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Schiffstransport Lars Rolner: Ein Reeder für schwere Fälle

Der Däne steuert von Hamburg aus Schiffstransporte, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen. Jetzt will er seine Kapazität durch eine Fusion verdoppeln.
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Der Unternehmer will mit seiner 2015 gegründeten Reederei, die inzwischen eine Flotte von 19 Transportschiffen zählt, weiteres Gewicht zuladen. Quelle: United Heavy Lift GmbH & Co KG
Multifunktionsfrachter von United Heavy Lift vor der Elbphilharmonie

Der Unternehmer will mit seiner 2015 gegründeten Reederei, die inzwischen eine Flotte von 19 Transportschiffen zählt, weiteres Gewicht zuladen.

(Foto: United Heavy Lift GmbH & Co KG)

Hamburg Gerade einmal 480 Kilo wog der 32 Fuß lange Katamaran, den man Lars Rolner neulich vor Fehmarn für einen Segeltörn überließ. Für den 58-jährigen Freizeitkapitän bis heute ein mulmiges Erlebnis. Dem gebürtigen Dänen, der seine eigene Reederei in direkter Nachbarschaft der Hamburger Elbphilharmonie betreibt, kann unter der Woche schließlich nichts schwer genug sein.

Seit vier Jahren lädt der Wahl-Hanseat all das auf seine Schiffe, was Schaulustige auf die Deiche treibt. 1.800 Tonnen schwere Pylonen für Windkrafträder auf See, komplett gefertigte Bohrinseln, riesige Schaufelbagger, 82 Meter lange Rotorblätter oder bullige Hafenkräne. Manche von Rolners Schiffen lassen sich halb im Meer versenken, um schwimmende Montageinseln abzusetzen oder aufzusammeln.

Nun will er mit seiner 2015 gegründeten Reederei United Heavy Lift, die inzwischen eine Flotte von 19 Transportschiffen zählt, weiteres Gewicht zuladen. „Wir haben gerade die letzten Verhandlungen mit der dänischen Reederei Ocean7 Projects, die 20 Spezialschiffe betreibt, abgeschlossen“, sagt Rolner. „Wir werden gemeinsam international expandieren und gleichzeitig Kosten reduzieren.“ Ein gemeinsamer Name sei bereits gefunden: United-O7.

Die eigene Firma ist zwar noch jung. Doch seit Jahren schon beschäftigt sich der kräftig wirkende Skandinavier mit allem, was nicht in einen Seecontainer passt. Nach einer Logistikausbildung bei einer Werft des dänischen Reederei-Riesen Maersk ist Rolner 1981 nach Deutschland gekommen, um bei der traditionsreichen Schwergut-Reederei SAL im Alten Land bei Hamburg anzuheuern. Später kaufte er sich dort als Gesellschafter ein.

Stahltürme für Taiwan

Als der japanische Container-Reeder K-Line die Firma 2010 komplett übernahm, gab Rolner seinen Anteil gewinnbringend ab und blieb für einige Zeit als Geschäftsführer. Anfang 2015 nutzte er den Verkaufserlös, um sich mit United Heavy Lift selbstständig zu machen.

Die Anteile seiner Familie hat der Vater dreier erwachsener Kinder gebündelt in der United Shipping Group, einer Holding, die inzwischen in vier parallel betriebenen Unternehmen das Sagen hat.

Seit Jahren beschäftigt sich der Skandinavier mit allem, was nicht in einen Seecontainer passt. Quelle: PR
Lars Rolner

Seit Jahren beschäftigt sich der Skandinavier mit allem, was nicht in einen Seecontainer passt.

(Foto: PR)

So gesellte sich zur United Heavy Lift zunächst die United Wind Logistics hinzu, die sich ausschließlich um den Transport von Offshore-Windkraftanlagen kümmert. Ein Geschäft für Spezialisten. Die Generatoren, Flügel, Turmsektoren und tonnenschweren Fundamente gehen keineswegs nur an Windparks rund um Dänemark oder Schottland. Für einen Rostocker Hersteller lieferte Rolner vor Kurzem Stahltürme bis nach Taiwan, was die kleine Hamburger Reederei anschließend als logistischen Meisterakt feierte.

