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Sears-Filiale in Schaumburg, Illinois

Unter Lamperts Ägide ist die Zahl der Läden von mehr als 4000 in den Hochzeiten auf zuletzt weniger als 900 gesunken.

(Foto: AFP)

Sears-Chef Edward Lampert Ein Hedgefonds-Manager spielt Einzelhändler – und scheitert spektakulär

Bei dem einstigen Riesen des Einzelhandels, Sears, sitzt mit Edward Lampert ein Finanzinvestor an der Spitze. Das Ergebnis ist katastrophal.
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New York Amazon-Gründer Jeff Bezos sagte in den 90er-Jahren, er wolle das „Sears im Internet“ werden. In den riesigen Kaufhäusern kauften die Amerikaner Spiele und Blue Jeans, aber auch Bohrmaschinen und Traktoren. Heute ist Amazon der größte Onlinehändler der Welt und der US-Einzelhändler Sears nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Läden sind meist schäbig und leer.

Wer den Grund für den Niedergang der 125 Jahre alten Kette sucht, darf nicht nur auf den Erfolg von Amazon schauen, sondern auch auf den 55-jährigen Hauptaktionär und amtierenden CEO: Edward Lampert. Der Hedgefonds-Manager kontrolliert seit 14 Jahren die Geschicke des Unternehmens. Das einstige Wunderkind der Finanzwelt ist eine der umstrittensten Gestalten an der Wall Street.

Der öffentlichkeitsscheue Investor gründete bereits mit 25 Jahren seinen ersten Hedgefonds, nachdem sein Chef bei Goldman Sachs wegen Insiderhandels verhaftet worden war. Mit einigen erfolgreichen Investitionen wie in den Kfz-Ersatzteil-Lieferanten Autozone und den Autohändler Autonation sowie den Industriekonzern Honeywell sorgte er für Furore. Auch heute noch verwaltet er das Geld mancher Milliardäre wie zum Beispiel das von Michael Dell.

2003 übernahm er mit seinem Hedgefonds ESL den Einzelhändler Kmart aus der Insolvenz. Ein Jahr später kam Sears hinzu, und er fusionierte die beiden Unternehmen. Lampert selbst sicherte sich den Posten des Chairmans des Verwaltungsrats, in dem auch der Investor und heutige Finanzminister Steven Mnuchin saß.

2013 übernahm Lampert zusätzlich den Vorstandsvorsitz des Unternehmens, das er meist von Florida aus leitet, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt. In der Zentrale in Chicago lässt er sich nur selten blicken. Manche führen seine Diskretion darauf zurück, dass er vor 15 Jahren von Kriminellen für ein Wochenende entführt und wieder freigelassen wurde.

Die Absichten des einstige Wunderkinds von der Wall Street bei Sears sind schwer zu durschauen. Quelle: Imago
Edward Lampert

Die Absichten des einstige Wunderkinds von der Wall Street bei Sears sind schwer zu durschauen.

(Foto: Imago)

Unter Lamperts Ägide ist die Zahl der Sears- und Kmart-Läden von mehr als 4000 in den Hochzeiten auf zuletzt weniger als 900 gesunken. Weitere 100 sollen demnächst schließen. 100 000 Menschen haben ihren Job verloren. Der Aktienkurs liegt heute nur noch bei einem Hundertstel von dem im Jahr 2006.

5,5 Milliarden Dollar Verlust

Setzte Sears im Jahr 2006 noch 53 Milliarden Dollar um, waren es 2017 nur noch 15 Milliarden. Allein in den vergangenen vier Jahren hat Lampert 5,5 Milliarden Dollar Verlust eingefahren. Im zweiten Quartal ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf nur noch 3,1 Milliarden gefallen. Der Verlust lag bei einer halben Milliarde. Analysten verfolgen die Aktie nicht mehr.

