Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Schwarz-Gruppe Der Eigentümer von Lidl und Kaufland steht vor einem schwierigen Umbau

Mit seinen beiden Discountern hat Dieter Schwarz Europas größten Handelskonzern aufgebaut. Nun steht er vor der Herausforderung, sein Erfolgsmodell in die Zukunft zu übertragen.
Kommentieren
Der Discounter wächst derzeit vor allem international insgesamt um 8,8 Prozent. Quelle: ZB
Lidl-Schild

Der Discounter wächst derzeit vor allem international insgesamt um 8,8 Prozent.

(Foto: ZB)

Neckarsulm Es war eine besonders weitreichende unternehmerische Entscheidung, und sie war verbunden mit einem Investment in dreistelliger Millionenhöhe. Deshalb verließ sich Dieter Schwarz nicht auf die Einschätzung seiner Mitarbeiter, sondern machte sich selbst auf den Weg.

Um keine Zeit zu verlieren, nahm er den Helikopter. So schaffte es der 79-Jährige rechtzeitig, sämtliche 279 Real-Filialen in Deutschland persönlich in Augenschein zu nehmen. Erst dann gab der Eigentümer der Schwarz-Gruppe seine Zustimmung, sich als Partner des Immobilienunternehmens x+bricks um die Übernahme von bis zu 130 Filialen der angeschlagenen Supermarktkette zu bewerben. Und er hatte auch ganz genaue Vorstellungen, welche Häuser zu seiner eigenen Kette Kaufland passen könnten.

Zwar bekam das Konsortium um Kaufland zunächst nicht den Zuschlag für die Übernahme von Real. Eigentümer Metro entschied sich stattdessen, in exklusive Verhandlungen mit dem konkurrierenden Konsortium um das Immobilienunternehmen Redos einzutreten.

Doch die Episode sagt viel darüber aus, wie der Mann tickt, der innerhalb weniger Jahrzehnte aus einem kleinen Händler den größten Einzelhandelskonzern in Europa geformt hat.

Obwohl sich Dieter Schwarz schon 1999 aus allen Leitungsfunktionen zurückgezogen hat, kommt er immer noch täglich ins Büro. Und keine wichtige Entscheidung wird ohne seine Einwilligung getroffen. Alle drei bis vier Wochen erscheint der stets korrekt gekleidete Mann mit den halblangen, weißen Haaren und der randlosen Brille zur Lagebesprechung im Büro seines Statthalters Klaus Gehrig in der schmucklosen Zentrale in Neckarsulm.

„Aber dazwischen telefonieren wir auch oft“, verrät Gehrig, der als Komplementär die Schwarz-Gruppe operativ leitet. „Er ist operativ noch voll in den Themen drin“, sagt Gehrig. „In unserem Unternehmen ist spürbar, dass wir vom Inhaber geführt werden.“

Kein Wunder, ist doch der Konzern so, wie er sich heute präsentiert, ohne das Wirken von Dieter Schwarz nicht denkbar. Gegründet hat er ihn jedoch nicht.

Der Name war das Problem

Schon sein Urgroßvater August Schwarz besaß ein Kaufhaus in Heilbronn. Sein Vater Josef Schwarz trat 1930 als persönlich haftender Gesellschafter in die Lidl & Co. Südfrüchtehandlung ein. Diese Lebensmittelgroßhandlung, die sich später Lidl & Schwarz nannte, war die Keimzelle der heutigen Schwarz-Gruppe.

Den ersten Schritt in den Einzelhandel wagte Josef Schwarz schon 1968 mit der Eröffnung des ersten Verbrauchermarkts unter dem Namen Handelshof im schwäbischen Backnang. Daraus entstand später die Kette Kaufland.

Bei Lidl & Schwarz in Heilbronn startete auch Josefs einziger Sohn Dieter seine berufliche Karriere. Er absolvierte nach dem Abitur eine kaufmännische Lehre und wurde 1962 Prokurist im elterlichen Betrieb.

Der entscheidende Durchbruch kam 1973, als Dieter Schwarz in Ludwigshafen den ersten Discountmarkt eröffnete. Er war dazu inspiriert worden von den Supermärkten in den USA, wo er ein Jahr während seiner Schulzeit verbrachte. Aber auch die Brüder Karl und Theo Albrecht aus Mülheim waren mit ihren Aldi-Läden für ihn ein Vorbild.

Grafik

Das Problem jedoch war der Name. „Schwarz-Markt“ sollte er nicht heißen, das hätte die falschen Assoziationen geweckt. Aber an dem Namen Lidl hatte er keine ausreichenden Rechte. Doch Dieter Schwarz war kreativ: Er machte den pensionierten Lehrer Ludwig Lidl ausfindig, von dem er kurzerhand für 1.000 D-Mark die Namensrechte kaufte.

