Start-up 1Aim Warum sich Gründer Torben Friehe für die deutsche Provinz statt für Manhattan entschieden hat

Ein Angebot von WeWork soll der 1Aim-Gründer ausgeschlagen haben. Stattdessen kooperiert der Entwickler digitaler Schlösser mit deutschen Unternehmern.
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Der 1Aim-Gründer hat ein Angebot von WeWork abgelehnt, soll aber weiterhin im Gespräch mit dem Mega-Start-up sein.
Torben Friehe

Der 1Aim-Gründer hat ein Angebot von WeWork abgelehnt, soll aber weiterhin im Gespräch mit dem Mega-Start-up sein.

BrakelNew York und Brakel verbindet wirklich gar nichts. Die US-Metropole mit mehr als acht Millionen Einwohnern ist atemberaubend, ihr Name steht synonym für flirrendes Leben. Im Luftkurort Brakel atmet es sich recht gut, das Städtchen im östlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens ist allenfalls synonym mit tiefster deutscher Provinz. Und doch hat sich Torben Friehe für die zweite Option entschieden, gewissermaßen.

Der 27-Jährige führt das Berliner Start-up 1Aim, das digitale Schließsysteme für Türen entwickelt. Das Hauptprodukt Light Access Pro ergänzt das Schloss einer Tür um eine Art Tablet neben der Tür, das die Öffnung per Handy ermöglicht. Aber ohne die Vertriebspower etablierter Unternehmen ist es schwer für das Start-up aus Tegel, die Häuser der Deutschen mit Tech-Türen auszustatten.

„Über unsere eigene Seite haben wir bisher nur wenige Hundert Stück verkauft“, gibt Friehe zu. Damit es mehr werden, tut sich 1Aim nun mit dem Brakeler Familienunternehmen FSB zusammen, das bisher klassische Türklinken herstellte.

Nun haben das 137 Jahre alte und das sechs Jahre junge Unternehmen eine digitale Türklinke entwickelt. Auf der Security-Messe in Essen in der kommenden Woche wollen 1Aim und FSB die neue Klinke der Fachwelt vorstellen. FSB hat sich an 1Aim beteiligt, ebenso wie zuvor der Türenhersteller Hörmann.

Spezialmessen abzuklappern könnte sich Friehe längst sparen, hätte er sich für New York entschieden. Denn nach Informationen des Handelsblatts hätte 1Aim auch von dem amerikanischen Coworking-Riesen WeWork übernommen werden können.

Friehe würde dann jetzt dessen weltweit rund 160 mit Sitzsäcken und Craftbeer-Zapfanlagen ausgestatteten Büroflächen mit digitalen Schlössern ausstatten. Demnach verhandelte Friehe über einen Verkauf seines Start-ups an das New Yorker Unternehmen.

Neues Gemeinschaftsprojekt schon in den Startlöchern

Eigentlich hätten Friehe und WeWorks sehr visionär auftretender Gründer gut zusammengepasst, Friehe hat selbst etwas Visionäres: Sein Maschinenbaustudium schmiss er hin, weil es ihm zu theoretisch war. Mit seinem Mitgründer Yann Leretaille und anderen europäischen Gründern rief er die „Good Technology Collective“ ins Leben, einen Thinktank, der sich mit Technologieethik beschäftigt.

Seine digitalen Schlösser sieht er nur als den Anfang von 1Aim, über die damit gesammelten Daten könnten künftig Gebäude effizienter gesteuert werden, von der Heizung bis zu individuellen Wegbeschreibungen für Besucher. Auch WeWork will seine Gebäude smarter machen, schon um dem Vorwurf zu entgehen, kein Tech-Unternehmen, sondern ein heillos überbewerteter Bürovermieter zu sein. Der Deal soll letztlich am Kaufpreis gescheitert sein.

Das Risiko, dass WeWorks Bewertung eines Tages doch implodiert, hätte ein solcher Deal auf Friehe, Leretaille und 1Aims Investoren übertragen. Friehe dementiert die Informationen auf Nachfrage nicht, betont aber, dass man weiter mit WeWork über eine Partnerschaft spreche. WeWork kommentierte die Gespräche nicht.

Stattdessen arbeitet Friehe nun mit seinen deutschen Partnern weiter. Im Oktober soll ein anderes Gemeinschaftprodukt mit dem Türenhersteller Hörmann in dessen Katalog stehen und den Absatz antreiben.

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