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Rolf Schmid Radikaler Wandel: Wie der Ex-Mammut-Chef nun als Multi-Aufseher zurecht kommt

Der Schweizer führte 20 Jahre lang die Outdoor-Marke Mammut. Nach seinem erzwungenen Abschied ist er als professioneller Verwaltungsrat erfolgreich.
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Zwei Jahrzehnte lang hat der Betriebswirt das traditionsreiche Label Mammut geführt. Quelle: ullstein bild - RDB
Rolf Schmid

Zwei Jahrzehnte lang hat der Betriebswirt das traditionsreiche Label Mammut geführt.

(Foto: ullstein bild - RDB)

München Freizeithose und Wanderhemd waren jahrelang die Arbeitskleidung von Rolf Schmid, 60. Inzwischen trägt der Schweizer aber häufig Anzug und Krawatte. Denn der einst mächtigste Manager der Outdoorindustrie in Europa hat sich zum Multiaufseher gewandelt. Zehn Firmen kontrolliert der Mann mit dem akkurat geschnittenen Haar nun als Verwaltungsrat.

„Der große Netzwerker bin ich nicht. Trotzdem sind viele Firmen auf mich zugekommen“, erzählt Schmid – fast alles Schweizer Mittelständler auf der Suche nach einem kompetenten Sparringspartner. Es ist die zweite, völlig ungeplante Karriere des Rolf Schmid.

2016 fand sich Schmid auf einmal auf der Straße, weil ihn der Eigentümer der Bergsportmarke Mammut gefeuert hatte. Zwei Jahrzehnte lang hatte der Betriebswirt das traditionsreiche Label geführt, die meiste Zeit davon höchst erfolgreich. Als aber am Ende die Zahlen nicht mehr stimmten und die Besitzer eine überzeugende Digitalstrategie vermissten, musste Schmid gehen.

Zwölf Jahre lang stand er zudem der Industrievereinigung European Outdoor Group vor. Schmid kannte jeden in der Branche, und jeder kannte ihn. Mit rund 250 Millionen Franken Jahresumsatz ist Mammut für Schweizer Verhältnisse nicht besonders groß. Wohl aber ist sie eine der bekanntesten Marken. Davon profitierte Schmid nach seinem Rauswurf. Denn immer wieder klingelte das Telefon.

So sammelte Schmid mit der Zeit ein Aufsichtsmandat nach dem anderen und gründete sozusagen als Ich-AG sogar eine Firma, die RS Mandate AG. Dorthin fließen seine Honorare als Kontrolleur. Schmid: „In den 20 Jahren bei Mammut habe ich mir eine gewisse Glaubwürdigkeit erworben.“

Die meisten Firmen, die Schmid überwacht, sind weitgehend unbekannt; dazu gehören etwa das Textilunternehmen AG Cilander oder iNovitas, ein Anbieter hochauflösender 3D-Bilder von Straßen und Schienen. Nur zwei größere Firmen sind darunter: die Schweizer Versicherung Mobiliar und Fenix Outdoor, die börsennotierte Dachgesellschaft von Marken wie Fjällräven, Hanwag und Globetrotter.

Allein bei seinem letztgenannten Mandat ist explizit sein Outdoorwissen gefragt: „Für die Berufung in unseren Verwaltungsrat war im Wesentlichen seine langjährige Branchen- und Managementerfahrung ausschlaggebend“, sagt Martin Nordin, Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzender der Fenix Outdoor International AG.

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Der radikale Wandel mit Ende 50 sei nicht leicht gewesen, gesteht Schmid. Statt zu Lieferanten in Vietnam zu jetten oder mit Händlern wie Globetrotter in Hamburg zu verhandeln, fuhr er auf einmal nur noch durch die Hügel seiner schweizerischen Heimat. „Am Anfang hat sich meine Welt auf den Aargau beschränkt. Das Internationale hat mir gefehlt“, erzählt er.

Das Mandat bei Fenix ist die letzte Verbindung in seine ehemalige Welt. „Schon früher haben wir eine sehr gute Beziehung gepflegt“, erzählt er über seinen Kontakt zu der ursprünglich aus Schweden stammenden Firma von Mehrheitseigner Martin Nordin. Was ihm an dem einstigen Konkurrenten so gut gefällt: „Die denken in Generationen.“

Sein ehemaliger Arbeitgeber Mammut dagegen hat sich in kürzester Zeit massiv gewandelt. Nachfolger Oliver Pabst, ein ehemalige Bogner-Manager, drängt mit funktioneller Sportmode in die Metropolen. Das Label wächst moderat. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz um zwei Prozent auf 187 Millionen Franken zu.

Schmid ist jüngst 60 geworden und zieht noch nicht einmal entfernt in Betracht, die zweite Karriere schon wieder auslaufen zu lassen. Und das, obwohl stets das Wochenendhaus der Familie am Luganer See lockt. Doch Schmid ahnt es wohl: Für einen Macher wie ihn ist die Sonntagsruhe nur dann schön, wenn am Montagmorgen der nächste Termin ansteht.

Mehr: Der Laufschuhspezialist On hat sich auf einem umkämpften Markt etabliert. Nun planen die Gründer weiteres Wachstum mit Outdoorschuhen.

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