Mit unglaublicher Energie trieb er die Expansion der Lidl-Märkte voran, erst in Deutschland, ab 1988 auch im europäischen Ausland. Kongenial ergänzte ihn dabei Klaus Gehrig, den er vom schärfsten Rivalen Aldi Süd holte. Heute macht die Discountkette mit mehr als 10.000 Filialen in 30 Ländern einen Umsatz von 81,2 Milliarden Euro – rund vier Fünftel des Gesamtumsatzes der Schwarz-Gruppe.

Der Ehrgeiz als Schlüssel zum Erfolg

Im vergangenen Jahr ist die Gruppe um 7,4 Prozent gewachsen und hat erstmals die Umsatzmarke von 100 Milliarden Euro übersprungen. Großen Anteil daran hat das Auslandsgeschäft und da ganz besonders der Filialist Lidl, der weltweit um 8,8 Prozent zugelegt hat. „Mit Kaufland haben wir das Tal der Tränen noch nicht durchschritten, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagt Gehrig. So ist Kaufland nach schwachen Jahren immerhin wieder um 1,6 Prozent gewachsen.

Und auch Kaufland expandiert im Ausland. Bald wird Gehrig den ersten Markt in Australien eröffnen. Die Verbrauchermarktkette kommt dort nach eigenen Angaben gut voran. Rund 25 Flächen für Filialen sind schon gesichert, auch ein Standort für ein erstes Zentrallager ist gefunden.

Wohl auch, weil es bei Kaufland nicht so gut läuft wie bei der Konzernschwester Lidl, beobachtet Schwarz die Kaufland-Entwicklung sehr genau – das liegt nicht zuletzt daran, dass der Eigentümer als detailversessen gilt, wie ihn Weggefährten beschreiben, er ist Kaufmann durch und durch. „Er ist ein Zahlenmensch“, sagt der heutige Schwarz-Chef Gehrig über ihn – und meint das als Kompliment. Sein Antrieb? Den ewigen Rivalen Aldi zu überholen. „Der Grundgeist ist, dass wir nie zufrieden sind, da haben wir die gleiche Philosophie“, sagt der 70-jährige Gehrig.

Bereits 1930 steigt Schwarz in die Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein und benennt sie um in Lidl & Schwarz KG. Quelle: Lidl
Josef Schwarz

Bereits 1930 steigt Schwarz in die Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein und benennt sie um in Lidl & Schwarz KG.

(Foto: Lidl)

Dieser Ehrgeiz hat Dieter Schwarz zu einem der reichsten Menschen Deutschlands gemacht. Wie groß sein Vermögen tatsächlich ist, darüber gehen die Schätzungen allerdings auseinander. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ bezifferte sein Gesamtvermögen auf 39,5 Milliarden Euro. Das US-Magazin „Forbes“ dagegen führt ihn in seiner Jahresliste nur mit umgerechnet 18,4 Milliarden Euro.

Dieter Schwarz sagt dazu natürlich nichts. Ihm waren solche Ranglisten immer schon unangenehm. Und je erfolgreicher sein Unternehmen wurde, desto mehr verschwand Schwarz aus der Öffentlichkeit. Es existieren keine aktuellen Fotos von ihm, Interviews gibt er grundsätzlich nicht, der „Geheimniskrämer“ wird zu seinem Spitznamen in der Branche. Bekannt ist über sein Privatleben nur, dass er seit mehr als 50 Jahren mit seiner Frau Franziska verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, die aber im Unternehmen keine Rolle spielen.

Er agiert lieber im Hintergrund, beispielsweise über seine Dieter-Schwarz-Stiftung, an die er steuersparend 99,9 Prozent der Anteile der Schwarz-Gruppe übertragen hat. Über sie fördert er Kunst und Kultur in seiner Heimatstadt Heilbronn. So hat er den Bildungscampus Heilbronn finanziert und mit viel Geld eine Außenstelle der Technischen Universität München in die baden-württembergische Provinz gelockt.

Selbst als er 2007 die Ehrenbürgerwürde von Heilbronn verliehen bekommt, kann er durchsetzen, dass zu diesem Anlass keine Fotos von ihm veröffentlicht werden – weder von der Stadt noch in der Lokalpresse. Niemand in Heilbronn will riskieren, den größten Gönner der Stadt zu verärgern – zu wichtig sind die Millionen des Mäzens.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Viele Jahrzehnte ohne Pressestelle
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Schwarz-Gruppe - Der Eigentümer von Lidl und Kaufland steht vor einem schwierigen Umbau

0 Kommentare zu "Schwarz-Gruppe: Der Eigentümer von Lidl und Kaufland steht vor einem schwierigen Umbau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote