Rainer Schaller: McFit-Gründer war an Bord des Unglücksjets – Wer ist der Mann hinter dem Fitness-Imperium?
Der Fitnessunternehmer war an Bord des abgestürzten Flugzeugs.
Foto: Holger Talinski/McFIT GLOBAL GROUP GmbHDüsseldorf. Der Fitness-Unternehmer Rainer Schaller war an Bord des abgestürzten Privatflugzeugs in Südamerika. Das bestätigte eine Sprecherin der McFit-Holding RSG-Group am Montag dem Handelsblatt. Am Freitagabend war ein Business-Jet auf dem Weg von Mexiko nach Costa Rica ins Meer gestürzt. Die Unglücksursache ist noch unklar.
Mit an Bord waren die Lebensgefährtin des 53-jährigen Unternehmers sowie deren Kinder aus einer früheren Beziehung. Zudem waren zwei weitere Personen in dem Flugzeug, heißt es von der RSG-Group.
Die Küstenwache fand rund 28 Kilometer vom Flughafen Limón entfernt zunächst Teile des Rumpfes, Sitze und mehrere Gepäckstücke. Später entdeckten Einsatzkräfte zwei Tote. In einem vom Sicherheitsministerium zur Verfügung gestellten Video waren außerdem mehrere Rucksäcke und Reisetaschen zu sehen. Damit muss befürchtet werden, dass der Familienunternehmer bei dem Absturz ums Leben gekommen ist.
Das Privatflugzeug verfügte weder über einen Flugschreiber noch über ein Gerät zur Aufzeichnung der Kommunikation. Das habe die Betreiberfirma der Maschine mitgeteilt, berichtete der costa-ricanische Fernsehsender Teletica am Montag unter Berufung auf den Leiter der zivilen Luftfahrtbehörde, Fernando Naranjo. Wegen der geringen Größe des Flugzeugs sei dies auch nicht vorgeschrieben gewesen. Es sei nun wichtig, den Rumpf der Maschine zu finden, um die Untersuchungen zur Absturzursache voranzutreiben, sagte Naranjo.
Den Tod Schallers will die RSG-Group nicht bestätigen. „Da die Situation aktuell vor Ort noch untersucht wird, können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter dazu äußern“, so die Sprecherin.
Nachdem die Suche wegen schlechter Witterungsverhältnisse am Sonntag abgebrochen werden musste, wurde sie am Montag wieder aufgenommen.
Das Flugzeug ist aus noch unbekannten Gründen abgestürzt.
Foto: FlightRadar24Schallers Wirken war von unternehmerischem Aufstieg geprägt. Den in Bamberg geborenen Gründer hat die Kette McFit zum bekanntesten Fitnessunternehmer Deutschlands gemacht. Er hat das Prinzip der Fitnessketten etabliert, und das zum Discount-Preis. Sein Vermögen wird auf 250 Millionen Euro geschätzt.
Zu Schallers RSG-Group, was für Rainer Schaller Global steht, gehören 21 Marken, darunter die Luxusangebote John Reed, Gold’s Gym oder Holmes Place. Vom bayerischen Schlüsselfeld aus hat der Familienunternehmer 1000 Studios in 48 Ländern aufgebaut. Die Gruppe beschäftigt 41.000 Mitarbeiter, 6,4 Millionen Menschen trainieren dort oder nutzen die digitalen Angebote. Hierzulande ist die RSG-Group mit einem Marktanteil von rund elf Prozent führend.
Schallers Karriere hat mit einer klassischen Ausbildung begonnen. Er geht, samt einer Ehrenrunde wegen Latein, nach der zehnten Klasse vom Gymnasium ab, lernt Einzelhandelskaufmann. Mit 27 Jahren ist er Chef von vier Edeka-Märkten, Schaller arbeitet nach eigener Aussage 100 Stunden pro Woche.
