Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

PPF Holding Der fast unsichtbare Milliardär: Petr Kellner steigt ins Biotech-Geschäft ein

Tschechiens reichster Mensch hat ein milliardenschweres Konglomerat erschaffen. Das nächste Ziel: mit revolutionären Medikamenten den Krebs besiegen.
Kommentieren
Der erfolgreiche Unternehmer scheut den öffentlichen Auftritt. Quelle: insight media / ddp
Peter Kellner

Der erfolgreiche Unternehmer scheut den öffentlichen Auftritt.

(Foto: insight media / ddp )

PragAn Selbstbewusstsein mangelt es Petr Kellner nicht. Seine gläserne Konzernzentrale im Prager Stadtteil Dejvice, abseits der touristischen Meile der tschechischen Hauptstadt, ist ein architektonisches Ausrufezeichen. Mannshohe Buchstaben „PPF Gate“ markieren das Revier des Multimilliardärs.

Doch die blitzblanke Fassade der in den Niederlanden registrierten Holding täuscht. Auf Transparenz und Öffentlichkeit legt Tschechiens reichster Mann keinen Wert. Nur seine Tochter Anna Kellnerova, Lebensgefährtin seines ebenfalls milliardenschweren Geschäftspartners, des Metro-Großaktionärs Daniel Kretinsky, macht mit ihren sportlichen Erfolgen als Reiterin bisweilen international Schlagzeilen.

Die Unsichtbarkeit des 54-jährigen Multimilliardärs aus Prag hat Methode. Dank exzellenter politischer Verbindungen zu Regierungen in osteuropäischen und ostasiatischen Staaten schuf er ein Konglomerat an Firmen aus diversen Bereichen: Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Energie und Immobilien. Sein Firmenreich wird auf einen Wert von 38 Milliarden Euro geschätzt. Auf der „Forbes“-Liste 2019 nimmt Petr Kellner unter den Milliardären weltweit Platz 78 ein. Sein Privatvermögen wir auf 15,8 Milliarden Dollar geschätzt.

Heute ist Kellners PPF von Tschechien über Serbien, Montenegro, Russland, Kasachstan bis nach Vietnam und China aktiv. „Wir beschäftigen 170.000 Mitarbeiter und zahlen Milliarden an Steuern in den Ländern, in denen wir operieren“, sagte der verschwiegene Unternehmer einmal stolz. In den vergangenen Jahren ist sein Konzern durch Zukäufe und organisches Geschäft nach seinen Aussagen jährlich um 41 Prozent gewachsen.

Kellner hat einen Riecher für zukunftsträchtige Geschäfte. Große Hoffnungen setzt er auch in die Biotech-Branche. So hat der Multiunternehmer in die Prager Pharmafirma Sotio investiert, die den Krebs bekämpfen will. Geht Kellners Plan auf, wird er mit der neuen Therapiemethode gegen Krebs weitere Milliarden verdienen. Und genau darum geht es dem reichsten Mann Tschechiens.

Sein Aufstieg zum erfolgreichen Unternehmer war keineswegs vorgezeichnet. Kellner wuchs in der nordböhmischen Stadt Reichenberg (Liberec) südlich von Görlitz auf. Das Studium an der Wirtschaftsuniversität Prag verschlug ihn in die Hauptstadt. Drei Jahre nach seiner Promotion fiel der Eiserne Vorhang. In Wildwestmanier privatisierte die demokratische Regierung die einstige Kommandowirtschaft. 1991 wurde Kellner zum Mitbegründer des „Ersten Privatisierungsfonds“, der První privatizacní fond – kurz PPF.

Das Fundament für seinen Aufstieg legte er mit der Privatisierung der tschechischen Versicherungsgesellschaft Ceska Pojistovna sowie dem Joint Venture mit der italienischen Generali. Vor fünf Jahren erwarb er von der spanischen Telefónica die Mehrheit an deren Mobilfunktochter O2 in Tschechien und der Slowakei. Vom norwegischen Telekomkonzern Telenor hat er im vergangenen Jahr für 2,8 Milliarden Euro das Geschäft in Bulgarien, Serbien, Ungarn und Montenegro übernommen. PPF hat 2018 auch Škoda Transportation übernommen, die Straßenbahnen, Elektrozüge, Lokomotiven, U-Bahn-Wagen und Elektrobusse herstellt.

