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Redefine Meat Dieses Start-up entwickelt Steaks aus dem 3D-Drucker

Wiesenhof beteiligt sich an einem Start-up aus Israel, das alternatives Fleisch herstellt. Redefine Meat will seine Produkte bald in Deutschland anbieten.
07.07.2020 - 15:44 Uhr Kommentieren
Den weltweiten Markt für Fleischersatz schätzt Eshchar Ben-Shitrit auf jährlich 150 Milliarden Dollar. Quelle: Reuters
Fleisch aus dem 3D-Drucker

Den weltweiten Markt für Fleischersatz schätzt Eshchar Ben-Shitrit auf jährlich 150 Milliarden Dollar.

(Foto: Reuters)

Tel Aviv Eshchar Ben-Shitrit ist mit Tieren aufgewachsen. Im Kibbuz, in dem er seine Kindheit verbrachte, war seine Mutter zuständig für den Kuhstall, und sein Vater leitete eine große Truthahnfarm. Nun hat der Jungunternehmer ein Start-up, das sich zwar auch mit Ernährung beschäftigt. Aber Tiere sollen dafür nicht mehr sterben. Er setzt auf den globalen Trend, Fleisch mithilfe von Hightech künstlich zu ersetzen.

Daran arbeiten auch andere, wie etwa das bekannte Start-up Beyond Meat. Aber der 36-Jährige geht einen Schritt weiter: Er produziert die Fleischalternative mit einem 3D-Drucker. Seinem vor zwei Jahren gegründeten Start-up gab er einen kecken Namen, der auch sein Programm ist: „Redefine Meat“.

Das „neu definierte Fleisch“ ist ein veganes Produkt, das in drei Dimensionen gedruckt wird. In einer Stunde, sagt Ben-Shitrit, könne seine schnellste Maschine derzeit über 50 Steaks produzieren. Zu Beginn des nächstens Jahres, wenn die ersten Abnehmer beliefert werden wollen, werden die Drucker zehn Kilo pro Stunde herstellen.

Ab 2021 will er das „Alt-Meat“ (alternatives Fleisch) nicht nur in Israel, sondern auch in Deutschland und in der Schweiz absetzen, zunächst in Luxusrestaurants. Verlaufen die Marketingtests positiv, soll das gedruckte Nahrungsmittel weltweit angeboten werden.

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    Erste Testrunden in Israel stimmen den CEO optimistisch. Jeder, der das Produkt testet, sage: „Fleisch aus dem Hause Redefine schmeckt wie echtes Fleisch.“ Wegen der Coronakrise könne er Reportern derzeit allerdings keine Möglichkeit geben, das Produkt zu verkosten.

    An dem jungen Unternehmen haben sich aus Deutschland die PHW-Gruppe (Wiesenhof), aus Großbritannien CPT Capital, aus Israel Hanaco Ventures sowie führende Gründerinvestoren beteiligt. Im Herbst kam ein Startkapital von sechs Millionen Dollar zusammen.

    CPT Capital unterstützt Ben-Shitrit, weil er Tiere in der Nahrungsmittelkette ersetzen will. Die Briten haben bereits in Firmen wie Beyond Meat und Impossible Foods investiert.

    Die Zusammensetzung unserer Produkte ist der Ernährung der Kuh nachempfunden.“ Quelle: ddp images/Ferrari Press
    Redefine-Meat-Gründer Eshchar Ben-Shitrit

    Die Zusammensetzung unserer Produkte ist der Ernährung der Kuh nachempfunden.“

    (Foto: ddp images/Ferrari Press)

    Trotz starker Wurzeln im konventionellen Fleischgeschäft diversifiziert auch die PHW Gruppe ihre Palette seit vier Jahren mit veganen Produkten. Man sei nicht nur Geldgeber, sondern agiere wie ein Business Angel mit einem breiten Netzwerk aus Firmen und Branchenexperten, heißt es bei der PHW Gruppe. Anfangs Juli wurde zudem eine strategische Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft zwischen Redefine Meat und Givaudan, dem Schweizer Aromen- und Dufthersteller, bekanntgegeben.

    Erfahrungen aus der Hightech-Industrie

    Als er vor zwei Jahren sein Konzept auf einer Konferenz vorgestellt habe, seien PHW und Givaudan die einzigen gewesen, die an seine Idee vom gedruckten Fleisch geglaubt hätten, sagt Ben-Shitrit: „Alle anderen Konferenzteilnehmer haben kein Interesse gezeigt.“

    Der Israeli kombiniert die verschiedenen Leidenschaften seines bisherigen Lebenslaufs: Als Teenager verließ er den Kibbuz mit seinen Kühen und Truthähnen und machte in einem der besten Tel Aviver Restaurants eine Lehre als Koch. Seine Spezialität: Rindfleisch.

