Samuel Schmidt Wunderwerk-Gründer will mit günstigen Preisen den Strommarkt aufmischen

Samuel Schmidt will den Kunden seines Start-ups dauerhaft günstige Strompreise garantieren. Dafür nutzt er eine simple Steuervergünstigung.
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Vom Konzernmanager zum Gründer. Quelle: Wunderwerk
Samuel Schmidt

Vom Konzernmanager zum Gründer.

(Foto: Wunderwerk)

DüsseldorfDen Namen seines Unternehmens hat Samuel Schmidt bewusst mutig gewählt: „Wunderwerk“ hat der groß gewachsene, schlanke Manager sein Energieunternehmen getauft, das seit Februar am Start ist. Der „Sparwunder“-Tarif soll Verbrauchern dauerhaft günstige Strompreise garantieren – und das dank einer simplen Steuervergünstigung.

Steuersparen beim Stromverbrauch? Das klingt wie ein Wunder, ist aber keins. Schmidt und Wunderwerk nutzen eine Regelung im Einkommensteuerrecht. Die gibt Arbeitgebern die Möglichkeit, einen Teil des Lohns ihrer Mitarbeiter in eine steuerfreie Sachleistung umzuwandeln.

Bis zu 44 Euro im Monat können dafür eingesetzt und auf der Lohnsteuerkarte vermerkt werden. Bislang wird das hin und wieder für betriebliche Altersvorsorge, Tankgutscheine oder Mitgliedschaften in Fitnessstudios gemacht, aber meist nur selten genutzt.

Nach Schmidts Prüfung lässt sich dieser Freibetrag auch für Stromverträge anwenden. Spielt der Arbeitgeber mit und trägt den für die Stromlieferung vorgesehenen Steuerfreibetrag in die Lohnsteuerkarte ein, kann der Kunde bis zu 320 Euro im Jahr an Steuern sparen – weil sich das zu versteuernde Einkommen reduziert. Auch der Arbeitgeber spart – weil die Sozialabgaben gleich mit sinken.

Dass alles legal und korrekt ist, hat der Bundesfinanzhof schon einmal festgehalten. Und Schmidt hat sich das Modell an einem Beispielfall von mehreren Finanzämtern bestätigen lassen.

Ein erster Bescheid vom Finanzamt Gießen datiert aus dem Jahr 2015. Schmidt verfolgt die Idee schließlich seit Jahren – auch schon als er noch als angestellter Manager arbeitete. Im Sommer vergangenen Jahres wagte der sportliche Manager, der regelmäßig Basketball spielt und läuft, dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Er gründete Wunderwerk mit Sitz in Düsseldorf. Ein gutes halbes Jahr bereitete er den Marktauftritt des Unternehmens, das ihm komplett gehört, dann vor.

Sein Unternehmen mag neu sein, der Gründer selbst ist in der Branche aber ein alter Bekannter. Der 36-Jährige kennt die Tricks und Kniffe im deutschen Energiemarkt wie kaum ein Zweiter. Seit 2011 arbeitet Schmidt in der Branche in führenden Funktionen: Zuerst beim Energiekonzern RWE, als Leiter des Vertriebs in Großbritannien, dann als Chef der Discountanbieter Extra-Energie und Immergrün.

Respekt in der Branche

Extra-Energie hatte er vom Start-up zum größten unabhängigen Stromanbieter in Deutschland gemacht. Als Schmidt anfing, hatte das Unternehmen in Deutschland 300.000 Kunden. Bis 2016 kletterte die Zahl auf gut eine Million Kunden. Gleichzeitig gewann das Unternehmen auch in Großbritannien mehr als eine Million Kunden. Zu Spitzenzeiten setzte Extra-Energie mehr als 1,5 Milliarden Euro um. Beim letzten Arbeitgeber Immergrün hat er noch einmal 400.000 Kunden hereingeholt.

In der Branche hat sich Schmidt damals viel Respekt erworben. Bei Verbraucherschützern ist sein Ruf dagegen nicht der Beste. Immer wieder gab es Beschwerden von Verbrauchern, die über Probleme klagten – beispielsweise bei der Abrechnung. Die Schlichtungsstelle Energie in Berlin, die auf die Rechte der Energieverbraucher achtet, hatte sich zu Boomzeiten von Extra-Energie sogar bei der Bundesnetzagentur beschwert.

Der Markt, in dem Schmidt seine Erfolge feierte, ist schließlich hart. Auf Vergleichsportalen im Internet buhlen inzwischen Billigableger der großen Energiekonzerne, Kommunalversorger und Dutzende Discountanbieter mit Tiefstpreisen um die Kunden. Es wird häufig mit unseriösen – und zum Teil sogar mit ruinösen Methoden gekämpft. Kunden werden mit hohen Boni-Versprechen von 200, 300 oder sogar mehr Euro pro Jahr gelockt.

