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Sport-Business Wie Christian Prudhomme das Millionen-Spektakel Tour de France managt

Seit zwölf Jahren leitet der einstige Journalist das größte Radsportevent der Welt. Trotz allem Pathos ist die Tour längst ein riesiges Geschäft.
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Der Manager expandiert mit dem Tour-Veranstalter ASO auch in Deutschland. Quelle: Reuters
Christian Prudhomme

Der Manager expandiert mit dem Tour-Veranstalter ASO auch in Deutschland.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Es ist ein legendärer Moment, jedes Jahr Anfang Juli: Das rote Auto mit der Nummer 1, das vor annähernd 200 Radprofis herfährt, der Mann, der zum Dachfenster hinausschaut und irgendwann dem Peloton der Tour de France freie Fahrt signalisiert: Am Wochenende beim „Grand Départ“ in Brüssel war es im 13. Jahr Christian Prudhomme, der die kleine gelbe Fahne schwenkte.

Es war der Beginn eines des größten Sportereignisse der Welt – und zugleich das Ende eines auf Höchstleistung getrimmten Vorbereitungsprozesses, an dem Millionenbeträge hängen. An die zwölf Millionen Menschen werden die Etappen live am Straßenrand verfolgen, wohl mindestens noch mal doppelt so viele weltweit vor Bildschirmen, jedes Jahr jedes Jahr werden es mehr.

Entsprechend attraktiv sind die Plätze für Sponsorennamen auf den Trikots der Sieger – und steigen die Einnahmen für das Unternehmen, das das Spektakel organisiert, mit Christian Prudhomme an der Spitze.

Seit 2017 ist der heute 58-Jährige Direktor der Tour de France und Chef der Amaury Sport Organisation (ASO) mit Sitz nahe Paris, die neben der Tour de France auch Ereignisse wie die Rallye Dakar oder den Paris Marathon ausrichtet. 2017 machte sie damit mehr als 220 Millionen Euro Umsatz – geschätzt drei Viertel davon mit der Tour de France.

Die ASO wiederum gehört zur Amaury-Gruppe mit insgesamt etwa 440 Millionen Euro Umsatz im Besitz der gleichnamigen französischen Familie. Der unternehmerische Ursprung der Verlagsgruppe liegt 1944 in der Résistance.

Émilien Aumery, aktiv im Widerstand gegen die deutschen Besatzer, gründete seinerzeit „Le Parisien“, den die Gruppe noch heute herausgibt – ebenso wie die später hinzugekaufte Sportzeitung „L’Équipe“, die eine größere Auflage hat als die deutsche „Bild“-Zeitung und die in Frankreich verehrt wird als Bibel der Radsportberichterstattung.

Wachstum erzielen heute allerdings zuvorderst die Aktivitäten der ASO, und die Gruppe expandiert mit der wachsenden steigenden Sport- und Freizeitbegeisterung. So übernahmen die Amaurys vor zwei Jahren zum Beispiel die Mehrheit am Teambuilding- und Sport-Incentive-Anbieter Durat Concept.

Die Verbindung zur Person Prudhomme, der zwar immer mal wieder auf Rennrad oder Mountainbike zu sehen ist, aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern nie Sportprofi war, liegt dennoch nahe an den unternehmerischen Wurzeln der Amaurys: Der Absolvent der höchst renommierten Journalistenschule in Lille arbeitete mehr als 20 Jahre lang als Sportjournalist fürs Fernsehen, kommentierte Rugby, Skifahren und seinen geliebten Radsport, bevor er 2007 Manager des Mega-Events wurde, das in Frankreich den Status eine Nationalguts innehat.

Prudhomme verweist in Interviews gern auf die unternehmerische Verantwortung der Amaurys, allen voran „la patronne“, die 79-jährige Clan-Chefin Marie-Odile Amaury, Schwiegertochter des Firmengründers und Witwe des verstorbenen Erbens.

