Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Schwarz-Chef Klaus Gehrig Wie der „Killerwal“ versucht, das Geschäft von Kaufland und Lidl zu retten

Der Leiter der Konzernmutter Schwarz macht keinen Hehl daraus, die Discounter mit harter Hand zu führen. Doch das macht Chefsessel zu Schleudersitzen.
Kommentieren
In den Tochterunternehmen Lidl und Kaufland ist der Chef der Schwarz-Gruppe gleichermaßen geachtet und gefürchtet. Quelle: Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn
Klaus Gehrig

In den Tochterunternehmen Lidl und Kaufland ist der Chef der Schwarz-Gruppe gleichermaßen geachtet und gefürchtet.

(Foto: Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn)

DüsseldorfKlaus Gehrig wurde jüngst gefragt, ob es Lidl-Manager unter ihm schwerer haben als Kaufland-Führungskräfte. Schließlich leitete der Chef der Schwarz-Gruppe jahrelang selbst den Discounter Lidl. Seine Antwort war wohl als Scherz gemeint, aber sie kam überraschend ehrlich. „Es ist grundsätzlich für beide etwas schwieriger“, sagte er.

Wie herausfordernd es sein kann, in der Schwarz-Gruppe an führender Stelle zu arbeiten, zeigte sich jetzt wieder bei Kaufland. Firmenchef Patrick Kaudewitz, der seit Oktober 2015 versucht, den schwächelnden Großflächendiscounter komplett umzubauen, hat überraschend sein Amt aufgegeben.

„Aus persönlichen Gründen“, heißt es offiziell. Doch die Tatsache, dass es für den 55-Jährigen erst mal keinen Nachfolger gibt, zeigt, wie überstürzt die Entscheidung getroffen wurde.

Schwarz-Chef Gehrig ist in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden. Doch auch wenn er auf den ersten Blick mit seinem Strickpullover wie ein gemütlicher Großvater wirkt, ist bei ihm von Altersmilde keine Spur zu erkennen. Eher kürzer wird die Halbwertszeit von Führungskräften bei den Tochterunternehmen Lidl und Kaufland, eher größer scheint seine Ungeduld zu werden.

Zuletzt hatte es stärker die Kaufland-Schwester Lidl getroffen. Nachdem sich Gehrig vor zwei Jahren im Streit über den Modernisierungskurs von Lidl-Chef Sven Seidel getrennt hatte, verließen zahlreiche Führungskräfte das Unternehmen. Insbesondere im Digitalbereich gab es geradezu einen Kahlschlag.

„Ich bin nie zufrieden“, beschreibt Gehrig eines seiner Erfolgsgeheimnisse. „Diese innere Unruhe“ dürfe man nie verlieren. „Wer sie nicht mehr hat, wird morgen nicht mehr im Unternehmen sein.“ Doch was in der Vergangenheit eine Triebfeder für heilsame Veränderung war, könnte sich angesichts der sich verändernden Marktsituation zur Belastung entwickeln.

Gehrig, der seit Jahrzehnten der engste Vertraute des Eigentümers Dieter Schwarz ist und als Komplementär der Schwarz Unternehmenstreuhand KG im Konzern über fast unbeschränkte Macht verfügt, macht keinen Hehl daraus, dass er weiter voll und ganz auf das traditionelle stationäre Geschäft setzt.

Das zeigt sich wie im Brennglas bei Kaufland: Dort hat er im vergangenen Jahr das Experiment mit einem Online-Lieferdienst nach nur kurzer Zeit beendet. Nun will er rund 100 Real-Märkte übernehmen und das Filialnetz in einem weitgehend gesättigten Markt ausbauen.

Die Karriere bei Aldi gestartet

Dabei ist bei Kaufland der Druck ohnehin schon riesig. Gehrig hatte seinen Ziehsohn Kaudewitz dorthin beordert, um den schläfrig gewordenen Handelsriesen umzubauen. Kaudewitz hatte zuvor bei Lidl Karriere bis in den Vorstand gemacht und mancher im Unternehmen hatte ihn schon als möglichen Nachfolger von Gehrig gesehen.