„Wir mussten verhindern, dass sich die runden Stahlrohre durch das hohe Eigengewicht und die Beschleunigungskräfte, die auf die Ladung einwirken, während der 40-tägigen Überfahrt zu einem Oval verformten“, berichtet Sohn Andreas, der im elterlichen Betrieb einen Teil der Verantwortung übernommen hat. „Es gab Zwangspausen wegen schlechten Wetters, die bis zu fünf Tage dauerten“, berichtet der 32-Jährige rückblickend.

Die Windkraft treibt den Hamburger Reeder derzeit weit nach vorne. Im Frühjahr nahm er mit Lars Bonnesen, 50, und Christian Monsted, 43, zwei dänische Landsleute mit an Bord, die sich zusammen mit 25 Prozent beteiligten. Die Expansion soll dies weiter befördern. Zudem verbündete er sich mit der norwegischen Reederei Fred. Olsen. Sie hilft mit ihren Spezialschiffen unter anderem, 740 Tonnen schwere Generatoren auf 150 Meter hohe Windmühlentürme im Meer zu montieren.

„Rolner hat sich in der Branche einen hervorragenden Namen gemacht“, sagt Seefahrtsexperte Max John, der lange Zeit den Verband Deutscher Reeder leitete und seit Kurzem als Professor an der Hamburg School of Business Administration lehrt. United Heavy Lift habe nur wenige Schiffe ins Eigentum übernommen, beobachtet er, und fahre mit der risikoarmen, sogenannten Asset-Light-Strategie dem Anschein nach erfolgreich.

Überprüfen lässt sich das derzeit kaum, weil die vier Einzelfirmen zwar eine Bilanz, nicht aber eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung veröffentlichen. Immerhin: Das Eigenkapital wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich, und Rolner versichert: „Alle vier Firmen schreiben schwarze Zahlen.“

Beträchtliche deutsche Konkurrenz

Dabei ist die Konkurrenz in Deutschland beachtlich. So hat sich die im ostfriesischen Leer residierende Briese Schiffahrt im vergangenen Jahr unmerklich an die Weltspitze manövriert, mit aktuell mehr als 140 Schwergutfrachtern. Der Bremer Wettbewerber Zeamarine, ein Zusammenschluss von Zeaborn und Rickmers-Linie, hat das Ziel ausgegeben, seine Mehrzweckflotte auf 100 Schiffe zu vergrößern. Derzeit zählt die Firma gut 80 solcher Frachter.

Vom mächtigen Wettbewerb aber dürfte der Däne profitieren, ist sich Maritim-Fachmann Johns sicher. „Es gibt am Standort Deutschland dadurch ein erhebliches Know-how“, sagt er.

Lars Rolner hat es längst angezapft. In seiner Tochterfirma United Engineering Solutions hat er die Zahl seiner Ingenieure von vier auf 51 ausgebaut. Die Fachleute konstruieren für ihn Hebeeinrichtungen für die Schwertransporte oder Rahmen für die empfindlichen Windkraftrotoren. In einer Schwesterfirma lässt Rolner neue Schiffsdesigns entwerfen, um den Schwerölverbrauch zu optimieren.

Im laufenden Jahr wird das Geschäft der sogenannten Mehrzweckfrachter noch einmal florieren, glaubt Susan Oatway, Analystin bei Drewrys in London. Die Schifffahrtsexpertin rechnet für 2018 mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA, aber auch der bevorstehende Brexit belasten ihrer Ansicht nach jedoch die weiteren Aussichten.
Überkapazitäten bergen in der Branche freilich gewaltige Risiken, wie 2011 das spektakuläre Ende der Bremer Reederei Beluga Shipping zeigte. Weil ihr Gründer Niels Stolberg die auf 69 Schwergutfrachter gewachsene Flotte nicht mehr auskömmlich beschäftigen konnte, frisierte er die Bilanzen. Die Pleite verhinderte das nicht, ebenso wenig wie eine dreieinhalbjährige Haftstrafe für den Unternehmer.

Noch aber sieht sich United-Heavy-Lift-Gründer Rolner auf der Gewinnerseite – und das buchstäblich: Einige von Stolbergs ehemaligen Schiffen fahren heute unter seiner Flagge.

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