Shivinder und Malvinder Singh Familienstreit bringt indische Dynastie an den Rand des Ruins

Die Singh-Brüder gehörten einst zu den reichsten Indern. Nun ist ihr Firmenreich in Gefahr. Die Suche nach den Gründen führt zu einem Guru.
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Die beiden Brüder streiten über Schulden aus dem Verkauf des Pharmakonzerns Ranbaxy. Quelle: Getty Images
Shivinder und Malvinder Singh

Die beiden Brüder streiten über Schulden aus dem Verkauf des Pharmakonzerns Ranbaxy.

(Foto: Getty Images)

Die Brüder gehörten einst zu den reichsten Indern. Nun ist ihr Firmenreich in Gefahr. Die Geschwister sind tief zerstritten. Die Suche nach den Gründen führt zu einem Guru. Familienangelegenheiten und Geschäftliches miteinander zu vermischen hat den Brüdern Shivinder und Malvinder Singh in der Vergangenheit nicht viel Glück gebracht.

Jetzt wollen es die ehemaligen Milliardäre aber noch ein letztes Mal versuchen. Es geht um den rasanten Fall eines indischen Familienkonzerns, der eine der ehemals reichsten Unternehmerdynastien des Landes um ihr Vermögen brachte. Der Schaden ist immens. Nun geht es nur noch um die Frage: Wer hat Schuld?

Im Streit über den Firmenkollaps haben sich die beiden Brüder entzweit. Der 43 Jahre alte Shivinder wirft seinem zwei Jahre älteren Bruder vor, durch Missmanagement die Misere verantwortet zu haben. Er leitete deshalb Anfang September juristische Schritte gegen Malvinder ein. Nun hat sich aber die Mutter der beiden in den Konflikt eingeschaltet. Sie konnte Shivinder davon überzeugen, seine Klage zunächst zurückzuziehen. Stattdessen soll der Ältestenrat der Familie schlichten.

Shivinder und Malvinder Singh sind die Enkel des Unternehmers Bhai Mohan Singh, der den indischen Pharmakonzern Ranbaxy gegründet hatte und 2006 starb. Zwei Jahre später verkauften die Brüder ihre Anteile an dem Generikahersteller für mehr als zwei Milliarden Dollar an die japanische Pharmafirma Daiichi Sankyo.

Den Erlös steckten sie in die Expansion ihrer verbliebenen Unternehmen – den Krankenhausbetreiber Fortis und den Finanzdienstleister Religare. Doch wegen Rechtsstreitigkeiten um den Ranbaxy-Verkauf schulden die Singhs den Japanern 500 Millionen Dollar. Auch ihre beiden Firmen häuften zuletzt Schulden an, die sie nicht mehr bedienen können. Sie verloren die Kontrolle der Unternehmen an ihre Gläubiger.

Indische Behörden wurden auf den Fall aufmerksam. Sie leiteten Ermittlungen mit Blick auf mögliche finanzielle Unstimmigkeiten ein. Ein Investor wirft den Brüdern vor, Hunderte Millionen Dollar abgezweigt zu haben. Die Brüder beteuerten lange, nichts Illegales getan zu haben.

Doch nun erhebt auch Shivinder Vorwürfe. Er behauptet, mit den operativen Geschäften in den vergangenen Jahren nichts zu tun gehabt zu haben, vielmehr habe er lange still zugesehen, um den Ruf seiner Familie nicht zu gefährden, schrieb er in einer Stellungnahme. Nun könne er aber nicht länger bei einer Sache mitmachen, „bei der Transparenz und Ethik andauernd und konsequent missachtet würden“.

Ein Guru als Ersatzvater

Shivinder wirft seinem Bruder und einem langjährigen Manager vor, Unterschriften gefälscht und unerlaubte Transaktionen getätigt zu haben. Pikant ist, wohin das Geld offenbar floss: Über ein Firmengeflecht sollen Hunderte Millionen Dollar, zum Teil als zinsfreie Darlehen, an den Guru Gurinder Singh Dhillon geflossen sein, der in Nordindien eine Sekte mit Zehntausenden Anhängern anführt. Er ist der Cousin der Mutter der Singh-Brüder.

Das Geschwisterpaar sah in ihm eine Art Ersatzvater, nachdem ihr leiblicher Vater 1999 gestorben war. Er übte offenbar großen Einfluss auf die Brüder aus. Die Beziehung zu Dhillon, der ihr spiritueller Führer sei, bezeichneten die Singhs noch kürzlich als ein Privileg.

Trotz der finanziellen Turbulenzen scheint das Verhältnis zu dem Guru noch intakt zu sein. Als er das Verfahren gegen seinen Bruder begründete, wehrte sich Shivinder Singh gegen Medienberichte, die Dhillon als zentrale Figur in der Misere beschrieben: „Er stand immer an unserer Seite“, teilte Shivinder mit. Die Berichte seien der Versuch, einer angesehenen Persönlichkeit die Schuld an Fehlentscheidungen zu geben.

Shivinder gilt laut indischen Medien als wahrscheinlicher Nachfolger von Dhillon an der Spitze der Sekte. Sollte sich der Verwandtschaftsstreit nicht noch weiter ausweiten, dürfte zumindest diese Organisation in Familienhänden bleiben.

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