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Start-up Arrival Flinke Elektro-Vans sollen die Innenstädte erobern

Das britische Start-up Arrival will Elektrofahrzeuge völlig neu denken. Auch in Deutschland sollen die Transporter und Busse bald unterwegs sein.
27.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der US-Lieferdienst UPS bestellte 10.000 Fahrzeuge und steckte zugleich einen ungenannten Betrag in das Unternehmen. Quelle: Arrival
Lieferwagen von Arrival

Der US-Lieferdienst UPS bestellte 10.000 Fahrzeuge und steckte zugleich einen ungenannten Betrag in das Unternehmen.

(Foto: Arrival)

London Für eine Reihe deutscher Hersteller von Elektrofahrzeugen lief es zuletzt nicht sehr gut – für den britischen Konkurrenten Arrival dagegen umso besser: Das Start-up aus London schnappte der deutschen Firma Streetscooter nicht nur einen Großauftrag weg, sondern überzeugte auch noch mehrere Investoren – wodurch Arrival den begehrten Status als „Einhorn“ bekam. Die Firma werde mit drei Milliarden Pfund bewertet, bestätigt Strategiechef Avinash Rugoobur im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Vor fünf Jahren hatte der russischstämmige Unternehmer Denis Sverdlov die Firma gegründet. Anfang des Jahres stiegen die beiden südkoreanischen Autohersteller Kia und Hyundai mit zusammen 100 Millionen Pfund ein. Wenige Wochen später folgte der US-Lieferdienst UPS, der 10.000 Fahrzeuge bestellte und zugleich einen ungenannten Betrag in das Unternehmen steckte.

„Die Investition von Hyundai und Kia ist ein Vertrauensbeweis in unsere Technologie und der Auftrag von UPS ein Vertrauensbeweis in unser Produkt, unsere Kostenstruktur und das Potenzial, das wir auf dem Markt sehen“, sagt Rugoobur.

Bislang fahren zwar nur Testfahrzeuge von Arrival auf den Straßen umher, und konkrete Produktionsziele will auch der Strategiechef nicht preisgeben – doch an Ehrgeiz mangelt es nicht. „Wenn Arrival in einigen Jahren nicht Marktführer ist oder Millionen unserer Fahrzeuge umherfahren, haben wir unsere Arbeit nicht richtig gemacht“, sagt Rugoobur mit Blick auf den britischen Markt.

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Standort erkennen

    Auch in Deutschland führe man Gespräche mit potenziellen Kunden, aber letztlich will Arrival sehr viel höher hinaus: Als Absatzmärkte sieht das Start-up aus Großbritannien die USA und Europa sowie Schwellenländer. An mehreren Standorten, unter anderem in den USA, Deutschland, Russland und Israel, beschäftigt Arrival 1000 Mitarbeiter, die meisten davon Ingenieure.

    Ein umkämpfter Markt mit Wachstumspotenzial

    „Arrival hat als Disruptor mit erheblichen Investitionen von Hyundai-Kia und Großaufträgen von UPS für viel Wirbel gesorgt“, sagt Autoexperte David Bailey von der Birmingham Business School, „aber ob man das Versprechen von kleinen, flinken und modularen Elektrofahrzeugen erfüllen kann, bleibt abzuwarten“.

    Wie andere Experten auch ist Bailey aber der Meinung, dass der Markt für Transporter mit Elektroantrieb wachsen wird. Schließlich kaufen immer mehr Menschen online ein und lassen sich Waren liefern. Gleichzeitig sind die Mehrheit der bisher eingesetzten Transporter Dieselfahrzeuge, deren Einsatz in immer mehr Städten eingeschränkt wird. Viele Automobilhersteller arbeiten deswegen an Transportern mit Elektroantrieb.

    Arrival verfolgt eigenen Aussagen zufolge aber „einen anderen Ansatz in einer Branche, die sich in den vergangenen 50 bis 100 Jahren kaum verändert hat“: Die meisten der aktuell verfügbaren Fahrzeuge „genügen nicht den Anforderungen“, findet Rugoobur, viele Modelle „wurden vor Jahrzehnten entwickelt, und die Elektroversion kommt erst in einigen Jahren auf den Markt“.

