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Rainer Kirchdörfer im Interview „Altmaier ist nicht durchgefallen bei den Familienunternehmern“

Der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen erklärt, warum er auf Dialog mit dem Wirtschaftsminister setzt – und warum er keine Angst vor den Grünen hat.
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„Früher waren selbst die größten Familienunternehmen kleiner und damit leichter ausschließlich in der Familie führbar.“ Quelle: Stiftung Familienunternehmen / Marco Urban
Rainer Kirchdörfer

„Früher waren selbst die größten Familienunternehmen kleiner und damit leichter ausschließlich in der Familie führbar.“

(Foto: Stiftung Familienunternehmen / Marco Urban)

Düsseldorf Die Stiftung Familienunternehmen lädt am Freitag bereits zum zwölften Mal rund 400 Familienunternehmer ins Adlon nach Berlin. Vorstand Rainer Kirchdörfer erklärt im Interview, warum die CDU-Politiker Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier ihre Chancen bekommen müssen, warum die Grünen nicht eingeladen sind und was er von US-Botschafter Richard Grenell erwartet.

Herr Kirchdörfer, am Freitag werden rund 400 Familienunternehmer bei Ihnen zu Gast sein. Wie ist die Stimmung zurzeit unter den Familienunternehmern?
Die Stimmung ist nicht betrüblich, aber zumindest eingetrübt. Die Handelspolitik der USA macht uns Sorgen, der zunehmende Protektionismus, die Situation der EU und die diffuse geopolitische Lage. In den Unternehmen lassen die Auftragseingänge teilweise nach, dies gilt nicht nur für die Autoindustrie.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist bereits zum zweiten Mal bei Ihnen. Hat Sie Ihrer Meinung nach den Rückhalt der Familienunternehmer?
Als sie letztes Jahr da war, als Generalsekretärin der CDU, war sie im Auf-wind und hat überzeugt. Im Augenblick spürt sie in der Öffentlichkeit Gegenwind. Wir müssen ihr aber eine Chance geben und sollten das politische Spitzenpersonal nicht schon demontieren, bevor es die Möglichkeit hatte, sich zu beweisen.

Für Sie war Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stets ein gesetzter Gast, das Verhältnis zu ihm aus Sicht der Familienunternehmer aber ist getrübt bis enttäuscht, was erwarten Sie von ihm?
Das Verhältnis hängt stark mit dem ersten Entwurf der industriepolitischen Agenda der Bundesregierung zusammen. Es stößt bei Familienunternehmen auf Unverständnis, wenn mit staatlichem Geld Größtkonzerne geschaffen werden sollen. Schließlich ist Deutschland durch seine Hidden Champions groß geworden. Dennoch meine ich nicht, dass der Bundeswirtschaftsminister bei den Unternehmern durchgefallen ist. Es wäre im Übrigen auch keine Alternative, nicht mit ihm zu sprechen. Im Gegenteil: Der Redebedarf ist hoch und wir sind überzeugt, dass man Industriepolitik am besten im Dialog macht.

Meinen Sie, dass er vielleicht die Ministererlaubnis im Gepäck hat für das Gemeinschaftsunternehmen der beiden Gleitlagerhersteller Miba und Zollern?
Es würde mich wundern, würde er das auf einer öffentlichen Veranstaltung bekannt geben.

Er kommt zu Ihnen um mit FDP-Chef Christian Lindner zu diskutieren, darf er nicht allein reden?
Herr Altmaier wird ebenso wie Herr Lindner zunächst ein Statement abgeben. Aber wir halten es für zielführender, wenn wir anstatt eines langen Vortrages in einer moderierten Diskussion intensiv nachfragen können. Wir können so deutlicher machen, dass wir von der Bundesregierung eine Antwort auf die sich in Deutschland verschlechternden Rahmenbedingungen für Familienunternehmen erwarten. Nehmen Sie beispielsweise die inter-nationale Unternehmenssteuersituation.

Aber dafür ist Herr Altmaier doch gar nicht zuständig…
Er ist als Wirtschaftsminister natürlich auch hier als Mitglied der Bundesregierung wesentlicher Ansprechpartner. Dies gilt auch zu den Themen Strompreise, digitaler Netzausbau und Bürokratieabbau.

Und die SPD und die Grünen haben Sie gar nicht erst eingeladen, warum nicht?
Das hat keinen besonderen Hintergrund. Wir suchen unsere Gesprächspartner nicht nach Parteizugehörigkeit, sondern nach Themen für Familienunternehmen aus. Als wir die Tagung planten, standen Industriepolitik und Europathemen ganz oben auf der Agenda. In einigen Fällen kamen wir auch terminlich nicht zusammen. Wie sie wissen, hatten wir in der Vergangenheit Politiker der Grünen und der SPD ebenso zu Gast wie Vertreter von CDU und FDP.

