Reisemobilbauer Mitreisende gesucht – Hymer Group verhandelt mit Investoren

Hymer-Chef Martin Brandt liebäugelt noch immer mit einem Börsengang. Die Familie ist nun offenbar doch bereit, die Mehrheit am Caravan-Unternehmen abzugeben.
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Der Vorstandsvorsitzende der Erwin Hymer Group möchte globale Chancen im Caravanmarkt nutzen. Quelle: Philip Kistner / Erwin Hymer Group
Martin Brandt

Der Vorstandsvorsitzende der Erwin Hymer Group möchte globale Chancen im Caravanmarkt nutzen.

(Foto: Philip Kistner / Erwin Hymer Group)

Bad WalseeAn Urlaub ist für Martin Brandt derzeit nicht zu denken. Sonst testet der Vorstandschef der Erwin Hymer Group regelmäßig die neuen Caravan-Modelle seines Arbeitgebers. Doch momentan hat der 58-Jährige einfach zu viel zu tun. „Wir führen intensive Gespräche mit möglichen Partnern“, sagt er. Denn der Bieterprozess um den Reisemobilbauer und Europas führenden Hersteller von Wohnwagen ist in die heiße Phase getreten.

Seit März bereits sucht das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Bad Waldsee für Investitionen in China und Amerika einen Partner – und prüft parallel einen Börsengang.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen sind die Private-Equity-Häuser Cinven, Cerberus, Triton und KPS in der zweiten Runde mit dabei. Ein strategischer Investor soll bislang nicht im Rennen sein. Das Überraschende: Die Familie Hymer ist nun offenbar doch bereit, eine Mehrheit am Unternehmen abzugeben.

Bisher hatte es stets geheißen, die Witwe von Gründer Erwin Hymer, Gerda Hymer, und ihre Kinder Carolin und Christian wollten „eine bedeutende Minderheitsbeteiligung“ abgeben. Bei diesen Informationen aus Finanzkreisen handele es sich um „Mutmaßungen“, sagte Martin Brand jetzt dem Handelsblatt.

Verschiedene Vorstellungen gibt es wohl bei der Bewertung. Die Gruppe mit 6000 Mitarbeitern steigerte zuletzt den Umsatz auf 2,1 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr (bis August) erwarten Finanzkreise 250 Millionen Euro Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Während die Bieter eher von einem Firmenwert von unter zwei Milliarden Euro ausgehen, tendieren die Eigentümer in Richtung drei Milliarden Euro. Für Brandt ebenfalls „Mutmaßungen“.

US-Konkurrenz gilt als Vergleichsmaßstab

Als Vergleichsmaßstab gelten zwei große börsennotierte Konkurrenten, Winnebago aus den USA und Trigano aus Frankreich. Ersterer wird niedriger bewertet als Trigano, mit dem sich die Hymer-Gruppe vergleiche, so Finanzkreise.
Vielen erscheint das Investment bei den Deutschen als „sehr heiß“, da die Branche stark konjunkturabhängig ist. Momentan boomt sie, doch es gab auch schwere Krisen. Die Hymer AG, ein Teil der heutigen Gruppe, verließ 2013 das Parkett.

Wettbewerber Knaus Tabbert aus Bad Griesbach – 2009 von der niederländischen Beteiligungsfirma HTP aus der Insolvenz gekauft – hat Ende Mai seine Börsenpläne aufgeschoben. Auch, weil es derzeit „kein geeignetes Zielobjekt gibt, das wir kaufen können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Speck. Für die Hymer-Gruppe allerdings bleibt ein Börsengang eine Option. Aber auch hier richtet sich die Bewertung nach den Geboten. „Derzeit gibt es noch keine Entscheidungen der Familie Hymer“, sagt Brandt. Bis Jahresende soll der Deal stehen.

Für Herbst plant Brandt eine Caravantour in Skandinavien – gebucht ist noch nichts.

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