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Simon Messner

Die Liebe zu den Bergen hat er von seinem weltberühmten Vater.

(Foto: simon-messner.com )

Simon Messner Der Sohn von Reinhold Messner will den Bergfilm neu erfinden

Der 28-jährige Simon Messner hat mit seinem Vater in Bozen eine Filmproduktion gegründet. Sie wollen dem Genre zu einer Renaissance verhelfen.
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BozenGraues T-Shirt, blonder Wuschelkopf, Vollbart – Simon Messner entspricht nicht gerade dem typischen Bild eines klassischen Filmproduzenten. Tatsächlich ist der 28-Jährige, dessen Ähnlichkeit zu Vater Reinhold Messner unverkennbar ist, hier, am Rande der Alpen, ein Exot: Es sind die Tage der Filmmesse Incontri der Südtiroler Filmförderung IDM, und im Vergleich mit all den erfahrenen Managern von Netflix, Sky, ARD und ORF ist Simon Messner ein unbescholtener Novize.

„Es gibt hier noch so viel zu lernen“, schrieb er also in das Gästebuch der hochkarätigen Filmkonferenz. Aber bei aller Bescheidenheit verfolgt Simon Messner ambitionierte Pläne: Gemeinsam mit seinem weltberühmten Vater will er den Bergfilm quasi neu erfinden. „Wir kommen vom Bergsteigen, um Bergfilme zu machen“, sagt er. Meist ist es umgekehrt. Doch ihre Perspektive verstehen die Messners als Wettbewerbsvorteil.

In Bozen haben die beiden vor zwei Jahren die Messner Mountain Movie GmbH gegründet. „Die Idee kam vom Reinhold, als ich an meiner Abschlussarbeit zur Molekularbiologie schrieb“, erzählt Simon Messner. Der Anstoß kam ihm gerade recht, schon direkt nach dem Studium konnte sich der durchtrainierte Alpinist nicht vorstellen, sein ganzes Berufsleben in einem aseptischen Versuchslabor zu verbringen.

Nun leiten Vater und Sohn gemeinsam als Geschäftsführer das Familienunternehmen, das seinen Sitz im eher unromantischen Teil der Südtiroler Hauptstadt hat.

„Wir beflügeln uns gegenseitig“, sagt Simon Messner. „Ich habe eher einen technischen Zugang, während Reinhold die Geschichte und das Wissen mitbringt und die Produktionen bis zum Ende durchdenkt.“

Reinhold Messner ist der strategische Kopf. Die Zusammenarbeit mit seinem berühmten Vater nennt der Filius zwar unumwunden „schwierig“, präsentiert allerdings sofort die Lösung: „Wenn jeder seinen Bereich hat und vertritt, funktioniert das aber gut.“

Selbst produzieren – und vertreiben

Die Begeisterung für die Berge hat der Südtiroler auf jeden Fall von seinem heute 74-jährigen Vater. Schon als er ein kleiner Junge war, brachte ihm die Bergsteigerlegende das Klettern bei. Heute trennen sich aufgrund des großen Altersunterschieds ihre Wege am Berg.

Zuletzt war Simon Messner in Patagonien entlang der Grenze zwischen Chile und Argentinien unterwegs, im Sommer soll es dann nach Pakistan in das Karakorum-Gebirge mit spektakulären Bergen wie dem K2 gehen. Seine Reisen sind allerdings kein reines Ferienvergnügen, sondern Teil eines neuen Filmprojekts der Messner-Familie. Details will der in Meran lebende Jungproduzent aber noch nicht verraten.

Er und sein Vater sind nicht neu im Filmgeschäft. In Koproduktion und stets unter Regie von Reinhold Messner entstanden Dokudramen wie „Still alive – Das Drama am Mount Kenya“ (2016), „Ama Dablam – Der heilige Berg“ (2017) und „Mount Everest – Der letzte Schritt“ (2017). Künftig wollen die Messners ihre Filme allein produzieren und vertreiben.