Doch offenbar ging die Entwicklung bei Kaufland nicht schnell genug. Rund 660 Filialen allein in Deutschland mussten modernisiert werden, gleichzeitig wurde die Struktur des Unternehmens umgebaut. Das schlug sich auch in einer schwächeren Umsatzentwicklung nieder. Nun muss der Händler ausgerechnet in dieser schwierigen Phase, in der möglicherweise auch noch die Integration der Real-Märkte gestemmt werden muss, einen Chefwechsel verkraften.

Was es für alle Führungskräfte im Konzern nicht einfacher macht: Gehrig hat das Geschäft von der Pike auf gelernt und kümmert sich immer noch um viele Details. Seine Karriere hat er ausgerechnet beim schärfsten Rivalen Aldi begonnen. „Das waren die lehrreichsten Jahre meines Lebens“, sagt er selbst.

Die persönliche Leistung ist zwar wichtig, aber das System ist entscheidend. Man braucht ein bisschen Demut. Klaus Gehrig, Schwarz-Chef

Dabei ist er schon mit 28 Jahren in der hierarchischen Struktur bei Aldi so angeeckt, dass er zu Lidl wechselte. Rasch arbeitete er sich dort mit viel Ehrgeiz nach oben, wurde Vertriebsleiter, begleitete die Expansion nach Frankreich.

Seit 2004 ist er Chef der Schwarz Unternehmenstreuhand und damit auch Herr über Kaufland. Er hat die Schwarz-Gruppe zum viertgrößten Handelsunternehmen der Welt gemacht mit 400.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 100 Milliarden Euro.

Im Unternehmen ist er gleichermaßen geachtet und gefürchtet: Er kann Mitarbeitern eine ganz lange Leine lassen, scheut sich aber auch nicht vor raschen harten personellen Entscheidungen, wenn er den Erfolg des Unternehmens in Gefahr sieht.

„Die persönliche Leistung ist zwar wichtig, aber das System ist entscheidend. Man braucht da ein bisschen Demut“, betonte er Ende Februar auf den Retail Innovation Days an der Dualen Hochschule in Heilbronn. Es war einer der äußerst seltenen Auftritte des Managers, der sonst eher die Öffentlichkeit meidet.

Computer nutzt Gehrig nicht

In einem Interview mit dem „Spiegel“ hat er mal freimütig eingeräumt, dass sein Spitzname im Unternehmen „Killerwal“ ist. Er fand das aber nicht mal ehrenrührig, schließlich sei der Killerwal ein sehr soziales Wesen.

Und tatsächlich sprechen selbst Topmanager, die er vor die Tür gesetzt hat, mit größter Hochachtung von ihm. „Er versteht das Geschäft wie kein Zweiter“, schwärmt einer, der mal bei Lidl ganz an der Spitze war, „und er lässt seine Leute machen, so lange die Leistung stimmt.“

Doch so sehr er das Discountgeschäft lebt, so sehr fremdelt er mit der Digitalisierung. Er hat zwar ein Handy, aber das ist auch das einzige elektronische Gerät, das es in seinen Arbeitsalltag geschafft hat. Computer nutzt er nicht. Deshalb sagt er zwar immer wieder, wie wichtig die Technologie in Zukunft sein wird. „Ich brauche Menschen, die mir die Zeit, in der wir heute leben, verständlich machen“, bekennt er.

Zugleich aber stellt er die Technologie nicht in den Mittelpunkt, sondern trennt die digitalen Initiativen im Unternehmen streng vom Kerngeschäft, das nach dem herkömmlichen Modell weiterläuft.

„Uns läuft da nichts weg“, ist Gehrig überzeugt. Und so wird wohl der echte digitale Umbruch in der Schwarz-Gruppe erst von seinem Nachfolger vorangetrieben werden. Wer das sein wird, ist völlig offen.

Der „Killerwal“ hat seinen Vertrag gerade erst verlängert bekommen. „Solange es der Inhaber und die Gesellschafter mit mir aushalten, bin ich dabei“, verspricht er. Aber er sagt auch: „In den Köpfen der Gesellschafter ist meine Nachfolge so weit geregelt, dass kein Chaos ausbrechen würde, falls ich plötzlich nicht mehr da bin.“

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Schwarz-Chef Klaus Gehrig - Wie der „Killerwal“ versucht, das Geschäft von Kaufland und Lidl zu retten

0 Kommentare zu "Schwarz-Chef Klaus Gehrig: Wie der „Killerwal“ versucht, das Geschäft von Kaufland und Lidl zu retten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.