Doch Prudhomme ist das Gesicht der Tour de France: Ihn und seine Entourage müssen Bürgermeister, die wie Düsseldorf vor zwei Jahren den „Grand Départ“, also den „großen Start“, der dreiwöchigen Rundfahrt ausrichten wollen, umwerben – und sie reißen sich darum, obwohl sie dafür zweistellige Millionenbeträge zahlen müssen. Aber die Vorstellung, dass die Bilder der herausgeputzten Städte um die Welt gehen und später Touristen anlocken, ist verlockend. Und die ASO rechnet gern vor, dass dieses Marketing noch weit mehr wert ist.

Wachsende Radsportbegeisterung in Asien

Aus deutscher Sicht mag das verwundern, tief saß die Skepsis gegenüber dem Sport nach den schweren Dopingfällen um die Jahrtausendwende. Aber bei den Radsportnationen Frankreich, Belgien oder Großbritannien bist dies Skepsis längst verflogen, und im Nahen Osten, in Asien und in Mittelamerika blüht die Begeisterung erst richtig auf. Aber die ASO expandiert auch in Deutschland, richtet seit 2017 den auf den 1. Mai datierten Radklassiker Frankfurt-Eschborn aus.

„Herr Prudhomme hat es geschafft, die Tour de France zu einem wirtschaftlichen und medialen globalen Mega-Event zu entwickeln – und zu einer globalen Marke, immer mehr auch in Asien“, sagt Eduard Dörrenberg, Chef und Miteigentümer der Bielefelder Dr.-Wolff-Gruppe. Das Unternehmen unterstützt mit seiner Shampoo-Marke Alpecin seit 70 Jahren den Radsport, ist Sponsor eines der großen Tour-Teams und hat parallel zum Radsport seine Bekanntheit in Asien enorm gesteigert.

Mehr noch, erzählt Dörrenberg, habe Prudhomme auch 2015 bei der Alpecin-Teampräsentation die wieder erstarkende Bedeutung des deutschen Marktes für den Radsport betont, „und die Notwendigkeit, gemeinsam daran zu arbeiten, die Tour wieder in das deutsche Fernsehen und auch Live wieder nach Deutschland zu bringen – was ja beides gelang“.

Dabei bedient Prudhomme selbst gern das in Frankreich geliebte Bild des enthusiastischen Machers, spart in seiner Biografie weder an Pathos noch an Eigenlob. Es ist aber tatsächlich auch ein Verdienst der ASO, dass der Sport heute sauberer ist: In keiner anderen Sportart werden Athleten so engmaschig und häufig kontrolliert. Prudhomme bindest zudem die französische Dopingaufsicht ein, die strenger ist und härter gegen Sünder vorgehen kann als die Weltantidopingagentur Wada.

Ob das je reichen kann in einem Business, in dem für die Sponsoren der Teams am Ende nur Siege zählen, weil die Trikots und die Firmennamen der Zweit- und Drittplatzierten die TV-Kameras nicht interessieren, bleibt dahingestellt. Doch wer die Verquickung von professionellem Radsport und Wirtschaftsinteressen beklagt, verkennt dessen Ursprünge, denn er entwickelte sich überhaupt erst auf Grund wirtschaftlicher Interessen.

So wollte der Initiator der Tour de France, der Journalist Henri Desgrange, 1903 mit einer Etappenrundfahrt durch Frankreich die Auflage seiner Zeitung „L’Auto“, Vorläufer von „L‘Équipe“, steigern – und kalkulierte mit der Unterstützung von Fahrradkonstrukteuren wie Peugeot oder Reifenherstellern wie Dunlop.

Die wiederum begnügten sich nicht damit, Fahrer auszustatten und Anzeigen mit Lobpreisungen ihrer Produkte zu schalten, sondern manipulierten von Beginn an. Lange war Doping nicht verboten – sondern in den Regularien festgehalten, dass sich hier jeder selbst kümmern müsse.

Mehr: Fünf ganz unterschiedliche Radsportbücher, mit denen Sie den Mythos Tour de France verstehen.

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