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Sportverband Erst Winzer, jetzt DFB-Chef: Was Fritz Keller als Mittelständler gelernt hat

Seit Herbst führt der Badener den Deutschen Fußball-Bund. An den Prinzipien, mit denen er Weinberge und Gaststätten leitet, hält er als Funktionär fest.
12.12.2019 - 04:03 Uhr Kommentieren
Seit September ist der Unternehmer Chef des DFB. Quelle: Privat
Fritz Keller

Seit September ist der Unternehmer Chef des DFB.

(Foto: Privat)

Oberbergen Es ist schon nach Mitternacht, das „Rindfleisch-Quintett“ spielt zum Abschluss „Die Gedanken sind frei“, und Fritz Keller blickt zufrieden in die Runde. Fünf Stunden lang haben seine Gäste gesungen, geschlemmt, gebechert. Nun neigt sich das Schlachtfest dem Ende zu, Blut-, Leber- und Bratwurst, Selchfleisch und Nudelsuppe sind vertilgt.

Der Badener greift entspannt zum Wein. Dieser ausgelassene Abend hat eine lange Tradition, er ist einer der Höhepunkte einer jeden Vorweihnachtszeit im „Schwarzen Adler“, Kellers Gourmetrestaurant am Kaiserstuhl.

Es kommt nicht mehr so häufig vor, dass der 62-Jährige selbst in den mit Holz verkleideten Gaststuben seiner „Sternekneipe“ steht. So bezeichnet Keller salopp sein mit einem Michelin-Stern dekoriertes Gasthaus. Ende September haben ihn die Delegierten zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gewählt – einstimmig. Mehr als eine Nacht in der Woche schlafe er seitdem kaum noch im eigenen Bett, erzählt der Winzer und Gastronom. Er beklagt das nicht. Er hat es ja so gewollt.

Die knapp dreistündige Fahrt in die DFB-Zentrale nach Frankfurt ist für Keller bereits zur Routine geworden. Zurück lässt er im idyllischen Oberbergen ein eingespieltes Team von 120 Mitarbeitern, das sein Weingut, seinen Aldi-Lieferanten und seine drei Restaurants führt.

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    Es sei ruhiger ohne den Vater, meint Sohn Friedrich augenzwinkernd. Was Keller mitnimmt in die Frankfurter Otto-Fleck-Schneise, also ins Hauptquartier des DFB, ist seine Erfahrung als Mittelständler – und seine Prinzipien.

    Im Unternehmen denke er langfristig, und genauso gehe er auch den anstehenden Umbau des DFB an: „Es geht darum, eine Struktur zu schaffen für Generationen“, betont der Mann mit der markanten schwarzen Hornbrille. Anders sei es auch gar nicht möglich: „Denn die heutigen Bambini sind die Nationalspieler von morgen.“

    Schlechtes Image

    Keller weiß um das schlechte Image des DFB, das vor allem von den undurchsichtigen Geldströmen rund um die Weltmeisterschaft 2006 herrührt. Er sieht das nicht zuletzt auch aus Sicht der Mitarbeiter des Sportverbands: „Sie müssen darunter leiden, dass einige einzelne Personen katastrophale Fehler gemacht haben und keine auf Leistung ausgerichteten, transparenten Strukturen und Abläufe geschaffen wurden.“

    Vorgänger Reinhard Grindel musste im Frühjahr dieses Jahres wegen einer Uhr zurücktreten, die er von einem russischen Oligarchen geschenkt bekommen hatte.

    In seiner Bewerbungsrede vor der Abstimmung Ende September hat Keller eine Generalinventur angekündigt. Wann er die abschließen werde? So, wie Keller im heimischen Oberbergen nichts überstürzt, so scheint er sich auch am Main Zeit zu nehmen.

    Dass sich die Abläufe und Strukturen ganz massiv verändern werden, ist aber völlig klar. Der umsichtige Mann lehnt sich schon einmal halb über den Tisch, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen: „Den Satz: ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘, den akzeptiere ich einfach nicht.“

    Der Ex-Präsident des Bundesligisten SC Freiburg will die kommerziellen Aktivitäten in einer eigenen GmbH abspalten. So ähnlich, wie dies auch der Automobilclub ADAC getan hat. Diese neue Firma soll zwar komplett in Besitz des DFB bleiben, aber von einem Geschäftsführer geleitet und einem Aufsichtsrat kontrolliert werden.

    Keller spricht von „Checks and Balances“, die er schaffen wolle, von gegenseitiger Kontrolle also. Würde nichts geschehen, müsste der Verband mit seinen 400 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und 500 hauptamtlichen Mitarbeitern um die Gemeinnützigkeit bangen.

    Fußball hat gesellschaftliche Aufgabe
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