    Alle Fahrzeuge des Start-ups basieren auf einem technologischen Grundkonzept, das individuell angepasst wird, Quelle: Arrival
    Arrival-Bus

    Alle Fahrzeuge des Start-ups basieren auf einem technologischen Grundkonzept, das individuell angepasst wird,

    (Foto: Arrival)

    Ein Flottenmanager, der auf Elektrofahrzeuge umsteigen wolle, steht seiner Einschätzung nach vor dem Problem, dass er nicht das Fahrzeug findet, das auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. „Das ist der Vorteil, wenn man etwas von Grund auf neu baut, wenn man noch nicht einige Milliarden für den Bau einer Fabrik mit einer Produktionsstraße ausgegeben hat, wenn man nicht den Wechsel von Verbrennungsmotoren zu Elektromotoren vollziehen muss.“

    Dass man bei Arrival komplett anders denkt, liegt auch am Gründer des Unternehmens. Der 42-jährige Sverdlov hat zwar neben Betriebswirtschaft auch Ingenieurwesen in Sankt Petersburg studiert, aber vorher nie bei einem Autohersteller gearbeitet. Er war Chef des russischen Internetdienstanbieters Yota und kurzzeitig auch russischer Vizeminister für Kommunikation und Massenmedien. 2014 ging er nach Großbritannien und gründete dort neben Arrival auch Robo Race, eine Rennserie für fahrerlose Rennwagen.

    Nach dem Baukasten-Prinzip

    In den vergangenen Jahren hat Arrival eine Art Baukasten-System entwickelt, aus dem sich künftig verschiedene Elektrofahrzeuge ableiten lassen soll. Denn neben dem Elektrotransporter hat Arrival gerade das Konzept für einen Bus vorgestellt.

    Alle Fahrzeuge von Arrival basieren auf einem technologischen Grundkonzept, das individuell angepasst wird, ein sogenanntes Skateboard: ein Chassis mit integrierter Batterie, auf das die Fahrzeughülle montiert wird. Dabei kommen laut Arrival neu entwickelte Materialien zum Einsatz, sodass bei der Produktion von Arrival kein Metall gestanzt, geschweißt oder lackiert wird.

    Das Material, für das Arrival ein Patent halte, sei enorm günstig, leicht formbar, sehr belastbar und vor allem zu 100 Prozent recyclebar, erklärt Rugoobur, der vor seinem Wechsel zu Arrival unter anderem im Innovationsteam bei dem US-Hersteller General Motors gearbeitet hatte. „Dieses Material kann jede von uns gewünschte Form annehmen, und es ermöglicht uns, rasch neue Fahrzeugtypen zu entwickeln.“ All diese Schritte führten dazu, dass die benötigte Produktionsfläche wesentlich geringer sei als bei anderen Fahrzeugherstellern.

    Das ist ein weiterer Grundpfeiler der Arrival-Philosophie: Eine kleine Produktionsstätte, die Arrival Mikrofabrik nennt. Diese wäre bereits ab einem Produktionsvolumen von mehreren Tausenden Einheiten profitabel. „Man hält das Fahrzeug so einfach wie möglich, mit so wenig Bauteilen wie möglich, verbaut günstigere Materialien und muss weniger investieren in überflüssige Arbeitsschritte wie Prägungen.“ Dann amortisiere sich das Projekt schon bei wesentlich geringeren Stückzahlen, ist Rugoobur überzeugt.

    Der Preis muss stimmen

    Dazu kommt, dass man die Herstellung von Komponenten an lokale Zulieferer auslagern will – wodurch man auch nicht die Probleme anderer Autohersteller habe, die Handelsbarrieren beim Import von Waren und unterschiedliche Regulierungsvorschriften fürchten.

    Bislang hat Arrival zwei dieser Mikrofabriken in Großbritannien: eine in Bicester, rund 80 Kilometer nordwestlich von London, und eine in Banbury nahe Oxford, wo auch die Forschung und Entwicklung angesiedelt ist. Künftige Fabriken sollen dezentral, je nachdem wo die Fahrzeuge künftig eingesetzt werden, errichtet werden.

    Und dass früher oder später alle Fahrzeuge elektrisch betrieben werden, davon ist man bei Arrival überzeugt. „Unserer Meinung nach wird es dazu kommen, wenn der Preis stimmt“. Der Preis für den Arrival-Van soll sogar ohne Subventionen nicht über dem eines Diesel-Fahrzeugs liegen.

    „Und wenn das noch staatlich gefördert wird, super, dann hat man noch einen Bonus.“ Aber das solle nicht der entscheidende Faktor sein. „Denn irgendwann wird die staatliche Förderung eingestellt“, ist sich Rugoobur sicher.

    Mehr: UPS bestellt 10.000 Elektro-Vans beim britischen Start-up Arrival

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