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Start-up Aleksandra Borovaia und Adrian Geiger werden mit Luftreinigern zu Corona-Gewinnern

G.A. Luft vermietet und verkauft Luftreiniger. Lange hat kaum jemand an die Wirksamkeit geglaubt. Doch dann kam eine Studie auf den Markt und beflügelte das Start-up.
28.12.2020 - 17:04 Uhr 1 Kommentar
Gründer-Paar Adrian Geiger und Aleksandra Borovaia vermieten Luftfilter gegen Coronaviren. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
Start-up G.A.Luft

Gründer-Paar Adrian Geiger und Aleksandra Borovaia vermieten Luftfilter gegen Coronaviren.

(Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

Düsseldorf Kleinkindgroße Pakete stehen im Wohnzimmer der Zweizimmerwohnung von Aleksandra Borovaia und Adrian Geiger. Auch im Auto und im Haus von Geigers Eltern stehen Pakete herum. Die Raumluftfilter der Marken Iqair aus der Schweiz, Trotec aus Heinsberg, des Filterkonzerns Hengst aus Münster und der Marke Phillips sind ihre ständigen Begleiter geworden. „Es ist verrückt“, sagt die 27-jährige Borovaia.

Während Deutschland sich abschottet, fahren sie durchs Land, um mobile Luftreiniger in Schulen und Arztpraxen zu bringen. „Ich fahre, er arbeitet mit Laptop auf dem Schoß“, erzählt Borovaia. Ihr Unternehmen heißt G.A. Luft. Es steht für „Geiger Adrian“. Gegründet hatte der 30-Jährige es bereits 2016, als Ergänzung zur Dienstleistung seines Vaters. Dieser untersucht als Baubiologe Gemäuer auf Schimmel oder andere Giftstoffe.

Die online vermieteten Hepa-Luftfilter machen Räume sicherer, wenn sie etwa renoviert werden müssen. Als im März das Coronavirus für bundesweite Lockdowns sorgte, stellten sich beide die Frage: „Was, wenn wir mit einem Filtergerät Räume gegen Corona absichern?“

Beide haben das Unternehmertum im Blut. Adrian Geiger hat schon zu Studienzeiten einen Schreibtisch konzipiert, der ablenkenden Kabelsalat hübsch verstaut. Die gebürtige Russin Aleksandra Borovaia hat mit 19 Jahren in St. Petersburg ein Hostel gegründet und es nach der Fußball-WM 2018 verkauft, um der Liebe wegen nach Deutschland zu ziehen.

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    Die beiden telefonierten mit Iqair, einem Filterunternehmen, das bereits bei der Sars-Pandemie 2003 gute Erfahrungen mit Raumfiltern für Infektionsschutz gemacht hat. Im April fanden sie eine Harvard-Studie, die den Zusammenhang zwischen Todesrate und hoher Luftverschmutzung darlegt.

    Sie schlussfolgerten: Luftreinigung ist auf jeden Fall hilfreich. Wie sehr es gegen Corona hilft, wussten sie da noch nicht. Sie telefonierten mit Arztpraxen, Yogastudios und Restaurants und boten ihre Luftfilter an. Alle lehnten ab.

    Bei Raumluftfiltern kommt es auf drei Dinge an

    Die Wende kam Anfang August. Da veröffentlichte das Team um Christian Kähler eine Studie zur Wirksamkeit von mobilen Raumluftreinigern. Kähler leitet das Institut für Strömungsmechanik an der Bundeswehr-Universität in München. Mit seinem Team hat der Professor optische Messtechniken entwickelt und erforscht unter anderem turbulente Strömungen und die Ausbreitung von Aerosolpartikeln.

    Hüfthoch und etwas klotzig kommen die professionellen Geräte daher. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
    Raumluftfilter der Marke Iqair

    Hüfthoch und etwas klotzig kommen die professionellen Geräte daher.

    (Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

    Sein Ergebnis: Coronaviren lassen sich mit Hepa-Filtern (High Efficiency Particulate Air/Arrestance) der Klasse H13 oder H14 aus der Luft filtern.

    Entscheidend sind drei Dinge:

    1. Die Geräte müssen eine Luftwechselzahl von mindestens sechs pro Stunde schaffen.
    2. Sie müssen einen Filter der Klasse H13 oder H14 nutzen.
    3. Die Raumluftfilter müssen leise sein.