Der Versorger kann mit den Einnahmen die Kosten bei Weitem nicht decken und muss in den folgenden Jahren umso stärker die Preise nach oben treiben. Unternehmen wie Teldafax oder Flexstrom hat das die Existenz gekostet. Aber auch für die Verbraucher ist das System nervig. Wer den „Wechselstress“, wie es Schmidt nennt, nicht mehr mitmachen will, wird sich irgendwann über eine drastisch gestiegene Stromrechnung ärgern.

Mühsames Geschäft

„Die Bonuskultur hat den Markt kaputt gemacht“, räumt der vierfache Familienvater Schmidt, der jahrelang als angestellter Manager selbst mitgespielt hat, ein. Als Selbstständiger versucht er sich jetzt an einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Wunderwerk kann dank des Steuersparmodells einen vergleichsweise günstigen Tarif anbieten, der trotzdem kostendeckend ist – und das Jahr für Jahr.

Mit kleinem Aufwand geht Schmidt – der in Mannheim Betriebswirtschaft studiert und in Kalifornien einen MBA gemacht hat – die neue Aufgabe an. In Neuss bei Düsseldorf hat sich Schmidt in eine Bürogemeinschaft eingemietet. Von dort steuert er Vertrieb und Marketing. Die Arbeit im Hintergrund hat Schmidt an einen Energiedienstleister in Köln ausgelagert. Der kauft den Strom ein, kümmert sich um Buchhaltung und Abrechnungen und betreibt das Callcenter.

Das Geschäft ist aber trotzdem mühsam. Der Wechsel funktioniert für die Kunden nicht einfach per Mausklick. Die Arbeitgeber müssen mitspielen – auch wenn Wunderwerk mit Beratung zur Seite steht. Und die Platzierung auf dem Vergleichsportal Verivox verzögerte sich. Gerade einmal eine dreistellige Zahl an Kunden hat Wunderwerk in den ersten Monaten geworben.

Erfolgreicher ist Schmidt mit einem zweiten Tarif. Der hat auch einen vielversprechenden Namen, aber ein schnödes Geschäftsmodell: „Bonuswunder“. Mit diesem Tarif mischt Wunderwerk auf Verivox im klassischen Preiskampf mit. 25.000 Kunden haben sich für den Tarif entschieden. „Den brauchen wir, um überhaupt bekannt zu werden“, sagt Samuel Schmidt – und verspricht: „Wir legen jedem Interessenten aber das Sparwunder nahe.“

Das Steuersparmodell ist in seinen Augen simpel. Es ist aber auch so simpel, dass es ein praktisches Problem mit sich bringt. Es ist leicht kopierbar. Davor hat Schmidt aber keine Angst. Im Gegenteil: Er ist für Partnerschaften mit etablierten Versorgern offen: „Die könnten das im großen Stil zur Kundenbindung einsetzen.“ Die ersten namhaften Interessenten gibt es auch schon.

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4 Kommentare zu "Samuel Schmidt: Wunderwerk-Gründer will mit günstigen Preisen den Strommarkt aufmischen"

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  • Mit Bezug auf meinem Kommentar von 19.28 Uhr ist mir noch etwas an dem Artikel aufgefallen, und zwar ist die von Ihnen gestreifte Kritik der Verbraucherzentralen ebenfalls untertrieben und üble Schonfärberei. So war Herr Schmidt schon in der Vergangenheit bei ebenfalls dubiosen Energieversorgern wie ExtraEnergie oder 365 AG (immergrün etc.) tätig. Diese Unternehmen gehören mit zu den am meisten kritisierten Energieversorgern Deutschlands. ExtraEnergie hat bei Verivox eine Weiterempfehlungsquote von gerade einmal 38 Prozent bei über 15.000 Bewertungen (Stand: 03.08.2018): https://www.verivox.de/erfahrungen/extraenergie-1-6693.aspx, bei immergrün! finden sich ebenfalls zahlreiche kritische Kommentare von Kunden:

    Kommentar vom 02.08.2018:
    „Meine per Einschreiben gesendete Kündigung wurde ohne Rückmeldung nicht akzeptiert; ich erfuhr es erst auf Nachfrage. Die zweite, ebenfalls per Einschreiben gesendete Kündigung sei angeblich nicht eingegangen und wurde erst eingetragen, als ich den Nachweis mailte. Katastrophaler Umgang mit Kunden.

    Jetzt ist in der Schlussrechnung der Bonus nicht berücksichtigt...also einfach 15% mehr berechnet als vertraglich festgelegt.

    Nie wieder immergrün“

    Kommentar vom 02.08.2018:
    „Einige bei Verivox angegebene Informationen wurden bei der Vertragserstellung nicht berücksichtigt, wie z.B. Vertragsbeginn, erwartete Strommenge, Zählernummer, bisheriger Stromanbieter. Die Informationen wurden dann weitere 2x per Email angefordert. Meine Antworten auf diese Emails wurden allerdings nicht berücksichtigt. Die Registrierung beim Kundenbereich funktioniert auch nicht. Die versprochene Email mit User und Passwort kam nie an, obwohl ich nachweislich alles angegeben hatte. Nein, sie liegt auch nicht im Spam-Ordner. Meine Anfrage diesbezüglich bei immergrün wurde bisher nicht beantwortet.

