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Proptech Wie das Start-up Casavi die Immobilienwirtschaft digitalisiert

Die Coronakrise wirkt in vielen Branchen als Turbo für die Digitalisierung. Auch bei Immobilien boomt das Geschäft der Plattformbetreiber.
19.10.2020 Update: 19.10.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Das Münchener Start-up hat eine Plattform für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft entwickelt. Mit einer App können Mieter ihren Wohnungsverwaltern zum Beispiel Mängel melden und untereinander kommunizieren. Quelle: Casavi
Casavi-Mitgründer Oliver Stamm

Das Münchener Start-up hat eine Plattform für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft entwickelt. Mit einer App können Mieter ihren Wohnungsverwaltern zum Beispiel Mängel melden und untereinander kommunizieren.

(Foto: Casavi)

München Die Immobilienwirtschaft gilt als eher konservativ. Während andere Branchen schon stark digitalisiert waren, arbeiteten viele Verwalter lange noch vor allem mit Aktenordner und Telefon. Doch in der Coronazeit hat sich das vielerorts geändert. „Im März sind die Nutzungszahlen bei uns explodiert“, sagt Oliver Stamm, Mitgründer des Münchener Start-ups Casavi. Die Pandemie könnte als Turbo für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft wirken.

Casavi hat eine Softwareplattform für die Branche entwickelt. Hausverwaltungen und Wohnungsunternehmen können damit schon in der Neubauphase und dann später im Betrieb mit den Mietern oder Käufern sowie Dienstleistern wie Handwerkern kommunizieren, Termine organisieren, Dokumente in einer App bereitstellen und zum Beispiel Abrechnungen automatisch verschicken. Zu den Kunden gehören inzwischen 620 Immobilienverwalter und Wohnungsgesellschaften, die 1,6 Millionen Einheiten verwalten.

Corona hat die Spielregeln auch in der Immobilienbranche verändert. Vor der Pandemie ermöglichten laut einer Studie des Branchenverbands VDIV nur 16 Prozent der Verwalter all ihren Mitarbeitern Homeoffice. Unter Corona verzeichneten dann knapp 20 Prozent Personalausfälle durch Krankheiten, 27 Prozent durch Kinderbetreuung.

Im Lockdown schufen dann als Konsequenz 60 Prozent der Unternehmen, in denen es bislang keine oder nur einzelne Arbeitsplätze im Homeoffice gab, diese Möglichkeit. Damit wuchs auch der Bedarf an digitaler Vernetzung.

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    Das war die große Chance von Casavi und anderen Anbietern. Denn in der Immobilienbranche gab es Bedarf nach einer Verbesserung der Prozesse. „Wir schaffen echten Mehrwert, da ist Zahlungsbereitschaft vorhanden“, sagt Stamm.

    Die Umsätze konnten seit der Gründung vor fünf Jahren regelmäßig verdoppelt werden, inzwischen dürften sie laut Branchenschätzungen einen mittleren einstelligen Millionenbetrag erreicht haben. Da Casavi ein „Software as a Service“-Geschäftsmodell betreibt, die Software also vermietet, sind die Einnahmen anfangs geringer, dafür aber stetig.

    Casavi sei „ein typisches Beispiel für ein Start-up, bei dem man beim ersten Ansehen überrascht ist, dass das Thema noch niemand angepackt hat“, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer beim bayerischen Investorennetzwerk BayStartup. Der Bedarf liege auf der Hand, das Digitalisierungspotenzial in der Immobilienbranche sei offensichtlich.

    Handwerker sind eingebunden

    Noch nutzen viele Immobilienverwalter eher altbackene Softwaretools oder gar den analogen Aushang am Schwarzen Brett. Doch in den vergangenen Jahren hat sich eine kleine sogenannte Proptech-Szene etabliert, vergleichbar mit den Fintechs in der Finanzwirtschaft.

    Zu den Unternehmen gehören zum Beispiel Firmen wie Everreal, Realxdata, Allthings und Maklaro. Zudem versuchen die Anbieter von ERP-Software, entsprechende Services zu integrieren.

    Als Stamm im Jahr 2015 gemeinsam mit David Langer und Peter Schindlmeier das Unternehmen gründete, gehörten sie zu den Pionieren in der Branche. Kennengelernt hat sich das Trio an der Uni und bei einem Australien-Aufenthalt. Zuerst habe man die Idee einer Plattform für haushaltsnahe Dienstleistungen gehabt, berichtet Stamm. Doch als Rocket Internet ein ähnliches Projekt anging, habe man sich eine andere Nische gesucht.

