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RWB Group Diese Gründer machen Private Equity für Privatanleger möglich

Horst Güdel und Norman Lemke bieten seit 20 Jahren Investments in Private Equity an. Trotz des Erfolgs sind die Exoten nicht überall beliebt.
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Die RWB-Group-Gründer verwalten mittlerweile gut zwei Milliarden Euro. Quelle: RWB Group
Horst Güdel und Norman Lemke

Die RWB-Group-Gründer verwalten mittlerweile gut zwei Milliarden Euro.

(Foto: RWB Group)

MünchenAn ihre gemeinsamen beruflichen Anfänge erinnern sich Horst Güdel und Norman Lemke noch gut. Eine exzellente Flasche Rotwein stand da im Büro. Die sollte geöffnet werden, wenn die ersten zehn Millionen Mark an Anlegergeldern eingesammelt sind. Drei bis vier Monate waren dafür veranschlagt. Am Ende dauerte es zwei Jahre, bis sie den Korkenzieher hervorholten.

Genau 20 Jahre ist es her, dass der Banker Güdel und der Steuerberater Lemke die Idee hatten, die Anlageform mit Beteiligungen an Unternehmen auch Privatanlegern zugänglich zu machen. Unter dem Fachbegriff Private Equity war das bis dato nur etwas für institutionelle Adressen oder für vermögende Privatkunden ab einer Anlagesumme von zwei Millionen Euro.

Mit Kleinbeträgen ging damals gar nichts. Zudem schreckte die Haltedauer, die in der Regel bei solchen Produkten bei zehn Jahren liegt, ohnehin die Masse ab.

Güdel und Lemke wollten das Segment Normalverdienern eröffnen und gründeten 1999 die RWB Group. Mit Anlagesummen ab 2500 Euro oder im Rahmen eines Sparplans ab 50 Euro im Monat sollte investiert werden können. Dafür eröffneten sie geschlossene Dachfonds, die wiederum das Geld in 30 bis 40 Private-Equity-Fonds weltweit anlegen.

Da ein solches Produkt damals wie heute sehr erklärungsbedürftig und das Finanzwissen der Deutschen generell nicht allzu groß ist, waren die Anfänge zäh. Zudem war vor zwei Jahrzehnten die Konkurrenz durch Schiffs-, Immobilien-, Flugzeug-, Container- oder Filmbeteiligungen groß. Darunter konnten sich viele Anleger zumindest leichter etwas vorstellen.

Ein Versicherungsmakler mit einem treuen Kundenstamm an vermögenden Bootsbesitzern am Starnberger See brachte dann den ersten Erfolg. Er überzeugte eine größere Anzahl an reichen Privatpersonen. Weil kleinere Summen gute Renditen abwarfen, stockten diese Kunden sukzessive ihre Beträge auf und trugen per Mundpropaganda dazu bei, dass auch Bekannte dies taten.

Die meisten Kunden wohnen in Baden-Württemberg

Heute hat die RWB Group rund 80.000 Kunden, wird noch immer von den beiden Inhabern geführt und verwaltet gut zwei Milliarden Euro. Ein Großteil der Anleger lebt in Baden-Württemberg. Aber auch in Bayern sind viele zu Hause. Das Unternehmen gilt mit der Anlage in Private Equity für Privatpersonen als Marktführer in Deutschland.

Und ist trotzdem im breiten Spektrum der Geldanlage noch immer ein Exot. Auch wenn inzwischen sogar eine überschaubare Gruppe an Konkurrenten erwachsen ist. Meist unterscheidet sich die Anlagekonstruktion, oft die zu investierende Summe. Manche Wettbewerber haben den Markt auch wieder verlassen.

Das hat viele Gründe. Zum einen ist die Anlage komplex. Als Konstrukt dient ein so genannter geschlossener Fonds. Die gerieten in der Vergangenheit vielmals in Verruf. Das Risiko des Totalverlustes, hohe und nicht immer übersichtliche Kosten, die fehlende tägliche Preisfeststellung und die mangelnde Transparenz haben zum schlechten Image beigetragen.