    Das einzige, was reibungslos klappt, ist der pünktliche Einzug des monatlichen Abschlags“

  • Zu meinem Kommentar von 17.24 Uhr wollte ich noch was ergänzen. So bekleckert sich Wunderwerkt auch auf einschlägigen Bewertungsportalen nicht gerade mit Ruhm. Hier ein paar jüngste kritische Kundenstimmen zu Wunderwerk von Verivox:
    Kommentar vom 02.08.2018:
    „lasst bloß die Finger von WUNDERWERK
    sowohl beim Versuch mit Gas als auch mit Strom zu WUNDERWERK zu wechseln kommt nach ein paar Tagen eine Mail mit folgendem Inhalt: "Für das Zustandekommen einer Energiebelieferung ist die Abstimmung zwischen dem Betreiber des Zählers sowie dem bisherigen und dem neuen Anbieter erforderlich. Trotz mehrfachem Versuchs ist diese Abstimmung bislang nicht erfolgreich gewesen." DAS STIMMT JEDOCH NICHT. Es liegt weder am Betreiber noch am vorherigen Anbieter sondern einzig und alleine an WUNDEWERK. Telefonisch darauf angesprochen redet man sich erst raus und legt dann einfach auf. Als ich mich bei Verivox darüber beschwerte, hieß es WUNDERWERK sei hoffnungslos überfordert. Trotzdem arbeitet man immer noch mit denen zusammen. Verstehen muss man das nicht. ALSO LASST BLOß DIE FINGER VON WUNDERWErK !!!!!“
    Kommentar vom 31.07.2018:
    „Es ist zu keinem Anbieterwechsel gekommen, weil der alte und der neue Versorger nicht miteinander kommunizieren konnten. Anbieterwechsel wurde bei einem anderem Vergleichsportal vollzogen.“
    Kommentar vom 31.07.2018:
    „I'm Mai beantragte ich über Verivox einen Wechsel zu Wunderland. Angeblich wurde die Kündigung nicht akzeptiert. Im Juni versuchte ich es noch einmal. Keine Nachricht! Verivox sagte mir am Telefon "wir sind nicht zuständig" Bei Check24 klappte mein Wechsel zu einem anderen Provider sofort!!!“
    Dieser Artikel ist ein weiteres Beispiel dafür, warum es in Deutschland und weltweit eine Fakenews-Debatte gibt. Der Journalist ist schlicht seines Amtes nicht würdig!!! Der Artikel wirft die Frage auf, ob es nicht ein Produkt des klassischen Düsseldorfer ist, denn sowohl der Autor als auch Herr Schmidt sind in Düsseldorf ansässig.

  • Sehr geehrter Herr Dieter von Holtzbrinck,
    ich bin wirklich verwundert, dass im eigentlich sonst so seriösen Handelsblatt ein solch plumper PR-Artikel über die dubiose Person Samuel Schmidt und seine Firma „Wunderwerk AG“ erscheint. Von einer ausgewogenen Berichterstattung und der Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht ist der Autor Jürgen Flauger hier genauso weit entfernt, wie Wunderwerk von einem seriösen Geschäftsgebaren. Nur wenige Klicks im Netz reichen aus, um herauszufinden, dass „Wunderwerk“ mit seinem hier angepriesenen „Sparwunder-Tarif“ absolut fragwürdig ist. Ein Artikel auf anwalt.de hat das Vorgehen von Herrn Schmidt treffend analysiert und spricht offen von Irreführung. So ist auf anwalt.de zu lesen: „Das Landgericht Hamburg stellte jedenfalls kürzlich in einer einstweiligen Verfügung fest, dass große Teile der Werbung der Wunderwerk AG von Samuel Schmidt irreführend seien.“ Mehr kann hier gelesen werden:
    https://www.anwalt.de/rechtstipps/sparwunder-tarif-einstweilige-verfuegung-gegen-wunderwerk-ag-vom-landgericht-hamburg_139171.html

    Im Übrigen ist der Energieanbieter erst knapp sechs Monate am Markt. Daher muss sich erst noch zeigen, wie nachhaltig dieses Geschäftsmodell eigentlich ist. Zudem ist der Energieanbieter Wunderwerk AG, dessen Besitzer im Dunkeln agieren und bei dem noch nicht mal klar ist, wem das Unternehmen wirklich gehört, nur einer von über 1.000 Energieversorgern in Deutschland - und man wundert sich, was nun dieses Unternehmen so wichtig macht, dass es einen solchen prominenten journalistischen Aufschlag genießt.

  • Leider habe ich mich erst über Samuel Schmidt informiert, nachdem ich Kunde eines von ihm geführten Unternehmens geworden war. Die erheblichen Probleme, die Kunden mit ihm hatten, lassen sich im Netz finden. Leider kein seriöser Unternehmer. Finger weg!

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