Erstes McFit-Studio 1997 in Würzburg
Anfang der 1990er-Jahre fängt Schaller mit Fitness an, sein Vorbild ist Arnold Schwarzenegger. Was er bei seinen Trainings vorfindet, sind „viele aus der Rotlicht-Szene oder ehemalige Bodybuilder“, wie er im Sommer 2019 im Interview mit dem Handelsblatt erzählt. Fitnessketten gibt es damals kaum. Um dieses Geschäftsmodell zu testen, stellt er auf den Dachboden seiner Eltern gebrauchte Fitnessgeräte. Seine Freunde können dort für 15 Mark pro Monat trainieren.
Mit seiner Fitnesskette McFit wurde Schaller zum mehrfachen Millionär.
Foto: imago images/Christian Kielmann1997 baut er eine alte Möbelhalle in Würzburg um, eröffnet dort das erste McFit-Studio. Seine Eltern seien darüber schockiert gewesen. „Es war, als hätte ich ein Solarium aufmachen wollen. Das war überhaupt nicht anerkannt“, sagt er damals im Handelsblatt-Interview. Schaller macht anfangs alles: trainieren, putzen, managen.
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Aus Schallers Dachboden-Idee hat sich ein erträgliches Geschäftsmodell entwickelt: 2019 macht der Konzern laut Bundesanzeiger fast 360 Millionen Euro Umsatz, es bleibt ein Überschuss von mehr als 26 Millionen Euro. Im ersten Coronajahr 2020 sinken die Erlöse auf 280 Millionen Euro, weil Schallers Studios in Folge der Lockdowns dichtmachen müssen. Unter dem Strich steht ein Minus von 31 Millionen Euro. Trotz Pandemie übernimmt Schaller im selben Jahr die bekannte Bodybuilderkette Gold’s Gym für 100 Millionen Dollar.
Organisator der Loveparade-Katastrophe in Duisburg
Der Name des Multimillionärs ist in der Öffentlichkeit eng mit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg verknüpft. Bei dem Techno-Event sterben 2010 nach einer Massenpanik 21 Menschen, Hunderte werden verletzt. Schaller hatte die Veranstaltung mit seiner Firma Lopavent organisiert, McFit war Hauptsponsor. Schaller wird nicht angeklagt, sagt vor Gericht als Zeuge aus. Dort gibt er zu Protokoll, dass er sich bei der Planung auf seine Mitarbeiter verlassen habe.
Als Veranstalter der Loveparade 2010 steht Schaller in der Kritik, weil 21 Menschen bei dem Event ums Leben kamen.
Foto: imago/Hermann J. KnippertzNach 184 Verhandlungstagen endet das aufwendige Verfahren im Mai 2020 ohne Urteil. Schaller sagt im Anschluss, er trage die „moralische Verantwortung“ für die Tragödie. Als Katholik habe er gelernt: Alles Negative habe auch etwas Positives. „Nur hab ich hier noch nichts Positives erkennen können“, sagte er damals dem Handelsblatt.
Es gebe einen Rainer Schaller vor der Katastrophe und einen danach. Er sei nachdenklicher geworden, habe bei verschiedenen Religionen Antworten gesucht. „Aber ich habe bis heute noch keine Antwort gefunden.“ Wegen der Loveparade wurde die Nachricht vom abgestürzten Kleinflugzeug des Unternehmers teilweise mit Häme kommentiert. Es gibt aber auch Anteilnahme.
Flugdaten zeigen, dass die Route von Schallers Maschine vom Typ Piaggio P.180 Avanti vor der Küste Costa Ricas abrupt endet. Der Pilot soll aber zu keinem Zeitpunkt von Schwierigkeiten berichtet haben.
Nachfolge von Schaller ist ungeklärt
„Wir sind schockiert, fassungslos und voller Trauer über das tragische Unglück“, sagte die Sprecherin der RSG-Group. Derzeit ist noch unklar, wer die Geschäfte der Fitnessketten weiterführt und das unternehmerische Erbe des Gründers antreten soll. Zuletzt hatte sich Schaller aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und sich mit strategischen Fragen beschäftigt.
Schaller hatte in seinem Penthouse im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ein McFit mit Originalgeräten nachgebaut. Drei- bis viermal pro Woche trainierte der Mann, der die Massen zum Schwitzen brachte, dort bis zuletzt.