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Recommerce-Händler Norweger stocken bei Momox auf – Gründer verkauft seine Anteile

Christian Wegner, Gründer des Gebrauchtwarenhändlers Momox, steigt unerwartet komplett aus. Die neuen Eigentümer aus Norwegen wollen das Wachstum mit Mode forcieren.
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Der Momox-Gründer steigt komplett aus dem Unternehmen aus. Quelle: Andreas Pein/laif
Christian Wegner

Der Momox-Gründer steigt komplett aus dem Unternehmen aus.

(Foto: Andreas Pein/laif)

Berlin Momox-Gründer Christian Wegner verkauft seine Anteile an dem Berliner Recommerce-Händler komplett und verlässt zum Jahresende das Board. Die Nachricht kommt überraschend für das Unternehmen, das gebrauchte Bücher, CDs und Kleidung im Netz handelt: Schließlich hat Wegner erst seit einem Jahr den Posten im Aufsichtsgremium inne.

Zuvor hatte er sich im vergangenen Herbst aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und bereits einen Teil seiner Anteile an den Investor Verdane Capital verkauft. Bis zuletzt hieß es, Wegner wolle aus dem Board heraus sein Unternehmen weiter begleiten. Jetzt jedoch geht das restliche Drittel des Gründers ebenfalls an die Norweger, die zum Jahresbeginn einen 580 Millionen schweren Fonds geschlossen haben.

Heiner Kroke, seit 2013 Geschäftsführer des Berliner Online-Händlers, sucht beschwichtigende Worte: „Momox hat sich vom Gründer-geführten Unternehmen weiterentwickelt. Wir wachsen heute mit einem professionellen Management“, sagte er dem Handelsblatt.

Seine Botschaft: Momox hält an der Strategie fest, beschleunigt aber den Vorstoß in neue Geschäftsbereiche. Mit der Mehrheitsübernahme durch Verdane sei kein Strategiewechsel verbunden. Doch auch sonst war bei Momox zuletzt viel los: Schon in den vergangenen Monaten kamen zwei neue Geschäftsführer für die Logistik und das Mode-Geschäft dazu.

2005 gegründet gehören die Berliner zu den Pionieren im sogenannten Recommerce – dem Handel mit Gebrauchtwaren. Bedeutendster Konkurrent ist das vier Jahre später gegründete etwas kleinere Rebuy. Beide kaufen und verkaufen gebrauchte Bücher, CDs und DVDs. Rebuy macht zudem einen großen Teil seines Umsatzes mit Elektronik, während Momox seit 2014 als zweiten Bereich günstige Second-Hand-Kleidung ankauft.

Beide positionieren sich als Alternative zum Verkauf über eBay: Der Verkauf für Privatkunden wird deutlich einfacher, dafür ist der Erlös in der Regel geringer. Den Verkauf übernehmen die Anbieter selbst über eigene Webshops und Marktplätze wie Amazon. 2018 kam Momox damit auf 196 Millionen Euro Umsatz, davon zehn Prozent aus dem Mode-Segment.

Investor Verdane deutete allerdings an, schnelleres Wachstum fordern zu wollen: Momox habe gute Voraussetzungen, „sich in einen substantiell größeren europäischen Marktführer mit einem breiteren Produktportfolio und größerer geografischer Präsenz zu entwickeln“, teilte Verdane-Partner Staffan Mörndal mit.

Erste Schritte dazu sind getan. Das junge Geschäft mit Kleidung soll seit dem Sommer die ehemalige Zalando-Managerin Lenia Karallus als „Chief Fashion Officer“ vorantreiben. Zudem hat Kroke einen COO von der Bertelsmann-Tochter Arvato geholt: Peter Buse soll die Logistik ausbauen – kein einfaches Feld für Momox.

Denn während die Bewertung potenzieller Ankäufe dank Mediendatenbanken und Festpreisen für Modemarken weitgehend automatisiert ist, gilt das für die Logistik nicht. Besonders im Bereich Mode ist viel Handarbeit erforderlich – von der Prüfung der Ware bis zum Abfotografieren für den Online-Shop. Das macht das Geschäft personalintensiv: 1700 Mitarbeiter arbeiteten für Momox, davon etliche knapp jenseits der polnischen Grenze bei Stettin.

Wachstum im Ausland geplant

Zweites Wachstumsfeld neben der Mode ist für Kroke Frankreich. In dem Land sei Recommerce noch ziemlich unbekannt, ist seine These. Momox soll das ändern. Bislang kommt allerdings erst rund ein Viertel der Umsätze aus dem Ausland – neben Frankreich Österreich und Großbritannien sowie Verkauf in den USA und Kanada – , das 2018 zudem nicht zum Wachstum beigetragen hat.

Weitere Länder sollen zunächst nicht dazu kommen: „Wir sind kein Unternehmen, das jedem Hype hinterherläuft“, sagt Kroke. So sei auch der Ausstieg von Gründer Wegener kein Einschnitt. „Er war für einen Gründer tatsächlich ungewöhnlich lange dabei. Er ist jemand, der gerne gründet und sich in Start-ups Zuhause fühlt, nicht jemand, der gerne große Organisationen managet“, meint Kroke.

Bislang ist Momox eher mäßig gewachsen. „Momox hat ein sehr stabiles Business-Modell aufgebaut. Mit einem verstärkten Fokus auf Prozess-Exzellenz lässt sich sicherlich noch einiges an Wachstum und Marge herausholen“, meint eCommerce-Experte Alexander Graf. Recht profitabel ist Momox dank niedriger Einkaufspreise schon jetzt: Bei Mode etwa rechnet Kroke mit 70 Prozent Spanne. 13,7 Millionen Euro Vorsteuergewinn kamen 2018 insgesamt zusammen, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr.

Doch es gibt Grenzen bei der Effizienz. „Bei unserem Wachstum ist eine zu frühe Automatisierung hinderlich“, dagegen Kroke. Low-Tech-Lager seinen schlichtweg einfacher zu erweitern als automatisierte Anlagen. Kroke kokettiert gern damit, die Lager mit Ikea-Regalen einzurichten und so einer der größten Kunden der Schweden zu sein.

Der 50-Jährige kennt die Branche sehr gut: Seine Karriere startete bei Ebay, anschließend verbrachte er vier Jahre beim Schweizer Online-Auktionshaus Ricardo. Daher weiß er um die Schwierigkeiten des Ebay-Modells: Potenzielle Verkäufer scheuen den Aufwand. „Deshalb soll der Verkauf von Kleidung bei Momox so einfach funktionieren wie der eines Buchs“, gibt Kroke die Richtung vor. 20 Artikel zu verkaufen solle eine halbe Stunde dauern, während alles in allem für den Verkauf auf eigene Faust acht Stunden fällig würden, rechnet Kroke vor.

Im Verkauf jedoch hat er für den Online-Shop die eigene Marke Ubup aufgebaut, die Kundinnen stärker ansprechen soll als der Medien-Shop unter der Stammmarke. Das Marketing ist ein weiterer Kostenpunkt: Fernsehwerbung soll die eigene Plattform bekanntmachen – auch um die Abhängigkeit von Amazon mit seinen recht hohen Provisionen zu verringern. „Momox sollte seine eigenen Shops für Käufer attraktiver gestalten“, rät Experte Graf.

Mehr: Ebay und Amazon – Der Kampf gegen Umsatzsteuerbetrug wird für Onlinehändler zum Bürokratiemonster

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