    Mit der Casavi-App können Mieter etwa einen Mangel wie ein undichtes Fenster melden. Handwerker sind in das System eingebunden, der Mieter wird digital informiert, wenn sein Termin steht oder das Problem behoben ist. Bei Bedarf kann die Software über offene Schnittstellen zum Beispiel an SAP oder externe Mängelmanagement-Lösungen angebunden werden. Diese Anwendungen nutzt unter anderem die Bayerische Hausbau mit ihren rund 140 Objekten.

    Mehr zum Thema lesen Sie exklusiv in Handelsblatt Inside Real Estate, dem Fachbriefing über die Zukunft der Immobilienwirtschaft. Melden Sie sich hier an.

    Oft wird das Tool schon vor Bezug genutzt. „Der Bedarf nach effizienter und transparenter Kommunikation entsteht nicht erst, wenn Mieter oder selbst nutzende Eigentümer eine Immobilie beziehen, sondern viel früher“, sagte Ringo Haritz, Geschäftsführer der Bayernhaus Wohn- und Gewerbebau. In der App kann auch eine Community aufgebaut werden, in der sich Mieter einer Anlage austauschen. Gerade bei größeren Neubauprojekten funktioniere das gut, sagt Stamm.

    Auf Dauer setzen sich Geschäftsmodelle wie das von Casavi aber nur durch, wenn die digitalen Werkzeuge von professionellen Anbietern intensiv genutzt und damit unersetzlich werden. Und hier half Corona vielen Anbietern.

    Der Lockdown habe dazu geführt, dass fast alle persönlichen Interaktionen virtuell stattfinden mussten, sagt Todd Olson, CEO und Gründer des Plattformberaters Pendo. „Für Unternehmen wirkte dieser Umstand wie ein Katalysator, um in ihre digitalen Plattformen zu investieren.“ Die Kundendaten zeigten, dass es im vergangenen halben Jahr in den meisten Sektoren in Deutschland zu einem exponentiellen Wachstum bei der Nutzung digitaler Produkte gekommen sei.

    Die US-Firma hilft Betreibern wie Casavi unter anderem, ihre Nutzerdaten auszuwerten und die Produkte so zu verbessern, dass Kundenzufriedenheit und Zugriffszahlen steigen. Zudem nutzt Casavi Pendo-Technologie auch, um neue Nutzer in der Navigation der Plattform zu schulen.

    Kundenzufriedenheit steigt

    Laut einer Studie, die Pendo in Auftrag gab, glauben knapp zwei Drittel der in Deutschland befragten IT-Firmen, dass sich Corona positiv auf die Produktdigitalisierung ausgewirkt hat. Knapp die Hälfte registrierte positive Effekte auf die Kundenzufriedenheit. Die häufigere Nutzung von digitalen Plattformen während Corona könnte nach der Pandemie zu einem Wachstumstreiber werden.

    Bei Casavi hat das funktioniert. Die Plattform verzeichnete im Lockdown viele Neukundenanfragen und Bestellungen von zusätzlichen Lizenzen für das Homeoffice. Bestandskunden habe man zudem zunächst kostenlose Zusatzmodule angeboten, die später kostenpflichtig werden, berichtet Stamm. Der Mitgründer hatte in Ulm Medieninformatik studiert und später drei Jahre bei der Beratung EY gearbeitet.

    Die Zugriffe auf das Casavi-System stiegen im Frühjahr um mehr als die Hälfte. Auch als die Mitarbeiter der Immobilienverwaltungen wieder in ihre Büros zurückkehrten, nutzten sie die digitalen Helfer weiter.

    Casavi will nun die Produktpalette erweitern und auch regional behutsam weiter expandieren. Die Finanzierung reiche dafür erst einmal, sagt Stamm. 2018 hatte das Unternehmen zuletzt in der zweiten Finanzierungsrunde einen siebenstelligen Betrag eingesammelt. Neben den Frühphaseninvestoren – High-Tech Gründerfonds und Bayern Capital – beteiligten sich zwei Family Offices. Bereits seit 2018 ist auch Wenvest Capital investiert.

    Das Unternehmen mit derzeit 55 Mitarbeitern muss nun die Strukturen weiter professionalisieren. Denn der Markt gibt noch viel her. „Das Wachstumspotenzial ist riesig“, ist Mitgründer Stamm überzeugt. Allein in Deutschland machen die Wohnimmobilien-Verwalter mit mehr als 110.000 Beschäftigten laut Statistischem Bundesamt mehr als elf Milliarden Euro Umsatz.

    Und es sei nur schwer vorstellbar, dass die Immobilienverwalter nach Corona ihre Schreiben wieder per Hand verschicken und für die Kommunikation mit den Mietern zum Schwarzen Brett zurückkehren.

    Mehr: Private Immobilieninvestoren bekommen Konkurrenz

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