Jahres dann bot Thermondo einen Komplettpreis mit Heizung, Wartung und Gaslieferung in einem.

Mit einem eigenen Heizungssystem zwinge Thermondo die Branche zu mehr Wettbewerb, bescheinigen gleich mehrere Branchenexperten. Er erhöhe den Druck auf die Hersteller, weil er mit 15 Jahren Garantie auf das gesamte Produkt, einem günstigen Preis und der besten Energieeffizienz in der Preisklasse wirbt.

Mit einem Mietkaufmodell ab 69 Euro erschließe er sogar neue Kundengruppen, erklärt einer, der nicht genannt werden möchte. Laut Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie sind mehr als 60 Prozent der Heizungen hierzulande veraltet. „Mit den Preismodellen löst Pausder den Modernisierungsstau etwas.“ Auch Pausder wirbt damit, durch seine modernen Heizungen zum Klimaschutz beizutragen.

Er warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen. „Was wir machen, ist in Summe komplex, sodass Dinge auch mal länger dauern“, sagt er. In diesem Jahr rechnet der Unternehmer mit einem Wachstum von 30 Prozent.

An Bord sind namhafte Investoren wie Eon, Holtzbrinck-Ventures, Rocket Internet und Vorwerk investiert. Sie geben insgesamt 50 Millionen Euro. Laut Bundesanzeiger ist der Umsatz 2017 weiter deutlich um rund 50 Prozent gestiegen, 2016 waren es rund 20 Millionen.

Mehr: Lesen Sie hier, welche Energie-Start-ups in Deutschland besonders vielversprechend sind.

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