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SolteQ-Chef Berkay Bayer Ein Dach aus Sonnenenergie – so profitiert ein deutscher Mittelständler vom Tesla-Hype

Tesla hat mit der Ankündigung von Solardachziegeln einen Hype ausgelöst. Davon profitiert ein Unternehmer aus dem Emsland, der die Ziegel anbietet.
22.12.2019 - 15:19 Uhr 1 Kommentar
Der Mittelständler wächst mit seinem Solardach rasant. Quelle: SolteQ
SolteQ

Der Mittelständler wächst mit seinem Solardach rasant.

(Foto: SolteQ)

Düsseldorf Seit Tesla das Wort Solarziegel vor drei Jahren zum ersten Mal ins Gespräch gebracht hat, hat der Pionier-Konzern aus dem Silicon Valley die ganze PV-Welt in Aufregung versetzt. Normalerweise sieht man die großen dunkelblauen Vierecke auf den Dächern schon von weitem – ein Dach gebaut aus Sonnenenergie aber, das wäre eine Revolution. In Deutschland hat die Ankündigung von Tesla einen Hype ausgelöst, kaufen können Kunden die Solarschindeln hierzulande aber immer noch nicht. Zumindest nicht jene aus Kalifornien.

Im niedersächsischen Emsland dagegen sitzt ein Familienunternehmen, das die heiß begehrten Mini-Paneele schon länger im Angebot hat. „Vor vier Jahren wusste keiner, was ein Solardach ist, heute können wir uns vor Nachfrage kaum retten“, sagt SolteQ-Chef Berkay Bayer. Das verdanke er vor allem Tesla. Die Idee habe er allerdings schon lange vor dem US-Giganten gehabt.

Die kleine Firma mit Sitz in Oberlangen hat ihr erstes Testdach schon 2012 mit Solarziegeln gedeckt, die nicht nur Strom erzeugen, sondern das Haus auf Wunsch auch noch mit Wärme versorgen. Drei Jahre später hat sich der studierte Ingenieur mit dem Produkt auf den Markt gewagt, nur kaufen wollte es niemand.

„Zwei Jahre lang hat uns keiner zugehört, und dann kam Tesla um die Ecke. Ab dem nächsten Tag haben wir angefangen Solardächer zu verkaufen, weil die Leute verstanden haben, was mit ,Solardach‘ eigentlich gemeint ist“, sagt Bayer. Jetzt könne er sich vor Anfragen kaum retten.

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    „Solardachziegel sind der heilige Gral der Photovoltaik-Branche“, sagt auch PV-Experte Götz Fischbeck von der Beratungsfirma Smart Solar Consulting. Schon Anfang der 1990er-Jahre kamen die ersten auf den Markt. Den Durchbruch hat bislang aber noch niemand geschafft – inklusive Tesla.

    Wie auf diesem Bild von Tesla sollen Solardachziegel sich kaum von normalen Schindeln unterscheiden. Quelle: Reuters
    Solardachziegel

    Wie auf diesem Bild von Tesla sollen Solardachziegel sich kaum von normalen Schindeln unterscheiden.

    (Foto: Reuters)

    Auch der Dresdner Modulhersteller Solarwatt versuchte sich einst an stromproduzierenden Ziegeln. Mittlerweile ist das Unternehmen mit seinen In-Dach-Modulen auf eine Zwischenlösung umgestiegen. Auch die Solarwatt-Module decken das Dach und ersetzen somit eine zusätzliche Schindel-Schicht. Die Optik ist ähnlich wie bei herkömmlichen Modulen, sie sind damit deutlich größer als handelsübliche Dachziegel.

    Effizient bis ins Eck

    Die Schwierigkeit liege vor allem in der technischen Umsetzung, erklärt Fischbeck. Während ein normales Modul aus bis zu 60 Solarzellen besteht, sind in einem Dachziegel von Tesla lediglich zwei Zellen verbaut. Anstatt also 20 Module auf einem Dach untereinander zu verkabeln, müssen bei einem Solardach mindestens 600 Ziegel installiert werden. Das ist aufwendig und teuer.

    Trotzdem haben die begehrten Schindeln neben der Ästhetik auch einen großen Vorteil: „Überall wo Dächer neu eingedeckt werden, ist es natürlich billiger, wenn man beides in einem hat. Also nicht erst das Dach und dann noch die Montage einer PV-Anlage obendrauf bezahlen muss“, sagt Fischbeck.

    Das Solardach von SolteQ allerdings ist noch zehn bis 15 Prozent teurer als ein neues Dach mit herkömmlichen PV-Modulen. „Dafür haben unsere Solarziegel allerdings einen bis zu 36 Prozent höheren Ertrag als herkömmliche PV-Anlagen“, argumentiert Bayer. Schließlich könne die Dachfläche durch die Ziegel bis zur letzten Ecke genutzt werden. Mono-kristalline Zellen und eine besonders reflektionsabweisende Oberfläche würden für zusätzlichen Ertrag sorgen.

    Tesla in der Kritik

    Und auch wenn Tesla Solarziegeln zum Hype gemacht hat – noch sind sie ein Nischenprodukt. In den USA musste Tesla bereits Produktionsstandorte schließen und Angestellte entlassen. Wegen der Leistungsfähigkeit gibt es immer wieder Kritik.
    Solche Probleme habe es bei seinen Dächern bislang nicht gegeben, sagt SolteQ-Chef Bayer. Das einzige Problem, das er bislang habe: „Wir kommen mit der Bearbeitung der Anfragen kaum noch hinterher.“

    Genaue Zahlen will der gebürtige Wuppertaler zwar nicht nennen, aber der Umsatz habe sich in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht. Deswegen baut der Solarziegelhersteller jetzt seine Fertigungskapazitäten aus. Ab 2020 soll die Produktion im Emsland voll automatisiert sein und so bis zu drei Millionen PV-Schindel pro Jahr herstellen können. Außerdem sollen in ganz Deutschland 25 Ausbildungszentren für Dachdecker-Betriebe errichtet werden.

    Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Gerade mal 1000 Dächer hat SolteQ bislang mit seinen Solarziegeln gedeckt. Trotzdem, sagt Bayer, „das Dach der Zukunft wird Energie erzeugen, mit oder ohne SolteQ“.

    Mehr: Elon Musk will auch Solardächer verkaufen. Seine neuen Dachpfannen sollen nicht nur saubere Energie für Elektroautos erzeugen, sondern gleichzeitig für eine umstrittene Übernahme werben.

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    1 Kommentar zu "SolteQ-Chef Berkay Bayer: Ein Dach aus Sonnenenergie – so profitiert ein deutscher Mittelständler vom Tesla-Hype"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wir brauchen in Deutschland dringend eine PV-Pflicht für Neubaudächer. Heute entstehen noch viele Gebäude ohne PV-Anlage, so werden wir die Energiewende und den Kohleausstieg nicht schaffen. Im Jahr 2030 könnte die kWh vom Energieversorger 38 bis 40 Cent kosten, dann ärgern sich alle, die heute ohne PV-Anlage gebaut haben.

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