Aber die Grünen sind in den Umfragen sogar zeitweise vor der Union gelandet. Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die Politik und damit auch die Wirtschaftspolitik grüner wird, sind Sie auf diesem Auge blind?
Das glaube ich keinesfalls. Wir haben viele Unternehmer, die sich mit Umwelttechnologie und nachhaltigen Produkten befassen. Viele Grünen-Wähler dürften Familienunternehmen auch als Korrektiv zu ungezügelten Kapitalmarktunternehmen schätzen. Auch das Thema Förderung des ländlichen Raums ist eines das Familienunternehmer und Grüne eint. Aber natürlich decken sich nicht alle Ansichten der Grünen mit denen der Familienunternehmen.

Sie als Jurist haben auch viel Kontakt zu den Gesellschaftern. Die jüngeren orientieren sich häufig auch an einer nachhaltigeren Wirtschaft als ihre Vorgänger-Generationen. Auch von dieser Seite wird die Sicht in Unternehmen grüner…
Immer mehr Familienunternehmen geben sich eine Familiencharta, was eine Art Grundgesetz für die Unternehmerfamilie ist. Darin taucht das Thema Nachhaltigkeit immer häufiger auf. Und natürlich treibt die jüngere Generation ganz besonders die Sorge um unsere künftigen Lebensgrundlagen um.

Es scheint einen Trend zu geben, dass immer weniger Nachfolger in die operative Führung der Familienunternehmen gehen. Lässt sich das noch aufhalten?
Dieser Trend nimmt natürlich mit der Größe der Unternehmen zu. Früher waren selbst die größten Familienunternehmen kleiner und damit leichter ausschließlich in der Familie führbar. Daher glaube ich, dass der Trend zum gemischten Management aus Familienmitgliedern und Fremden nicht aufzuhalten ist.

Aber die Zahl der Gesellschafter und damit das Potenzial steigt doch?
Dass es mehr Gesellschafter gibt, bedeutet nicht automatisch, dass es mehr begabte Unternehmer im Familienkries gibt, die ein Milliardenunternehmen führen wollen oder können. Selbst bei 20 jungen Gesellschaftern im besten Alter ist es ein großes Glück, wenn sich darunter eine Person mit dem Potenzial befindet, ein großes Familienunternehmen als Unternehmerin oder Unternehmer zu führen. Aber die Bereitschaft hierzu ist bei vielen gegeben. In einer von uns in Auftrag gegebenen Studie gaben 67 Prozent der Befragten aus dem Kreis von Deutschlands nächster Unternehmergeneration an, dass sie es als wahrscheinlich ansehen, bis zu ihrem 40. Geburtstag in die Rolle des Geschäftsführers zu schlüpfen.

Anfang der Woche kam die Meldung, dass einige US-Milliardäre in einem offenen Brief die US-Präsidentschaftskandidaten auffordern, Milliardäre stärker zu besteuern, um Ungleichheit und Klimawandel zu bekämpfen. Unter den Unterzeichnern für eine Vermögenssteuer sind George Soros, Facebook-Co-Gründer Chris Hughes und die Disney-Erbin Abigail Disney. Herr Kirchdörfer, wäre so etwas auch von deutschen Familienunternehmern denkbar?
Solche oder ähnliche Vorschläge gab es auch von deutschen Unternehmern in ähnlicher Form immer wieder. Meistens sind es eine Handvoll Initiatoren, die zudem hohe liquide Mittel haben. Inwieweit Initiativen wie die amerikanische öffentlichkeitswirksame PR-Coups sind oder Wahlkampfhilfen darstellen, werden wir wohl nie erfahren, aber viel spricht dafür. In Deutschland sind große Vermögen häufig produktiv in Familienunternehmen gebunden. Eine zusätzliche Besteuerung der betrieblichen Substanz würde meines Erachtens geradezu kontraproduktiv wirken, weil man den Unternehmen investives Kapital nimmt.

Donald Trump will ja wieder kandidieren. Sie haben auch den US-Botschafter Grenell eingeladen, was haben die Familienunternehmer davon?
Wir erhoffen uns, dass Botschafter Grenell Klartext spricht und wollen aus erster Hand erfahren, was die US-Administration als nächstes plant.

Davon können Sie ausgehen, aber was erwarten Sie inhaltlich?
Wir würden gern hören, was er zum Irankonflikt, zu Nordkorea und zum Verhältnis zu Russland zu sagen hat. Für uns besonders wichtig wäre, etwas zum Thema China zu hören. Und wir würden gerne wissen, wie der Stand zu den angedrohten Autozöllen ist. Das alles sind drängende Fragen.

Herr Kirchdörfer, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Heinrich Deichmann spricht im Interview über soziale Verantwortung als Unternehmer, die Ängste der Menschen vor der Digitalisierung und Wachstumsgrenzen.

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