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Sicherheit auf hoher See Mittelständler Frisch will Sicherungssysteme für Offshore-Windparks entwickeln

Seit Jahrzehnten rüstet die Peter Frisch GmbH Profisegler aus. Jetzt will sie ein neues Standbein aufbauen – und dringt in schwieriges Terrain vor.
05.01.2021 - 15:59 Uhr Kommentieren
Turbinen wie diese in der Nordsee stehen manchmal mehr als 100 Kilometer von der Küste entfernt. Die Bergung verunglückter Mitarbeiter ist eine logistische Herausforderung – und zeitkritisch. Quelle: Reuters
Windkraft vor Borkum

Turbinen wie diese in der Nordsee stehen manchmal mehr als 100 Kilometer von der Küste entfernt. Die Bergung verunglückter Mitarbeiter ist eine logistische Herausforderung – und zeitkritisch.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die Firma Frisch aus München unterstützt dieser Tage ein besonders spannendes Projekt: Sie sponsert Boris Herrmann – einen Segelprofi, der dieses Jahr als einziger Deutscher an der Vendée Globe teilnimmt, der härtesten Segelregatta der Welt. Herrmann erhält von Frisch Funktionskleidung, von der Thermalwäsche bis zur Außenschicht.

Doch das Mittelstandsunternehmen ist nicht nur auf Kleidung spezialisiert, sondern auch auf Seilklemmen, Haken und Sicherungssysteme. Und es versorgt nicht allein Segler mit dem notwendigen Equipment. Für das kommende Frühjahr hat das Unternehmen einen Plan, der das Wissen und die Produkte der Firma in einen Wachstumsmarkt einbringen soll und auch politisch von großer Bedeutung ist: Frisch hat vor, Sicherungs- und Rettungssysteme für Offshore-Windparks zu entwickeln.

Die einfache Überlegung: Wenn mehr gebaut, geklettert und gewartet wird, passieren mehr Unfälle. Frisch-Geschäftsführer Hubertus Jürgens sagt, der Ausbau der Windenergie erfordere neue Konzepte, um auf Nord- und Ostsee bergen zu können. Die Rettung eines verletzten Mitarbeiters im Turm einer Anlage Dutzende Kilometer vor der Küste sei „wahnsinnig komplex“. Beispielsweise fliege ein Hubschrauber „nur bei guter Sicht“, sonst sei man auf den Wasserweg per Schiff angewiesen.

Hubertus Jürgens führt das Unternehmen erst seit Kurzem: Im vergangenen Jahr haben die Gründer Peter Frisch und Eddy Eich die Firmenleitung an ihn übertragen. Die Übergabe mitten in der Coronakrise sei zwar „ein bisschen durcheinander“ gewesen, sagt Jürgens.

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    Frisch aber, der Jürgens weiter als Berater zur Seite steht, fällt dazu ein Spruch seines Vaters ein, des vor 30 Jahren gestorbenen Schriftstellers Max Frisch: „Die Krise hat etwas unheimlich Produktives, wenn man den Beigeschmack der Katastrophe weglässt.“

    Zuständigkeiten noch unklar

    Tatsächlich scheint dieses Motto auf die Firma Frisch zuzutreffen. Denn in der Krise reagierte sie nicht nur mit zeitweiser Kurzarbeit und einem Zwei-Schichten-Betrieb zur Vermeidung von Ansteckungen, sondern eben auch mit dem Vorstoß ins Offshore-Geschäft. Dabei nutzt sie ihr Wissen aus dem Bereich der Seerettung. Außerdem fließen auch Erfahrungen aus dem Bereich der Berg- und Pistenrettung ein.

    Hubertus Jürgens (li.), der schon als Schüler in der Firma arbeitete, hat die Firmenleitung von Gründer Peter Frisch übernommen. Quelle: PR
    Neu im Amt

    Hubertus Jürgens (li.), der schon als Schüler in der Firma arbeitete, hat die Firmenleitung von Gründer Peter Frisch übernommen.

    (Foto: PR)

    Noch etwas unklar ist indes die Sachlage in dem neuen Bereich. Denn obwohl die ersten Windkrafträder im Wasser schon vor vielen Jahren den Betrieb aufgenommen haben, arbeitet das Bundesverkehrsministerium nach wie vor an einer Sicherheitsarchitektur, die dem Ausbau der Windenergie auf See Rechnung trägt.

    Verantwortlich für konkrete Sicherheitsvorkehrungen ist zwar der Betreiber. Die „Verkehrssicherung“ zu Wasser und in der Luft ist allerdings gleichzeitig eine hoheitliche Aufgabe des Staates. In welcher Notlage wer zuständig ist, also wann der Betreiber selbst und wann eine staatliche Stelle eingreifen muss, ist laut Bundeswirtschaftsministerium noch nicht abschließend geklärt.

    Die Partnerschaft von Frisch mit dem Segler Boris Herrmann dürfte von den neuen Plänen kaum beeinträchtigt werden. Sie hält bereits seit 20 Jahren. Herrmann hat bei der Vendée Globe nach Weihnachten mehrere Plätze verloren, ist aktuell Zehnter von 27 verbliebenen Skipperinnen und Skippern.

    Der Schnellste braucht voraussichtlich noch knapp drei Wochen, entlang der südamerikanischen Küste, bis zum Start- und Zielhafen in Frankreich.

    Auf hoher See hat auch Firmenchef Jürgens bereits eigene Erfahrungen gemacht. Einmal habe er mit Freunden in 22 Tagen den Atlantik überquert. So ein Trip lehre „eine gewisse Demut und Respekt, aber auch strategische Planbarkeit“, die sich aufs Geschäftsleben übertragen ließen, sagt Jürgens.

    Er ist überzeugt: „Mannschaft und Boot müssen vorbereitet sein auf raues Wetter, da sollte man nicht erst handeln, wenn es zu spät ist.“

    Mehr: „Insgesamt unzureichend“: Grüne und Verbände üben scharfe Kritik an EEG-Novelle.

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