So sehr, dass Verbraucherzentralen sich für ein Verbot des aktiven Vertriebs von geschlossenen Fonds an Privatpersonen ausgesprochen haben. Außer in Deutschland, Österreich und den Niederlanden gibt es das in allen EU-Staaten. RWB will da dagegenhalten.

„Ohne engagierte Berater geht da gar nichts“, ist sich Güdel sicher. Die müssten klar und verständlich rüberbringen, um was es sich genau handele. In Zukunft sei es eine der größten Herausforderungen, die zunehmend ältere Beraterszene ins digitale Zeitalter zu holen.

„Die Funktionsweise wie bei einigen Robo-Advisors, bei denen sich Kunden die Produkte selbst verkaufen, funktioniert in der breiten Fläche nicht und wird es daher bei uns auch nicht geben“, ist der 65-jährige gebürtige Düsseldorfer überzeugt. Die Möglichkeiten reichen beispielsweise von einer Beratung am Bildschirm bis hin zu Erklärvideos.

Zur Wahrheit gehört dabei auch, dass die Produkte von RWB zwar in den vergangenen Jahren Renditen von sechs bis sieben Prozent brachten, die nach Abzug von Kosten und Gebühren beim Kunden ankamen. Dafür kommen die Kunden viele Jahre nicht an ihr Geld. „Der Preis dafür ist die Illiquidität“, nennt der 54-jährige gebürtige Berliner Lemke den Nachteil. Deswegen empfehlen Anlageexperten solche Investments Privatanlegern auch lediglich als Beimischung im Depot.

Es gab immer wieder Beschwerden von Anlegern

Trotzdem gab es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden, in denen sich Kunden darüber beklagten, dass sie nicht oder nur mit hohen Verlusten an ihr Geld kamen. In der Regel gehen Anwälte dann gegen die vermittelnden Finanzberater vor, denen sie vorwerfen, nicht ausreichend über Details informiert oder Anleger gar arglistig getäuscht zu haben.

Wer einen RWB Fonds kaufe, der mache nicht bei einem Sparplan mit, warnt der Berliner Anwalt Jochen Resch, der das Unternehmen seit vielen Jahren beobachtet. Es handele sich vielmehr um „eine unternehmerische Beteiligung, der immer auch das Risiko eines Totalverlustes droht.“

Private Equity sei grundsätzlich nicht für Privatanleger oder gar für deren Altersvorsorge geeignet. Gerade das hätten in der Vergangenheit Berater aber versprochen und teilweise dafür bestehende Lebensversicherungen aufgelöst. Die beiden RWB-Vorstände weisen solche Vorwürfe zurück und betrachten das Ausfallrisiko wegen der großen Streuung als gegen null gehend.

Über mehr als 30 Private-Equity-Fonds seien die Kunden an bis zu 1500 Unternehmen beteiligt. So ließen sich über die Jahre die unterschiedlichen Risiken gut streuen. Trotzdem räumen auch die Inhaber ein, dass geschlossene Fonds wegen mancher Fehler in der Vergangenheit noch heute ein Imageproblem hätten.

„In den Nuller-Jahren war die Branche noch überhaupt nicht reguliert, hatte da aber einige Milliarden Euro an Anlegergeldern eingesammelt“, erinnert sich Lemke. Erst mit der Finanzkrise trat der Gesetzgeber stärker auf den Plan. Heute haben die rund 80.000 RWB-Kunden im Schnitt rund 25.000 Euro angelegt. Das größte Einzelinvestment liegt bei zwei Millionen Euro.

Ans Aufhören denken nach zwanzigjähriger Zusammenarbeit weder Güdel noch Lemke. Stattdessen vergleichen sie die Situation bei RWB eher mit einer Immobilie, bei der sich die Besitzer noch persönlich um alles kümmern. Und nicht ein angestellter Hausmeister. Dessen Interesse an der Immobilie sei naturgemäß zeitlich begrenzt, das der Inhaber dagegen bestehe lebenslang.

Mehr: Die Vorzeichen für einen Abschwung mehren sich, das Risiko von Investments in Aktien und Anleihen ist hoch. Welche Alternativen gerade in unsicheren Zeiten attraktiv sind.

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