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Ralf Wintergerst Banknoten-Spezialist G&D hat so viele Aufträge wie noch nie

Der Umbau des Unternehmens zahlt sich aus: Ralf Wintergerst, Chef von Giesecke & Devrient, hat Orders von 1,7 Milliarden Euro in den Büchern.
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Sein Unternehmen organisiert unter anderem die Grenzsicherung für Bangladesch. Quelle: BILD München
Ralf Wintergerst

Sein Unternehmen organisiert unter anderem die Grenzsicherung für Bangladesch.

(Foto: BILD München)

MünchenVerena von Mitschke-Collande, 69, meidet die große Bühne. Selten tritt die Eigentümerin von Giesecke & Devrient (G&D) in der Öffentlichkeit auf. Ihre Mitarbeiter liegen der Unternehmerin allerdings am Herzen. Daher begrüßte sie am Donnerstagnachmittag ihre Belegschaft persönlich beim Townhall-Meeting in der Zentrale in München.

Der Auftritt war eher symbolisch, mehr als ein paar einleitende Worte sprach Mitschke-Collande nicht. Seit jeher überträgt sie das Geschäft angestellten Managern. Fürs vergangene Jahr lässt sich sagen: Es hat sich ausgezahlt, Ralf Wintergerst freie Hand zu lassen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung hatte gute Nachrichten für die mehr als 11.000 Beschäftigten. Und für die Besitzerin.

„Wir haben den höchsten Auftragsbestand der Unternehmensgeschichte“, erläuterte Wintergerst. Das will etwas heißen, G&D wurde 1852 gegründet. Orders für 1,7 Milliarden Euro hat der 56-Jährige in den Büchern, 50 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Das liegt vor allem an Großaufträgen, die den Wandel der Firma illustrieren. Denn G&D bietet längst nicht mehr nur Geldscheine oder Kreditkarten an, sondern immer häufiger Dienstleistungen oder Software.

In Ägypten etwa baut G&D für 260 Millionen Euro eine komplette Hochsicherheitsfabrik für Banknoten. Früher hat die Firma das Papier geliefert oder die fertigen Scheine, heute übernehmen Wintergersts Leute das Management der Banknotenbestände. „Ein Leuchtturmprojekt“, meint der Betriebswirt. In Bangladesch wiederum liefert G&D elektronische Reisepässe für die ganze Nation und gleichzeitig ein Grenzkontrollsystem.

Wintergerst, ein schlanker, groß gewachsener Mann mit grauem, fast weißem Haar, holte einst vier Mal die Deutsche Meisterschaft in Karate und wurde 1990 Europameister. So wie er sich bei jedem Kampf neu auf den Gegner einstellen musste, so wendig ist der Manager heute im Chefbüro. Von seinen Leuten fordert er eine grundsätzliche Neugier: „Jeder sollte sich fragen, ob man bereit ist, das eigene Produkt zu kannibalisieren.“

So wie bei den sogenannten SIM-Karten, wie sie in Handys eingebaut werden. G&D verdient Millionen damit. Trotzdem forciert Wintergerst die sogenannte E-SIM, eine virtuelle Karte. Die werde die üblichen SIM-Karten eines Tages ersetzen, ist der Manager überzeugt und investiert kräftig in die neue Lösung. Das zahlt sich momentan noch nicht aus. Doch bei G&D denken sie langfristig.

Eigentümerin Mitschke-Collande hat bereits ihre vier Kinder an der Firma beteiligt. Für 2018 hat sich die Familie zehn Millionen Euro Dividende genehmigt, das entspricht einem Fünftel vom Gewinn und liegt damit deutlich unter den Quoten, die viele Konzerne im Dax ausschütten. Der Umsatz ist 2018 um fünf Prozent auf 2,25 Milliarden Euro geklettert.

Wintergerst gilt im eigenen Haus als zielstrebig, aber umgänglich. Das beweist er auch an anderer Stelle: Er hat nicht vergessen, wie es war, als noch kein Geschäftsführergehalt am Monatsende auf seinem Konto einging. Daher engagiert sich der ehemalige Spitzensportler inzwischen im Kuratorium der Deutschen Sporthilfe. Das sei eine wichtige Einrichtung, schließlich habe er in jungen Jahren selbst von der Sporthilfe gelebt.

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