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Rodolphe und Tanya Saade Diese Geschwister haben CMA CGM zur drittgrößten Reederei gemacht

Der aus dem Libanon stammende Vater gründete einst mit einem Schiff und vier Mitarbeitern eine Reederei. Nun führen die Kinder den Logistikgiganten CMA CGM in neue Gewässer.
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Führen nach dem Tod des Vaters die Reederei. Quelle: AFP/Getty Images
Rodolphe Saade und Schwester Tanya

Führen nach dem Tod des Vaters die Reederei.

(Foto: AFP/Getty Images)

Paris Die Antoine de Saint-Exupéry ist das Flaggschiff der Reederei CMA CGM: 400 Meter lang, Platz für 29 776 Container. Das zweitgrößte Schiff seiner Art ist ein beeindruckender Gigant der Logistik. Und doch meinte bei der Einweihung vor wenigen Monaten in Le Havre Reedereichef Rodolphe Saadé: „Die Welt hat sich verändert, wir können unseren Kunden nicht mehr lediglich Laderaum auf unseren Containerschiffen anbieten.“

Gemeinsam mit seiner Schwester Tanya Saadé leitet er seit Februar 2017 die französische Reederei CMA CGM. Die Geschwister haben sich ihre Rollen aufgeteilt: Er ist CEO, sie ist Executive Officer mit besonderer Verantwortung für Akquisitionen.

Beide sind seit mehr als 20 Jahren in dem Familienunternehmen tätig, das ihr Mitte 2018 verstorbener Vater Jacques gegründet hatte und das 2018 sein 40-jähriges Bestehen feierte. 2019 ist es zudem 20 Jahre her, dass die von Saadé gegründete „Compagnie Maritime d’Affrètement“ (CMA, zu Deutsch: „Befrachtung“) mit der „Compagnie Générale Maritime“ (CGM), bekannt als „French Line“, fusionierte und der heutige Unternehmensname entstand.

Jacques Saadé stammte aus Beirut, wo auch seine Kinder geboren wurden. Schon er wuchs mit Unternehmergeist und dem Blick fürs Internationale auf: Seine Eltern hatten in Syrien ein Unternehmen für Tabak und Eis aufgebaut, das sie im Zuge der Nationalisierungen durch das Assad-Regime in den 1970er-Jahren aber wieder verloren. Und als der an der London School of Economics ausgebildete Jacques in seine Heimat Libanon zurückkehrte, zwang der Bürgerkrieg den orthodoxen Christen zur Auswanderung nach Frankreich.

In Marseille gründete er dann die Compagnie Maritime d‘Affrètement (CMA) – ein klingender Name für einen anfangs bescheidenen Betrieb. Saadé betrieb mit einem einzigen Schiff und vier Mitarbeitern nur eine Route: Marseille-Livorno-Latakia-Beirut und retour. Heute, Jahrzehnte später, fahren etwa 500 Schiffe unter den Farben von CMA CGM.

Damit sind die Franzosen vor dem chinesischen Wettbewerber Cosco. Zwar ist nur noch ein Bruchteil der mehr als 30.000 Mitarbeiter in Frankreich tätig, doch Firmensitz ist noch das Jacques-Saadé-Hochhaus im Hafen von Marseille.

Trend zu größeren Schiffen

Bei seinem Tod wurde Jacques Saadés Vermögen auf sechs Milliarden Euro geschätzt, damit war er der zwölftreichste Franzose. Seine unternehmerischen Fähigkeiten waren so ausgeprägt wie sein Temperament gefürchtet: „Ihr Vater hatte einen ausgeprägten Charakter“, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kürzlich den Geschwistern, die heute die Geschicke der Reederei lenken.

Die beiden konnten aber nicht alles so weiterführen wie ihr Vater. „Die Logistik ist im Umbruch“, erklärt Tanya Saadé. „Vor 15 Jahren hat noch niemand bei Amazon seine Weihnachtseinkäufe getätigt, heute gibt es wohl niemanden mehr, der das nicht tut.“ Mit dem Onlinehändler sei CMA CGM über Verträge verbunden.

Außerdem nimmt die Volatilität zu. „Heutzutage muss man nicht nur über die erforderlichen Kapazitäten verfügen, sondern auch unglaublich schnell von einer Handelsroute auf eine andere umschalten können“, sagt ein Manager der Reederei. Ein anderer meint, dass dennoch der Trend zu immer größeren Schiffen gehe, weil sie Einsparungen je transportiertem Container ermöglichen.

Rodolphe Saadé nennt einen weiteren Faktor: Die Kunden wollen alles aus einer Hand, nicht mehr mit verschiedenen Unternehmen der Logistikbranche zu tun haben. „One stop shop“ nennt er das.

Aus der Feststellung, dass die Kunden mehr verlangen als nur Seetransport, haben die Geschwister Konsequenzen gezogen: Erst kauften sie das Unternehmen Containerships, einen europäischen Spezialisten für den Transport von Tür zu Tür. Dann haben sie ein freundliches Übernahmegebot für das Schweizer Logistikunternehmen CEVA lanciert. Anfangs war es eine Beteiligung von 25 Prozent, „um das Geschäft zu lernen“, wie Rodolphe es ausdrückt.

Gelernt haben die Geschwister auch, dass das Unternehmen mit 60.000 Mitarbeitern „wieder auf die Schienen gesetzt werden muss“, sagt Rodolphe. Die Schweizer machen noch immer Verluste. Dennoch hat CMA CGM im Februar die Übernahme abgeschlossen.

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