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Rolf Breidenbach Kostenspezialist unter Druck: Hella-CEO steht vor seiner größten Herausforderung

Rolf Breidenbach ist ein erfahrener Krisenmanager. Doch die Corona-Pandemie fordert den Chef des Zulieferers wie keine andere Krise zuvor heraus.
02.04.2020 - 17:24 Uhr Kommentieren
Der Hella-Chef ist ein erfahrener Krisenmanager. Quelle: Hella
Rolf Breidenbach

Der Hella-Chef ist ein erfahrener Krisenmanager.

(Foto: Hella)

Düsseldorf Rolf Breidenbach führt Hella bereits durch die dritte Krise – und jedes Mal steht er vor derselben Herausforderung: die Kosten senken. Als er 2004 mit gerade einmal 40 Jahren Chef des Zulieferers aus Lippstadt wurde, 2009 inmitten der Finanzkrise und jetzt, in der wohl größten Wirtschaftskrise der jüngeren Zeit.

Die Corona-Pandemie fordert den Kostenspezialisten Breidenbach wie keine andere Krise zuvor heraus. „Wir haben sehr viel Erfahrung damit, unsere Kosten zu senken und Liquidität zu schützen“, sagt der 56-jährige Manager dem Handelsblatt. Es gebe eingeübte Vorgehensweisen, auf die das Unternehmen jetzt zurückgreifen könne.

Es habe deshalb keine Diskussionen darüber gegeben, dass Kurzarbeit angemeldet werden müsse und interne Projekte als auch Investitionen verschoben werden. Aber diesmal ist es trotz eingeübter Vorgehensweise anders, sagt Breidenbach: „In der jetzigen Krise ist die Aufgabe deutlich schwerer und allumfassender als in den Krisen davor.“

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit in allen Autowerken in Europa und den USA zum Erliegen gebracht. Zulieferer wie Hella haben kaum noch Aufträge.

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    Ab nächster Woche werden deswegen 60 Prozent aller Hella-Werke in Deutschland stillstehen. Weltweit ist die Zahl noch höher – Tendenz steigend. Rund die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland ist in Kurzarbeit. „Aber die Zahl wird noch weiter steigen“, sagt der erfahrene Manager.

    Das Hella-Management um Breidenbach hat als einer der ersten großen Zulieferer auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie reagiert. Noch vor allen anderen hat der MDax-Konzern am 18. März eine Gewinnwarnung herausgegeben und Kurzarbeit beantragt und damit vorgezeichnet, was nun die gesamte Branche betrifft: Egal ob milliardenschwerer Dax-Konzern, Mittelständler oder Familienunternehmen – alle müssen Prognosen kassieren, Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und Kosten senken.

    Sparprogramme werden verschärft und Investitionen verschoben – und keiner in der Branche traut sich zu sagen, wie stark die Covid-19-Pandemie die Geschäfte in der Zuliefererbranche beeinträchtigen wird und wann die Werke wieder geöffnet werden können.

    Das versetzte Geschäftsjahr von Hella jedoch, dessen drittes Quartal vom 1. Dezember bis zum 29. Februar reichte, liefert einen ersten Vorgeschmack darauf, wie belastend die Corona-Pandemie für die Autoindustrie ist.

    Investitionen werden priorisiert

    Bis zum 29. Februar hatte das Virus vor allem den chinesischen Markt und bereits Norditalien fest im Griff. Für die Hella-Bilanz im dritten Quartal, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, bedeutete das: vier Prozent weniger Umsatz und über 20 Prozent weniger Gewinn.

    Zwar hatte Hella bereits vor der Coronakrise Sparmaßnahmen getroffen und einen Einstellungsstopp verhängt. Doch das reicht nun nicht mehr. Um die Kosten zu senken, werden beispielsweise Projekte in der Vorentwicklung eingefroren.