Steven Dennis, Gründer der Einzelhandelsberatung SageBerry und Ex-Manager von Sears und Neiman Markus, räumt ein, dass der Niedergang von Sears schon vor Lampert begonnen hatte. Lampert habe dann als Branchenneuling ein paar kolossale Fehler begangen. So habe er etwa unprofitable Produkte aus dem Sortiment genommen, auch wenn diese die Kunden oft in die Läden lockten. Auch die Idee, verschiedene Kategorien gegeneinander konkurrieren zu lassen, erwies sich als falsch.

„Ich bin nicht sicher, ob jemand anderes Sears hätte retten können“, sagt Dennis. „Aber er hat eine schreckliche Arbeit geleistet und es damit viel schneller viel schlimmer gemacht“, sagt der Berater, der schon in den kommenden Quartalen mit einer Insolvenz rechnet. Tatsächlich ist die finanzielle Lage schon seit Jahren so prekär, dass eine Insolvenz immer wahrscheinlicher wird.

Zuletzt hat Lampert wieder von sich reden gemacht, als er mit seinem Hedgefonds 400 Millionen Dollar geboten hat, um den Haushaltsgerätehersteller Kenmore von Sears zu kaufen. Kenmore steht seit Jahren zum Verkauf, hatte aber keinen Käufer gefunden. „Das ist ein Akt der Verzweiflung, um die Investoren zu beruhigen“, kommentiert Berater Dennis die Offerte für Kenmore. Andere sehen noch ganz andere Absichten Lamperts. So vergibt der Investor etwa selbst Kredite an Sears und lässt sich diese durch Immobilien absichern.

Zu Lamperts größten Kritikern gehört der ehemalige Vorstandschef von Sears Canada, Mark Cohen, der heute an der Columbia University lehrt. Cohen glaubt, dass Lampert Sears nur noch am Leben hält, um davon zu profitieren. Alles mit dem Segen des Boards, das aus seinen engen Vertrauten besteht.

Tatsächlich ist Lampert an der Immobilienfirma Seritage beteiligt, die Sears-Immobilien aufkauft und in profitablere Bürogebäude verwandelt oder auch an Sears zurückvermietet. 117 Millionen Dollar flossen im vergangenen Jahr in Form von Miete von Sears an Seritage.

Schuld der Rentner

Mit dem Kenmore-Verkauf würde das Unternehmen 400 Millionen Dollar Cash erhalten, kommentiert Cohen im Gespräch mit dem Handelsblatt. So würde Sears länger solvent bleiben, „und Seritage kann weiter Miete kassieren und Lampert weitere hypothekenfreie Immobilien abstoßen“.

Ob Lampert durch seine Finanzakrobatik letztlich doch mit einem Plus aus dem Sears-Abenteuer herauskommt, wenn die Kette pleitegeht? Das sei noch unklar, meint Cohen. „Er wird den Wert des Eigenkapitals verlieren“, sagt der Uni-Professor. Aber das müsse man gegen seine Gewinne aufrechnen, die er durch „Spezialdividenden realisiert hat, durch den Wert der Immobilien, die er als Sicherheiten für Kredite an das Unternehmen benutzt hat, und durch den Wert seiner Beteiligung an Seritage“, sagt Cohen.

Und was sagt Lampert selbst? Anfragen bleiben unbeantwortet. Aber auf seinem Blog hat er die Schuldigen ausgemacht: Er gibt den Rentnern die Schuld. In den vergangenen fünf Jahren hätte Sears zwei Milliarden für die Altersversorgung ehemaliger Mitarbeiter zahlen müssen. Ohne diese Zahlungen „wären wir in einer besseren Lage“, schreibt der Finanzprofi, dem die Rentenverpflichtungen zum Zeitpunkt der Übernahme durchaus bekannt waren.

Sears bietet Reifenwechsel für Kunden an, die ihre Reifen auf Amazon geordert haben. Amazon sollte einst das Sears im Internet werden. Jetzt ist Sears der Reifenwechsler von Amazon.

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