Tochterunternehmen weltweit

Deutschland hat Kellner schon länger im Visier. Bislang besitzt er in der Bundesrepublik vor allem Gewerbeimmobilien in Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder Düsseldorf. Zusammen mit dem Energieunternehmer Kretinsky erwarb Kellner über die tschechische Energieholding EPH auch das ostdeutsche Braunkohlegeschäft des schwedischen Stromkonzerns Vattenfall in der Lausitz. Wie Insider berichten, ist das aber nur der Anfang seines Engagements im größten Markt der EU.

Kellner ist heute im Privatjet zu seinen Firmen in 22 Ländern auf drei Kontinenten unterwegs. Auch in China ist PPF über sein Tochterunternehmen Home Credit in der breiten Öffentlichkeit sehr bekannt. Home Credit hat als erstes ausländisches Geldinstitut überhaupt eine Konsumentenkreditlizenz in China erhalten.

Kellner scheint angstbefreit. Auch vor langfristigen Risiken hat er keine großen Bedenken. So investiert er in die Pharmafirma Sotio, ohne dass diese bislang nennenswerte Umsätze erzielt hat. Sotio erprobt neuartige Wege der Immuntherapie, um Prostata-, Lungen- und Eierstockkrebs besser behandeln zu können.

Alle zwei Wochen schaut Kellner bei Radek Spisek, CEO von Sotio, höchstpersönlich vorbei, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen. „Es war eine sehr bewusste Entscheidung von Petr Kellner, als er vor acht Jahren begann, Sotio aus der Taufe zu heben“, erzählt Vorstandschef Spisek. „Er hat den Ehrgeiz, in seinem Heimatland das erste internationale Biotech-Unternehmen aufzubauen.“

Dabei ist Kellner ein Kontrollfreak. Doch das funktioniert in der Biotech-Branche nicht. „Mittlerweile hat Kellner verstanden, dass in der Biotech-Branche Minderheitenbeteiligungen an anderen Unternehmen großen Sinn ergeben. Das war eine neue Erfahrung innerhalb von PPF, die sonst stets Mehrheitsbeteiligungen anstrebt“, berichtet der 43-jährige Spisek, einst jüngster Professor in Tschechien.

Der osteuropäische Warren Buffett

Die Investments in Sotio belaufen sich nach Angaben des Vorstands auf „mehrere Milliarden Kronen“ – ein dreistelliger Millionen-Euro-Betrag. Die Biotech-Firma hat sich ihre neuartige Therapie patentieren lassen. Dabei handelt es sich um eine spezielle Methode zu Manipulation von Krebszellen. Die Produkte werden aus den Zellen des Immunsystems des Patienten individuell hergestellt. Wann und ob die Prager Firma überhaupt jemals Gewinne erwirtschaftet, steht noch in den Sternen.

Der umtriebige Unternehmer Kellner hängt seine Aktivitäten nicht an die große Glocke. Seine letzte Pressekonferenz liegt schon sieben Jahre zurück. Zusammen mit seiner Frau Renata unterstützt der Unternehmer über seine Kellner Familienstiftung Bildungseinrichtungen sowie Kulturprojekte wie das Shakespeare-Sommerfest. Der Liebhaber der Fotografie des 20. Jahrhundert hat seine Konzernzentrale mit Arbeiten des berühmten tschechischen Fotografen Josef Sudek ausgestattet. Erholung findet der Tscheche beim Snowboardfahren oder bei Konzerten von Sting oder Lenny Kravitz.

„80 Prozent der Leute glauben, dass Petr Kellner gar nicht existiert“, sagt ein Mitarbeiter ironisch. Der vollbärtige Kellner spaziert in legeren Klamotten quasi unerkannt von seiner Prager Villa zu seiner Holding. Anzug und Krawatte ist für Kellner ohnehin nur eine Geschäftsuniform, wenn es anders nicht geht.

„Er könnte der Warren Buffett Osteuropas werden. Er setzt Trends in Sachen Investments, die lebensnah sind“, sagt ein Bewunderer des Multimilliardärs. Mit der Schaffung eines profitstarken Biotech-Unternehmens würde er diesem ehrgeizigen Lebensziel ein großes Stück näherkommen.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: PPF Holding - Der fast unsichtbare Milliardär: Petr Kellner steigt ins Biotech-Geschäft ein

0 Kommentare zu "PPF Holding: Der fast unsichtbare Milliardär: Petr Kellner steigt ins Biotech-Geschäft ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.