    Bei den Geschäftsaktivitäten will sich Hella derzeit nur noch auf drei Themen konzentrieren: die Entwicklung von Serienprojekten, also auf laufende Kundenprojekte, sowie auf den Anlauf und die Fertigung neuer Produkte. Alles andere soll nun Schritt für Schritt runtergefahren werden.

    Wie viele andere Manager derzeit verzichtet auch die Hella-Führung zudem auf Gehalt. Im April habe der Vorstand 20 Prozent des Grundgehalts nicht in Anspruch genommen.

    Auch die Investitionen werden nun strenger priorisiert. Zwei Drittel der Ausgaben sind Breidenbach zufolge kundengebunden und werden aus diesem Grund nicht runtergefahren. Das verbliebene Drittel der Projekte stehe nun auf dem Prüfstand. „Was ausdrücklich nicht dazugehört, sind Investitionen in die Zukunft“, betont der Manager aber. Auch jetzt will Hella keine Abstriche bei der Entwicklung neuartiger Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren machen.

    Breidenbach hat jahrelang großen Wert darauf gelegt, in die Entwicklung neuer Produkte zu investieren. Für einen MDax-Konzern gibt Hella daher verhältnismäßig viel Geld für Forschung und Entwicklung aus: auf Neunmonatssicht rund zehn Prozent des Umsatzes. Doch das Hella-Management wird angesichts der Schwere der Krise diese hohe Quote nicht beibehalten können.

    Staatshilfen kein Thema

    Um die Ausgaben unter Kontrolle zu halten, hat Hella einen sogenannten „Cash Control Board“ eingerichtet, der wöchentlich zusammenkommt und von Finanzchef Bernhard Schäferbarthold geleitet wird. Das Finanzteam ist mit allen Werken und Hella-Gesellschaften vernetzt und fragt regelmäßig den Cash-Verbrauch ab.

    Außerdem hat das Management nachgerechnet, dass der gesamte Konzern in einem Worst-Case-Szenario, in dem alle Werke in Europa sowie Nord- und Südamerika geschlossen sind, einen monatlichen Mittelabfluss von 75 bis 80 Millionen Euro verkraften müsste.

    Demgegenüber stehen liquide Mittel in Höhe von 1,65 Milliarden Euro. Erst am vergangenen Freitag hatte der Vorstand entschieden, eine Kreditoption in Höhe von 450 Millionen Euro bei den Hausbanken von Hella zu ziehen, um die finanzielle Ausstattung zu verbessern. Laut Breidenbach könne man den jetzigen Ausnahmezustand daher finanziell über mehrere Monate aushalten.

    Staatshilfen seien derzeit kein Thema. „Ausschließen kann man das natürlich nicht, weil die Coronakrise in ihrer Schwere und Breite einmalig ist“, gibt der Manager aber zu.

    Ein Hauptproblem von Hella ist die starke Abhängigkeit vom europäischen Markt. Über 60 Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen in Europa. Der asiatische Markt hingegen macht weniger als 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Während in China die Produktion wieder anläuft, ist man in Europa noch weit davon entfernt.

    Seit Januar versucht ein Team bei Hella, die Lieferkette aufrechtzuerhalten. Doch vor allem die dramatische Lage in Spanien und Norditalien dürfte das Vorhaben erschweren. In den von der Corona-Pandemie stark betroffenen Regionen sind zahlreiche Lieferanten beheimatet.

    Zulieferer wie Hella sind auf diese angewiesen. Daher ist unklar, ob die Werke nach den Osterferien wieder geöffnet werden können.

    Mit Blick auf die Lieferketten sei für den Hochlauf der Produktion von Zulieferern und Autoherstellern eine europaweite Koordination nötig. Denn erst mit dem Hochlauf, so Breidenbach, würde sichtbar werden, welche Schäden die Lieferketten durch die Corona-Pandemie genommen haben.

    Mehr: Wie es VW gelingt, jetzt Beatmungsgeräte und Schutzmasken zu produzieren.

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