Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Software-Start-up Die Synaos-Gründer: Die Herren über das Chaos

Mit ihrer Industriesoftware stoßen die Jungunternehmer auf großes Interesse. Nun zieht Swoodoo-Gründer Lars Jankowfsky in den Beirat ein.
Kommentieren
Ein Angebot aus den USA haben die Jungunternehmer abgelehnt. Quelle: Synaos
Synaos-Gründer (v.l.) Lennart Bochmann, Tobias Gagern, Wolfgang Hackenberg

Ein Angebot aus den USA haben die Jungunternehmer abgelehnt.

(Foto: Synaos)

Düsseldorf Wenn Wolfgang Hackenberg erklären will, was sein Unternehmen genau macht, kommt er nicht ohne Grafiken aus. Dann fliegen Pfeile und Ebenen über den Bildschirm, kurz darauf Piktogramme von Fließbändern, Maschinen und Produkten.

Denn das Geschäft seines Start-ups Synaos ist kompliziert: Zusammen mit seinen beiden Mitstreitern Lennart Bochmann und Tobias Gagern baut der Ingenieur an einer Software, die das Zusammenspiel von Lager, Produktion und Warenausgang automatisch orchestrieren soll – und zwar mithilfe Künstlicher Intelligenz.

„Es geht bei Synaos darum, die steigende Komplexität von Fertigung und Logistik in automatisierten Fabriken zu beherrschen, indem die oft chaotisch wirkenden Strukturen miteinander synchronisiert werden“, erklärt Hackenberg die Idee.

Und die scheint Industrieunternehmen wie Investoren brennend zu interessieren. Obwohl Synaos noch nicht einmal ein Jahr alt ist und auch noch kein Praxisbeispiel präsentieren kann, will der Volkswagen-Konzern die Software in seinem umgebauten E-Auto-Werk in Zwickau einsetzen.

Dabei soll der Algorithmus zunächst die Intralogistik organisieren: Synaos steuert die unbemannten Transportfahrzeuge in der Fabrik und sorgt dafür, dass jedes Teil zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – und dass dabei so wenige Fahrzeuge wie nötig eingesetzt werden, ohne dass es zu Verzögerungen kommt.

Was einfach klingt, ist das Ergebnis einer komplizierten Rechenaufgabe. Denn anders als bisher üblich arbeitet die Software der Gründer nicht nach festgelegten Regeln, sondern sucht per „Machine-Learning“-Algorithmus immer wieder nach Lösungen, um die Fahrwege der Transporter zu optimieren. „Im Grunde ist das eine endlose Rechnung“, erklärt Tobias Gagern, der für Technologie und Forschung verantwortlich ist. „Je besser die Algorithmen aufgebaut sind, desto schneller kommt man zu einem guten Ergebnis.“

Erschwert wird die Optimierung in der Praxis dadurch, dass im Fabrikalltag ständig neue Transportaufträge einlaufen, die die Software verarbeiten muss. Bisher geschieht das meist auf Basis festgelegter Regeln, wie mit neuen Aufträgen zu verfahren ist.

Doch ändern sich die Rahmenbedingungen, ändert sich unter Umständen auch die optimale Route eines Fahrzeugs, das bereits mit einem anderen Auftrag unterwegs ist. Diese Änderungen kann Synaos in Echtzeit berechnen – und zwar gleichzeitig für zum Teil Hunderte Flurförderfahrzeuge, die in einer einzelnen Fabrik unterwegs sein können.

Gemeinsamer Hintergrund

Dass ein Konzern wie VW bei einem so sensiblen Thema wie der eigenen Produktion auf die Dienste eines Start-ups vertraut, hängt auch mit dem Hintergrund der drei Gründer zusammen: Kennengelernt haben sich Hackenberg und Bochmann als Angestellte bei dem Autobauer – wobei Hackenberg damals das Smart-Production-Lab bei VW leitete, während Bochmann dort seine Doktorarbeit über Produktionsoptimierung verfasste. Gagern wiederum folgte zunächst als Master-Student, dann als Doktorand. Im September 2018 gründeten sie schließlich Synaos.

„Für mich war schon früh im Leben klar, dass ich Unternehmer werden will“, sagt Hackenberg. „Schon während meines Studiums in Köln habe ich nach Firmen Ausschau gehalten, die einen Nachfolger gesucht haben und in die ich hätte einsteigen können.“

Deshalb musste der 38-jährige Firmenchef nicht lange überlegen, als den Gründern kurz nach dem Start bereits ein Angebot für eine Übernahme durch ein US-Unternehmen vorlag. „Wir haben abgelehnt. Obwohl das Angebot neben Anteilen an der hochbewerteten Firma auch eine dicke Gehaltserhöhung für uns beinhaltet hätte.“

Stattdessen sammelten die Gründer sechs Millionen Euro ein, um in einem ersten Schritt Büro- und Testräume in Hannover anzumieten und ein Team mit derzeit gut 20 Mitarbeitern aufzubauen. Auch der Beirat des Unternehmens ist prominent besetzt: Neben dem KI-Pionier und früheren Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Wolfgang Wahlster, zieht nun der Gründer der Flugplattform Swoodoo, Lars Jankowfsky in das Gremium ein.

„Synaos hat einen überragenden Start hingelegt und ist schon jetzt Frontrunner, wenn es um die Orchestrierung vernetzter intralogistischer Prozesse in Fertigung und Logistik geht“, so Jankowfskys Urteil. „Die Chancen des Unternehmens sind riesig, auch wegen der exzellenten technologischen Ausrichtung.“

Spätestens im November folgt die Feuerprobe: Da muss die erste Version der Synaos-Software an VW in Zwickau ausgeliefert werden. Gelingt der Plan, wollen die Gründer weitere Produktionsbereiche vom Chaos befreien. Denn nicht nur Flurförderfahrzeuge brauchen Orchestrierung – sondern auch Maschinen, Fließbänder und Menschen.

Mehr: Omnibot aus Oldenburg hat Großes vor: Das Start-up will im Bereich Sprachtechnologie in den direkten Wettbewerb mit Größen wie Amazon treten.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Software-Start-up - Die Synaos-Gründer: Die Herren über das Chaos

0 Kommentare zu "Software-Start-up: Die Synaos-Gründer: Die Herren über das Chaos"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote