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Sir Frederick Barclay Ein 85-jähriger Milliardär verklagt seinen Zwillingsbruder

Der Unternehmer wurde über Monate belauscht. Der Prozess gewährt Einblicke in das Leben einer der verschwiegensten Familien Großbritanniens.
26.02.2020 Update: 05.03.2020 - 17:15 Uhr Kommentieren
Die Zwillinge, hier bei ihrer Ernennung zu Rittern im Jahr 2000, sind so verschwiegen, dass es keine aktuellen Fotos von ihnen gibt. Quelle: ROTA/CAMERA PRESS/laif
Sir David (l.) und Sir Frederick Barclay

Die Zwillinge, hier bei ihrer Ernennung zu Rittern im Jahr 2000, sind so verschwiegen, dass es keine aktuellen Fotos von ihnen gibt.

(Foto: ROTA/CAMERA PRESS/laif)

London Das aktuellste Foto von Frederick und David Barclay ist mehr als 19 Jahre alt. Es zeigt die beiden Zwillingsbrüder im November 2000 nach ihrem Ritterschlag durch Queen Elizabeth II. Sie lächeln und halten ihre Orden in die Kamera. Sie seien gut gelaunt, sagten sie damals dem „Daily Telegraph“ in ihrem ersten Interview seit 30 Jahren. Danach verschwanden sie wieder aus der Öffentlichkeit.

Die Brüder verschwiegen zu nennen, wäre eine Untertreibung. Umso größer ist daher in diesen Tagen die Überraschung, dass ausgerechnet diese beiden Milliardäre ihre schmutzige Wäsche nun öffentlich vor Gericht ausbreiten. Sir Frederick, 85, und seine einzige Tochter Amanda, 41, sind die Kläger vor dem Londoner High Court. Angeklagt sind drei Söhne und ein Enkel von Sir David – wegen Vertrauensbruch und Verletzung der Privatsphäre.

Davids Söhne Aidan, Howard und Alistair sollen ihren Onkel Frederick monatelang bei privaten Gesprächen abgehört haben – und zwar im berühmten Palmengarten des familieneigenen Luxushotels Ritz, wo der Senior gern eine Zigarre rauchte und mit seiner Tochter redete. Die Sache flog auf, als Alistair Barclay abends am 13. Januar beim Hantieren mit einer Abhöreinrichtung gefilmt wurde.

Der Familienstreit bietet Einblicke in die geheimnisvolle Familie. Bruder gegen Bruder, Cousins gegen Cousine, auf dem Spiel stehen Milliarden. Die Abhöraktion ist nur der Anlass, der zur Eskalation führte. Im Hintergrund wird schon länger erbittert um das Erbe gekämpft. Es geht darum, welche Teile des Familienimperiums zu welchem Preis verkauft werden.

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    Neben dem Ritz besitzt die Familie unter anderem den Kataloghändler Very, den Lieferdienst Yodel, die Tageszeitung „Daily Telegraph“ und das Wochenmagazin „The Spectator“. Für die beiden Titel war auch Premierminister Boris Johnson jahrelang als Journalist tätig. Mit der britischen Großbank Barclays haben die beiden Brüder trotz des gleichen Namens hingegen nichts zu tun.

    Londoner Ritz 2019 zum Verkauf angeboten

    Diese Woche erhöhte Kläger Frederick den Einsatz. In einem Statement warnte er die Familie seines Bruders, dass das Ritz nicht unter Preis verkauft werden dürfe. Er habe mehrere Angebote über mehr als eine Milliarde Pfund erhalten, teilte er mit. „Ein Verkauf unter dem vollen Wert würde zu weiteren Klagen führen. Das wäre bedauerlich.“

    Der Patriarch betonte, wie stolz er auf das Ritz sei, „seit ich persönlich 1995 einen Scheck über 7,5 Millionen Pfund als Anzahlung unterschrieben habe“. Die 450 Angestellten machten einen fantastischen Job. Laut den neuesten Zahlen hat sich der Gewinn im Jahr 2018 jedoch auf sieben Millionen Pfund halbiert.