Aber: „Wir wollen erst produzieren und erst dann verkaufen“, sagt Simon Messner. „Im Vorfeld wollen wir uns nicht von einem Sender reinreden lassen. Wir schneiden den Film selbst fertig.“ In der Regel sind Sender und Verleiher frühzeitig in Herstellungsprozesse eingebunden.

Der Bergfilmexperte Martin Kaufmann, der Programmdirektor des Film Festival Bozen ist, räumt den Filmen durchaus Business-Chancen ein: „Für das Kino werden die eigentlich nicht produziert, sondern für die Bergfilmfestivals und für das Fernsehen und weitere digitale Vermarktung. Und da hat die Marke Messner natürlich ihren Platz.“

Nichtsdestotrotz geht es den Messners auch darum, dem Bergfilm zu einer Renaissance verhelfen. „In unseren Filmen spielt der Berg die Hauptrolle, nicht der Mensch“, sagt Simon Messner. „Wir drehen daher in den Wänden selbst und nicht in den Studios.“ Bei Produktionen setzen sie zum Beispiel immer noch auf den teuren Helikopter und nicht ausschließlich auf Drohnen.

„Die stärksten Bilder am Berg werden vom Hubschrauber gemacht“, sagt der Sohn bestimmt. Auch dem Vater attestieren Weggefährten Geschäftssinn. „Das Medium Film ermöglicht es ihm zudem, sich auf eine für ihn herausfordernde und neue Art und Weise mitzuteilen“, sagt die Südtiroler Filmförderin Birgit Oberkofler. „Er liebt Herausforderungen, ist unglaublich aktiv, zielstrebig und selbstbestimmt.“

Ein Familienimperium

Auf die Unterstützung der Heimat können sich die Messners verlassen. Die Südtiroler Filmförderung IDM unterstützt ihre beiden Projekte „Die Große Zinne“ und „Mord am Unmöglichen“ mit 110 000 Euro beziehungsweise 150 000 Euro. Das Dokudrama „Die Große Zinne“, dessen Produktionskosten nach Unternehmensangaben bei 300.000 Euro liegen, soll zuerst in Südtirol im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Aufhänger ist die Erstbesteigung der Großen Zinne vor 150 Jahren. „Mord am Unmöglichen“ ist ebenfalls ein historisches Projekt, das vom österreichischen Sender Servus TV ausgestrahlt wird. Die Trilogie erzählt kritisch die 250-jährige Geschichte des Alpinismus, von der Erstbesteigung des Montblancs 1786 bis zum Bergsteigerstau am Gipfel des Mount Everest.

Nun wird Reinhold Messner, der auf Schloss Juval im Vinschgau und in Meran lebt, im September 75 Jahre alt – ein Alter, in dem andere an Ruhestand denken. Doch der Sohn sagt: „Reinhold braucht die Beschäftigung. Er wächst mit den Herausforderungen.“ So hat der weltberühmte Bergsteiger mittlerweile ein Familienimperium geschaffen.

Tochter Magdalena, 31-jährige Kunstwissenschaftlerin, kümmert sich um die Geschäftsführung der sechs Museen, deren spektakuläre Sammlungen nicht öffentlich gefördert werden. Und so wie die Messners keine Angst vor hohen Bergen haben, scheuen sie das finanzielle Risiko im volatilen Filmgeschäft. „Wir gehen das Risiko bewusst ein. Doch wir sind uns sicher, die Marke Reinhold Messner hilft bei der Verwertung unserer Nischenproduktionen“, sagt Simon Messner.

Tatsächlich könnte man die jüngste Oscar-Auszeichnung von „Free Solo“ als besten Dokumentarfilm als Beleg dafür werten, dass das Genre Konjunktur hat. Bergfilmexperte Kaufmann hingegen sagt: „In letzter Zeit kamen Bergfilme wie ,Manaslu‘ oder ,Free Solo‘ auch im Kino. Ich bin allerdings der Meinung, dass es eher eine Nische bleiben wird.“ Aber die Messners bauen nicht notgedrungen auf Kino- und Fernsehverwertung. „Wir können uns auch vorstellen, mit dem Film herumzureisen“, sagt der Sohn. Im Zweifel könnte der Vater die Filmtour begleiten, um die Säle mit Zuschauern zu füllen.

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