    Doch es gibt auch Kritik. So empfehlen das Robert Koch-Institut und das Umweltbundesamt das einfache Lüften und sind skeptisch gegenüber den Geräten. Auch ein Tüv-Siegel für mobile Raumluftfilter gegen Coronaviren gibt es noch nicht. Kähler widerspricht: Seiner Forschung nach bieten sie gerade im Winter „ein viel höheres Maß an Sicherheit vor einer indirekten Infektion als die freie Lüftung“, sagte er dem Handelsblatt.

    Hoffnung: Gastro, Kinos und Fitnessstudios können wieder öffnen

    Für das Start-up G.A. Luft heißt es seit der Studie von Kähler: Das Telefon klingelt durch. Seit September kommen bis zu 400 Anfragen pro Monat. Im August waren es höchstens 40. Der Verleih allein war für die beiden nicht mehr zu stemmen. Schließlich müssen die Geräte abgeholt, gewartet und gelagert werden.

    Also entschlossen sie sich zum Verleih noch einen Onlineshop zu gründen. Mit dem Kauf ist immer die Raumanalyse verbunden. Darauf legt Borovaia wert. „Es gibt einfach zu viele Dinge zu beachten: Hat der Raum ein Fenster? Gibt es eine Frischluftzufuhr? Wie groß ist er? Das alles beeinflusst die Wahl des Gerätes.

    Der Andrang ist für das Gründer-Paar überwältigend. Gleichzeitig freuen sich beide, etwas Sinnvolles beizutragen. Sie hoffen, dass mit der Technologie die Gastronomie schneller öffnen darf, die Besuche im Kino oder Fitnessstudio wieder möglich sind, oder unumgängliche Räume wie Arztpraxen sicherer vor Infektionen gemacht werden können. Einen berühmten Unterstützer haben sie bereits: Der Metro-Chef Olaf Koch forderte den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern in Restaurants.

    Die Hoffnung ist berechtigt. Denn auch wenn der Impfstoff bereits gespritzt wird, dauert es wohl noch lange, bis der gewohnte Alltag zurückkehrt. Bis dahin ist Kreativität gefragt.

    Mehr: Diese Geräte filtern die Coronaviren aus den Klassenzimmern

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    1 Kommentar zu "Start-up: Aleksandra Borovaia und Adrian Geiger werden mit Luftreinigern zu Corona-Gewinnern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dass solche Technik sinnvoll ist, "wissen" andere Länder schon länger. Bei uns ist die gesteigerte Sensitivität wohl fast weitgehend der Studie von Prof. Kähler zu verdanken. Das Umweltbundesamt hingegen hält eigentlich nichts von solch innovativen Lösungen und ist da ähnlich hinterher, wie ursprünglich auch das RKI mit seiner zum Anfang der Pandemie monatelangen Weigerung, die Maske als sinnvollen Baustein zur Reduzierung der Infektionsrisiko' anzuerkennen (https://www.umweltbundesamt.de/themen/mobile-luftreiniger-in-schulen-nur-im-ausnahmefall). Dennoch haben bereits sehr viele Landes- und Bundesbehörden sich mit dieser Technik eingedeckt (bezahlen muss das ja der Bürger und Eigenschutz geht nun mal vor Bürgerschutz). Allerdings besagen Studien aus Nordamerika oder teils auch Asien, dass die Geräte für die Beseitigung der Visuslast nur dann optimal konstruiert sind, wenn sie nicht nach oben oder zur Seite, sondern nach unten blasen. Man kann das Problem allerdings einfach lösen: einfach auf einen Stuhl legen. Ebenfalls ist bekannt, dass auch die WC Spülung zur Aerosol-Bildung beiträgt. Halbwegs innovative Immobilienmanager achten daher bei der WC Sanierung darauf, dass die Spülung nur bei geschl. Klodeckel möglich ist ... Aber all diese Massnahmen sind im Land der Müllproduktion natürlich nicht erwünscht, denn sie haben ja auch einen fortwährenden Nutzen nach der Pandemie, da sie ja auch vielfach weitergenutzt werden können, denn die Luftverschmutzung (siehe bspw. Diesel-Partikel Diskussion, Holz-Kamin-Heizungen oder Abrieb von Bremse und Reifen ) bleibt uns ja auch ohen Corona erhalten ..

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