    Nach dem Militärdienst zog es ihn in die aufblühende Hightech-Industrie des Landes. Bei HP war er als Produktmanager in die digitale Transformation der analogen Industrie involviert, kümmerte sich um den Übergang von 2D zu 3D. Und als sein erstes Kind auf die Welt kam, beschloss er, fortan auf den Konsum von Fleisch zu verzichten, um seinen Beitrag zur Rettung des Planeten zu leisten.

    Das ist gleichzeitig auch ein gutes Geschäft. Den weltweiten Markt für Fleischersatz schätzt er auf jährlich 150 Milliarden Dollar. Und weil Redefine Meat laut Ben-Shitrit als erster Hersteller bereit sein werde, die Märkte zu beliefern, rechnet er mit sehr hohen Verkaufszahlen: im nächsten Jahr „einige Millionen Dollar, 2022 bereits eine zweistellige Millionenzahl“.

    Gedrucktes Fleisch werde etwa gleich viel kosten wie ein Steak, meint Ben-Shitrit. Der Druck einer Filet-Imitation und einer nachempfundenen Rinderbrust sei etwa gleich teuer – im Gegensatz zum echten Rindfleisch, wo zwischen den beiden Qualitäten signifikante Preisunterschiede bestehen.

    Die „Tinte“ besteht aus pflanzlichem Protein, pflanzlichem Fett und Aromastoffen, eine Software bestimmt die Form. Als Proteine werden Sojabohnen und Erbsenproteine verwendet. Die Zusammensetzung sei, sagt Ben-Shitrit, der Ernährung der Kuh nachempfunden.

    Textur der Muskeln simuliert

    Die Textur der Muskeln und das Fett werden mithilfe dieser Zutaten simuliert, Aromastoffe vermitteln das Gefühl von Saftigkeit, und Färbemittel sorgen für die richtige Schattierung. Auch Kundenwünsche können berücksichtigt werden: Etwas weicher, mit mehr oder weniger Fett – wie hätten Sie es gerne?

    Er überlässt nichts dem Zufall, um das Fleischerlebnis zu simulieren. Zu seinem 25-köpfigen Team gehören nicht nur Ingenieure und Techniker, sondern auch ein Spitzenkoch und Nahrungsmittelexperten. Sie trügen dazu bei, mehr als 70 Geschmacksparameter in einer digitalen Karte zu vereinen, sagt Kubi Sertoglu, Autor bei der Fachzeitschrift „3D Printing Industry“.

    Die Drucker hätten das Ausmaß von „großen industriellen Kühlschränken“, sagt Ben-Shitrit, oder, witzelt er, „sie sind vergleichbar mit der Größe eines Angus-Bullen“. Seine größte Konkurrenz, sagt er humorvoll, seien die Kühe und die traditionellen Firmen, die Tiere zum Schlachten großziehen. Während die Kühe einen sehr langen Evolutionsprozess hinter sich haben, sei seine Firma erst vor zwei Jahren gegründet worden: „Aber wir holen rasch auf.“

    Die vegane Option hat freilich auch ihre Kritiker. Nur weil sie ökologisch sinnvoller sei als richtiges Fleisch, müsse sie nicht notwendigerweise auch gesünder sein, sagt zum Beispiel die Ernährungsberaterin Toby Amidor.

    Eines der größten Probleme mit pflanzlichen Fleischalternativen sei die enorme Menge an Zutaten, die notwendig sind, gibt die erfolgreiche Kochbuchautorin zu bedenken, „einschließlich zahlreicher Zusatzmittel“. Zudem sei der Nährwert des alternativen Fleischs in der Regel geringer als die vom Tier gelieferte Nahrung.

    Und doch: In den nächsten zwanzig Jahren, ist Ben-Shitrit überzeugt, werde es in der Nahrungsmittelkette zu massiven Verschiebungen kommen: „Tiere werden ersetzt.“ Das werde bei Eiern, Milchprodukten und Fleisch geschehen. Am wichtigsten aber sei es beim Fleisch, weil das den größten ökologischen Effekt habe.

    Innovative Zusatzstoffe für gedrucktes Fleisch, ist er überzeugt, werden in den nächsten Jahren dazu beitragen, „dass unsere Produkte noch leckerer, gesünder und besser für die Umwelt werden“.

    Mehr: Der Mann hinter dem Siegeszug des fleischlosen Hamburgers von Beyond Meat.

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