    Die Familie hatte die 114 Jahre alte Londoner Ikone 2019 zum Verkauf angeboten. Laut Medienberichten hat ein saudischer Investor 750 Millionen Pfund für das Fünf-Sterne-Haus am Piccadilly geboten. Offenbar sind Aidan und Howard Barclay, die die Familienfirma Ellerman Investments führen, bereit, über das Angebot zu reden.

    Sir Frederick und seine Tochter Amanda können die Verwandten am Verkauf nicht hindern. Die beiden Zwillingsbrüder haben schon seit längerem keine Anteile am Geschäft mehr. Und Fredericks Tochter Amanda hält nur 25 Prozent und kann von ihren Cousins überstimmt werden. Im Januar war sie zudem von ihren Verwandten aus dem Aufsichtsrat in mehreren Familienfirmen entfernt worden, darunter auch das Ritz.

    Sir Frederick, der zehn Minuten jüngere Zwilling, will offenbar nicht akzeptieren, dass seine Tochter so an den Rand gedrängt wird. Er zeigte sich auch „zutiefst betrübt“ über die Verletzung seiner Privatsphäre. Er hoffe, dass man die Angelegenheit lösen und nach vorn blicken könne.

    Die Brüder wurden 1934 im Westlondoner Stadtteil Hammersmith geboren. Sie wuchsen als zwei von zehn Geschwistern auf. Als sie zwölf Jahre alt waren, starb ihr Vater. Mit 16 stiegen sie als Maler ins Berufsleben ein. Später eröffneten sie einen Süßwarenladen.

    Brüder haben sich angeblich seit Jahren nicht gesehen

    Der Grundstein für ihr Vermögen wurde gelegt, als David Zoe Newton heiratete, eines der bestbezahlten Models des Landes. Mit dem Geld stieg David ins Immobiliengeschäft ein, später stieß Bruder Frederick dazu. In den 1970er-Jahren besaßen die Brüder bereits mehrere Londoner Hotels in besten Lagen. Ihr Vermögen vermehrte sich wie im Spiel Monopoly. Sie kauften Zeitungen und expandierten in andere Branchen. Heute wird ihr Vermögen auf mehrere Milliarden Pfund geschätzt.

    1993 kauften die Brüder die kleine Kanalinsel Brecqhou, die von der Nachbarinsel Sark aus verwaltet wird. Dort errichteten sie für 27 Millionen Pfund ein neugotisches Schloss mit Türmen, Zinnen und Hubschrauber-Landeplatz. Jeder hatte seinen eigenen Wohnbereich, auf der abgeschiedenen Insel waren sie vor Paparazzi sicher.

    Inzwischen lebt Sir David allein auf dem Schloss. Einen Teil des Jahres verbringt er zudem – ebenso wie sein Bruder – in Monaco. Die Brüder haben sich Berichten zufolge seit Jahren nicht gesehen. Sie sind berüchtigt für ihre Prozesslust, bisher richtete sie sich allerdings gegen Außenstehende.

    Das hat sich nun geändert. Der Prozess vor dem Londoner High Court macht die tiefe Kluft zwischen den beiden Zweigen der Familie öffentlich. Es gebe zu diesem Zeitpunkt bereits weitreichende Beweise, dass das Abhören von Gesprächen im Ritz eine Fülle an vertraulichen Geschäftsinformationen ergeben habe, sagte der Richter vergangene Woche. Die Gespräche hätten sich um mögliche Veräußerungen des Familienbesitzes gedreht.

    Neben dem Ritz steht auch die Telegraph-Gruppe zum Verkauf. Die Brüder hatten die Zeitungen 2004 für 665 Millionen Pfund gekauft. Die Auflagen sind im freien Fall, und alle Titel machen Verluste. Deshalb müsste die Familie wohl deutliche Verluste gegenüber dem ursprünglichen Kaufpreis hinnehmen. Beobachter schätzen den Wert auf nur noch 200 Millionen Pfund. Ein salomonischer Beobachter käme wohl zu dem Urteil: Das sollte immer noch für alle Erben reichen.

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